Medikamente: Apothekerin hofft auf Fortbestehen einer Corona-Neuerung

rnMedikamentenengpässe

Medikamente sind oft schlecht bis gar nicht lieferbar. Das Problem hat sich durch Corona noch verschärft. Aber das Coronavirus hat den Apotheken auch eine Arbeitserleichterung gebracht.

Schwerte

, 15.08.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht alle Medikamente, die man so braucht, sind auch immer verfügbar. Das wissen mittlerweile viele, denn bei den Medikamentenengpässen handelt es sich nicht etwa um ein neues Problem. Neu ist allerdings, dass Apothekerinnen und Apotheker seit Corona etwas dürfen, was vorher so nicht erlaubt war.

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Apotheken müssen Rabattverträge der Krankenkassen erfüllen. Das bedeutet, dass Medikamente nicht einfach durch andere, mit gleichem Wirkstoff und gleicher Wirkstoffmenge, ersetzt werden dürfen. Selbst, wenn es Ersatzmittel gibt.

Damit sie auf ein Medikament ausweichen dürfen, haben Apotheken bisher immer mit dem Arzt sprechen müssen, der das Rezept ausgestellt hat. Das war zeitaufwendig. Hinzu kommt noch der Zeitaufwand, der bei Medikamentenengpässen entsteht, weil Apothekerinnen und Apotheker sehr lange nach einem lieferbaren Produkt im Computer suchen müssen.

„Oft wollen Patienten auch nur das Medikament, das sie kennen“, sagt Apothekensprecherin Heike Nickolay von der St.-Viktor-Apotheke in Schwerte.

Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Alles zusammen mache einen Medikamentenengpass zu „einem Haufen Arbeit“. „Wir sitzen ja nicht rum und haben die Zeit zu suchen, wo man eine Packung bekommen könnte“, sagt sie weiter.

Es sei häufig wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Meistens schicke ein Hersteller eine Charge an einen Großhändler, der verschiedene Niederlassungen hat und diese verteilen die Packungen dann auf die Apotheken. „Da gilt, wer zuerst kommt, malt zuerst“, sagt Heike Nickolay. „Wer nichts bekommt, hat Pech.“

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Wenn ein Patient etwas braucht, bestelle man in der Apotheke St. Viktor sofort. Aber oft seien die Medikamente sofort wieder vergriffen. Eine ellenlangen Liste an nicht lieferbaren Medikamenten beinhaltet neben Antibiotika, Blutdruckmitteln und Krebsmedikamenten auch Narkosemittel. Letztere seien oft mehrere Monate nicht lieferbar.

Auch für Arztpraxen, die Lokalanästhetika einsetzen, seien die entsprechenden Ampullen oft nicht lieferbar. „Es ist für alle Beteiligten anstrengend“, sagt Heike Nickolay.

Neuerung macht vieles leichter

In Zeiten von Corona habe das Gesundheitsministerium allerdings die Lage erleichtert. Jetzt dürfen Apotheken „beispielsweise Tabletten eines Wirkstoffes mit 200 Milligramm á 50 Tabletten durch Tabletten des selben Wirkstoffes mit 100 Milligramm á 100 Tabletten herausgeben“, wenn die auf dem Rezept verschriebene Größe nicht lieferbar ist.

„Vor Corona wäre das umständlich gewesen“, sagt die Apothekensprecherin. „Jetzt dürfen wir das frei entscheiden, solange die Wirkstoffmenge nicht überschritten wird.“ Rabattverträge müssen jetzt nicht mehr zwingend eingehalten werden. Heike Nickolay wünscht sich, dass das beibehalten werden könnte, wenn sich die Coronalage etwas entspannt hat. Denn das hieße, dass weniger Kommunikation nötig wäre und damit wäre es eine akzeptable Lösung für alle.

Medikamentenengpass ist EU-Problem

Die Situation der Medikamentenengpässe habe bereits vor Covid-19 gegeben, allerdings habe sich die Lage seither weiter verschärft. Die Apothekensprecherin sieht hier ein EU-weites Problem, denn die Produktion von Medikamenten wurde überwiegend ins Ausland verlagert „nach China, Indien und in die USA.“

„Wenn man nicht mehr selber produziert, ist man auch nicht mehr Herr der Lage“, so Heike Nickolay. Das sei allerdings ein Problem, das sich nicht so schnell lösen lasse, denn „die Produktionsumsiedlung wäre ein langer Prozess.“

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