Mann wollte in den Himmel auffahren und sprengte seine Wohnung

rnUrteil gesprochen

Weil er in den Himmel fahren wollte, sprengte ein 69-jähriger Mann in Iserlohn seine Wohnung in die Luft. Das Hagener Schwurgericht hat am Freitag entschieden, wie es mit ihm weitergeht.

Schwerte

, 10.07.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei einer verheerenden Gasexplosion in der Iserlohner Innenstadt wurde Anfang Dezember 2019 ein denkmalgeschütztes Haus fast vollständig zerstört. Was von dem Gebäude übrig ist, ist heute absolut unbewohnbar. Elf Menschen hatten damals großes Glück, dass sie rechtzeitig aus der Einsturz- und Flammenhölle gerettet werden konnten. Darunter befand sich auch der Auslöser der Katastrophe selbst.

Angeklagter ist schuldunfähig

Der 69-jährige Mann musste sich vor dem Hagener Schwurgericht wegen versuchten Mordes verantworten. Zu einer Verurteilung kam es am Freitag jedoch nicht. Der Angeklagte wurde freigesprochen, weil die Richter sicher sind, dass er aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung zur Tatzeit vollständig schuldunfähig war. „Er war nicht in der Lage, das Unrecht seines Handelns einzusehen“, sagte Richterin Heike Hartmann-Garschagen in der Urteilsbegründung.

Gefahr für die Allgemeinheit

Die Richter hätten den Mann jetzt umgehend wieder in die Freiheit entlassen können. Doch sie entschieden sich anders. Der 69-Jährige wurde für unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen. „Es wäre gefährlich, ihn laufen zu lassen“, so Richterin Hartmann-Garschagen. Der Iserlohner habe mit der Tat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Allgemeinheit sich nicht auf ihn verlassen könne.

Die Explosion ereignete sich am späten Abend des 1. Dezember 2019. Der Angeklagte verstopfte ein Abluftrohr der Gastherme in seiner Wohnung, ließ dann Gas ausströmen und zündete das Gas-Luft-Gemisch an. Innenwände stürzten ein, ein Feuerball raste durch das mehr als 100 Jahre alte Haus. Mit schweren Verbrennungen rettete sich der 69-Jährige ins Freie.

Mann lebte in Sorge um Ex-Frau

Den Grund für sein Handeln hatte der Mann einen psychiatrischen Sachverständigen genannt. Seine Ex-Frau habe ihm damals erzählt, dass sie glaube, er sei psychisch krank. Sie habe deshalb Angst vor ihm, so die Frau. Der Iserlohner nahm sich diesen Ausspruch so sehr zu Herzen, dass er sich fortan einredete, seine Ex-Frau könne erst dann wieder glücklich sein, wenn er tot und in den Himmel aufgefahren sei. Die Explosion sollte das Dach des Hauses zerstören und ihm den nötigen Schub für seine Himmelfahrt geben.

Der Angeklagte, der sich bisher in einem normalen Gefängnis befand, wurde am Freitag umgehend in eine psychiatrische Einrichtung verlegt. Dort wird er so lange behandelt, bis mehrere Ärzte unabhängig voneinander zu dem Schluss kommen, dass von ihm nun keine Gefahr mehr ausgeht. Bisher lässt der Mann jedoch jede Krankheitseinsicht vermissen. Sein Aufenthalt könnte somit lange dauern.

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