„CDU pur“: Marco Morten Pufke (46) will Landrat im Kreis Unna werden

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Die CDU im Kreis Unna setzt auf Marco Morten Pufke (46) als Kandidat für das Amt des Landrates. Die Chancen für die Christdemokraten gelten als so gut wie lange nicht.

Kreis Unna

, 11.03.2020, 15:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn die Wähler im Kreis Unna am 13. September 2020 über einen neuen Landrat abstimmen, kommt dies einer Zäsur gleich. Und zwar unabhängig vom Ausgang der Wahl. Denn fest steht so oder so, dass der Landrat (bisher sind nur Kandidaturen von Männern bekannt) ein neuer sein wird.

Michael Makiolla (64, SPD), Landrat seit 2004 und damit länger im Amt als etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, tritt nämlich nicht noch einmal an.

In der Schwäche der SPD wittert CDU-Kandidat Pufke seine Chance

Und das, wie seit Jahrzehnten im Kreis Unna üblich, ein SPD-Mann seine Nachfolge antreten wird, gilt als keineswegs sicher. Mussten doch die über Jahrzehnte erfolgsverwöhnten Sozialdemokraten bei den Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen in den vergangenen Jahren in ihren einstigen Hochburgen im Kreis Unna herbe Verluste hinnehmen.

Genau darin wittert der Christdemokrat Marco Morten Pufke seine Chance. Am Dienstagabend nominierte der Vorstand des CDU-Kreisverbands Unna den 46-jährigen Bergkamener einstimmig als Landratskandidaten. Am Mittwoch stellte eine CDU-Delegation um den Kreistagsfraktionsvorsitzenden Willi Jasperneite und einige Stadtverbandsvorsitzende Pufke bei einem Besuch in unserer Redaktion vor. Wobei: So richtig vorstellen muss Pufke sich vielen Menschen gar nicht mehr. Trotz seines vergleichsweise jungen Alters kann der 46-Jährige bereits eine lange politische Karriere vorweisen. Vor 30 Jahren trat er in die Junge Union ein, ein Jahr später in die CDU. Geprägt von seinem Großvater, dessen Geschichte von Flucht und Vertreibung aus Breslau in Folge des Zweiten Weltkriegs und seiner parteipolitischen Präferenz, sei für ihn nie eine andere Partei als die CDU in Frage gekommen, sagt Pufke. Im Telefonbuch machte er einst die Rufnummer der CDU-Ratsfraktion in Bergkamen ausfindig, für die er seit 1999 im Stadtrat sitzt. Ein paar Jahre später übernahm er dort auch den Fraktionsvorsitz; in der Frage der Bürgermeisterkandidatur in seiner Heimatstadt ließ er aber nun Thomas Heinzel den Vortritt.

CDU-Landratskandidat Marco Morten Pufke (Mitte) im Kreise seiner CDU-Parteifreunde (v.l.) Wilhelm Kemna, Sibylle Weber, Frank Lausmann, Gerhard Meyer und Wilhelm Jasperneite.

CDU-Landratskandidat Marco Morten Pufke (Mitte) im Kreise seiner CDU-Parteifreunde (v.l.) Wilhelm Kemna, Sibylle Weber, Frank Lausmann, Gerhard Meyer und Wilhelm Jasperneite. © Marcel Drawe

Auf Kreis-Ebene ist Pufke auch schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. 2013 trat er die Nachfolge von Hubert Hüppe als Kreisvorsitzender der CDU an, das Kreishaus und den Kreistag in Unna kennt er durch seine zehnjährige Tätigkeit in der Fraktionsgeschäftsstelle aus dem Effeff.

„Marco hat sich intensiv eingearbeitet und kennt sich in allen Themenbereichen bestens aus“, lobt der langjährige CDU-Kreistagsfraktionschef Willi Jasperneite seinen politischen Ziehsohn. Fleißig und zuverlässig gehe er die Dinge an, die Zusammenarbeit sei seit Jahren sehr vertrauensvoll, ergänzt Frank Lausmann, CDU-Ortsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat in Holzwickede. Und der Unnaer CDU-Chef Gerhard Meyer setzt sogar noch einen drauf. Pufke verfüge über eine „wache Intelligenz“ und sei in der Partei sehr beliebt; „ich wüsste nicht, wer besser geeignet wäre für das Amt des Landrats“.

