Mathias Wais entzifferte die Inschriften auf den jüdischen Friedhöfen für ein neues Buch

SCHWERTE In präziser Fleißarbeit gelang es Mathias Wais, die Namen von 74 Verstorbenen auf den insgesamt 95 jüdischen Gräbern in Schwerte, Ergste und Westhofen zu identifizieren. Nur am späten Morgen, wenn die Sonne schräg von Osten einfiel, ließen sich die arg verwitterten Inschriften entziffern.

von Von Reinhard Schmitz

, 15.01.2009, 17:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Als Kenner der hebräischen Sprache konnte Mathias Wais die Inschriften der jüdischen Grabsteine entziffern und übersetzen.

Als Kenner der hebräischen Sprache konnte Mathias Wais die Inschriften der jüdischen Grabsteine entziffern und übersetzen.

"Der Stein muss mitgenommen worden sein", schließt Mathias Wais, der in einem Buch erstmals sämtliche jüdischen Gräber der Ruhrstadt dokumentiert hat. Ähnliches entdeckte der 60-Jährige an den Ruhestätten am Nordwall. Dort fehlten auf einigen Steinen die aufgeschraubten Marmortäfelchen mit den Namenszügen. "Sie wurden fein säuberlich abmontiert", können sie nicht Zerstörungswut der Nazis zum Opfer gefallen sein. Ihre Deutung blieb selbst für einen Experten, der in Israel Judaistik studert hat, eine Tüftelei. Denn eine Unzahl von Abkürzungen ließ über Berufe oder Bibelstellen rätseln. Vier Buchstaben und ein Punkt, mehr nicht. "Aber gerade das hat mir am meisten Freude gemacht."

Schließlich stieß Wais auf die schönsten Komplimente. Als "geachtete Frau, Krone ihre Mannes und Zierde ihrer Kinder" bleibt beispielsweise Rosa Blumenfeld (1820-1886) in ewiger Erinnerung. Die Grabsteine verraten aber auch die zunehmende Integration der jüdischen Mitbürger in Stadtrat und Nachbarschichten. Unbemerkt schlichen sich bei den Angaben der Lebensdaten sogar christliche Symbole wie Sternchen und Kreuz ein.

Lesen Sie jetzt