Mann im Landtag gerettet: Laschet zeichnet Schneider aus

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Einen Mann reanimiert, im Landtag – dafür erhielt die Schwerter FDP-Politikerin Susanne Schneider eine Auszeichnung vom Ministerpräsidenten. Wen sie rettete? Sie fand es nicht erwähnenswert.

Schwerte

, 05.09.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es passierte im Oktober 2018 im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Ein Mann erlitt einen Herzstillstand. Susanne Schneider, FDP-Abgeordnete aus Schwerte, handelte: Zusammen mit ihrem SPD-Kollegen Serdar Yüksel schalteten die beiden in den Erstretter-Modus.

Der gelernte Intensiv-Krankenpfleger aus Bochum übernahm die Herzdruckmassage. Susanne Schneider, früher Krankenschwester, übernahm die Mund-zu-Nase-Beatmung.

Zwölf Minuten dauerte es, bis die Rettungskräfte da waren. Den Defibrillator, den Landtagsmitarbeiter zwischenzeitlich herangeschafft hatten, mussten Schneider und Yüksel nicht einsetzen.

Für viele Medien waren Parteien und Herkunft wichtig

Die Geschichte wurde zur „Bild“-Schlagzeile – nicht weil da irgendwer fast im Landtag gestorben wäre, nein: Der Mann, der am Boden lag, war ein Landtagsmitarbeiter der AfD. Ausgerechnet diese Partei also. Ausgerechnet Yüksel.

Ausgerechnet? Susanne Schneider machte selbst gegenüber einem FDP-Minister kurz darauf klar, wie sie es sieht: Niemals hätte sie selbst das so der Presse gegenüber erzählt, schrieb sie auf Twitter. Sie unterliege der Schweigepflicht. „Ich helfe, wenn ich gebraucht werde und es kann.“

Gegenüber unserer Redaktion hatte sie unterstrichen: „Dass unsere selbstverständliche Ersthilfe so ein mediales Echo fand, bei dem vor allem die Parteizugehörigkeit der beteiligten Personen dermaßen ausgeschlachtet worden ist, hat mich erschreckt.“

Schneiders: Einsatz, dass Schüler Reanimation lernen

Für Susanne Schneider war damals und ist heute ein ganz anderer Aspekt wichtig: Seit längerem schon setzt sie sich für Laien-Reanimation ein: „Bereits 2015 hatte ich mich mit der FDP-Landtagsfraktion dafür stark gemacht, dass Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 in Erster Hilfe unterrichtet werden und auch die Wiederbelebung erlernen.“

Seinerzeit hatte die rot-grüne Landesregierung das noch abgelehnt. Nach dem Regierungswechsel setzten CDU und FDP das Thema aber um. Schneider findet: „Ich freue mich riesig, dass die Schulen das Projekt sehr gut angenommen haben. Daher sollte man bei dem Thema unbedingt weitermachen. In der September-Plenarsitzung wollen FDP und Christdemokraten den Auftrag an die Landesregierung geben, das Projekt fortzuführen und weiterzuentwickeln.“

„Jeder sollte heutzutage in die Lage versetzt werden, entsprechende Hilfe zu leisten.“
Susanne Schneider

Doch zunächst gab es jetzt den Dank für den Einsatz im Herbst 2018, für die Rettung im Landtag: eine öffentliche Belobigung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Bei dieser Gelegenheit unterstrich Schneider, die bei der Kommunalwahl Landrats-Kandidatin der FDP ist: „Jeder sollte heutzutage in die Lage versetzt werden, entsprechende Hilfe zu leisten. Wer die entsprechende Technik frühzeitig erlernt, scheut sich hinterher auch weniger, sie im Notfall auch anzuwenden.“

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