CDU-Kandidat Pufke: „Innovation, Wirtschaftsfreundlichkeit, Mobilität ohne Dogmen“

Und welche Dinge will er anpacken, falls er Landrat wird? Pufke nutzt die Beflaggung vorm Unnaer Kreishaus, um sich thematisch vom aktuellen Landrat abzugrenzen. „Michael Makiolla stand für den bunten Kreis, den fairen, sozialen und fahrradfreundlichen Kreis“, so Pufke. Wenn er Fahnen vor dem Kreishaus hissen dürfte, würde darauf vom innovativen, wirtschaftsfreundlichen, vernetzten und mobilen Kreis Unna zu lesen sein.

CDU-Landratskandidat Marco Morten Pufke: „Die Kreise Coesfeld, Soest oder im Sauerland, wo Vollbeschäftigung herrscht, die müssen unser Maßstab sein.“

CDU-Landratskandidat Marco Morten Pufke: „Die Kreise Coesfeld, Soest oder im Sauerland, wo Vollbeschäftigung herrscht, die müssen unser Maßstab sein.“ © Marcel Drawe

Der Kreis Unna habe im Strukturwandel sicher Fortschritte gemacht, hat heute deutlich mehr Menschen in Beschäftigung und weniger in Arbeitslosigkeit als noch vor einigen Jahren. Aber das habe viel mit dem konjunkturellen Aufschwung und der guten Arbeit des Jobcenters zu tun; „ob das ein Verdienst des Landrats ist, ist eine andere Frage“, so Pufke. Der Kreis Unna dürfe sowieso nicht nach hinten schauen und sich mit strukturschwachen Räumen vergleichen, sondern müsse sich mit den Besten messen. Pufke: „Da meine ich nicht das Ruhrgebiet, sondern die Kreise Coesfeld, Soest oder im Sauerland, wo Vollbeschäftigung herrscht. Das muss unser Maßstab sein.“

Marco Morten Pufke will kein Verkehrsmittel bevorzugen

Frei von Ideologien und Dogmen wolle er an die Themen herangehen, im Bereich Mobilität beispielsweise nicht das Auto und den Individualverkehr verteufeln, sondern bessere Rahmenbedingungen schaffen. Für Pendler etwa durch den Ausbau von Park-and-Ride-Plätzen und Carsharing-Angeboten. Als „Bergkamener Junge“ nennt er zudem das Langzeitprojekt „Bergkamen an die Schiene“. Das Bemühen um einen Bahnhof für die vom Bahnverkehr abgeschnittene 50.000-Einwohner-Stadt werde er als Landrat zur Chefsache machen, so Pufke weiter.

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sitze in Unna bekanntlich direkt neben dem Kreishaus, doch man müsse als Landrat eben auch mal selbst rüber gehen und nicht nur seine Mitarbeiter vorschicken, wenn man etwas wirklich durchsetzen wolle.

CDU-Kandidat fürs Landramtsamt: „Werkbänke schweben nicht in der Luft“

Das Kreiswahlprogramm ist noch in Arbeit, doch die Kernpunkte sind freilich längst klar. Zum Beispiel die Wirtschaftsförderung, für die es auch zukünftig neue Flächen zu erschließen gelte, denn „Werkbänke schweben nicht in der Luft“, so Pufke. Die Industrie 4.0, die Digitalisierung der Wirtschaft stelle den Kreis vor große Herausforderungen und werde ein großer Arbeitsschwerpunkt.

Das Wahlprogramm, kündigt Pufke an, werde „CDU pur“ sein. Anders als etwa Willi Jasperneite 2009 tritt er nicht mit der Unterstützung der FDP an, obwohl er die Liberalen im Redaktionsgespräch am Mittwoch als „unseren natürlichen Partner“ bezeichnete.

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Ob die FDP selbst einen Bewerber ins Rennen ums Landratsamt schicken wird, ist derzeit ebenso wenig bekannt wie ein möglicher AfD-Kandidat. Stand jetzt, misst sich Marco Morten Pufke mit Mario Löhr (SPD), dem langjährigen Bürgermeister der Stadt Selm, sowie Herbert Goldmann (Grüne), Urgestein im Kreistag und ehemaliger Landtagsabgeordneter aus Fröndenberg.

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Jasperneite will weitermachen – wenn Pufke Landrat wird

Interessante Personalie am Rande: Willi Jasperneite (64), seit Urzeiten Kreistagsfraktionschef und CDU-Stadtverbandsvorsitzender in Werne, will den Fraktionsvorsitz im Kreistag behalten, wenn Marco Morten Pufke Landrat wird. Und wenn nicht? „Die Frage stellt sich nicht, weil er es wird“, so Jasperneite.

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