Mit der Wünschelrute auf Entdeckungsreise

RHEINEN Mit Antennen aus Fiberglas Magnetfelder und Wasseradern aufspüren? Oder sogar den alten Verlauf der Ruhr ergründen? Kein Problem für die Wünschelruten-Gänger.

von Von Nicole Jankowski

, 09.05.2008, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Karl-Heinz Becker leitet die Wünschelruten-Treffen

Karl-Heinz Becker leitet die Wünschelruten-Treffen

Der Blick schweift weit übers Ruhrtal. „Sehen Sie, wie die Ruhr das Gelände geformt hat“, fragt Charlotte Schneider. Ihren alten Verlauf wollen die Rutengänger entdecken. Nicht mit dem bloßen Auge, sondern mit einer Wünschelrute. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe bei Karl-Heinz Becker in Iserlohn-Rheinen. Während in den Wintermonaten vor allem Theorie auf dem Programm steht, geht es im Frühling und Sommer nach draußen. Dann suchen die Rutengänger nach aktuellen Wasseradern, nach historischen Wasserläufen oder spüren das magnetische Gitternetz der Erde auf.

Ruten reagieren auf Erdstrahlung

An diesem Samstag ist der Hof Braun erste Anlaufstelle. Auf der Kuppe über dem Reiterhof erzählt Besitzerin Martina Braun von den zahlreichen Quellen, die unter diesem Hügel beginnen. So wurde früher die Wasserversorgung des Hofes bestritten. Jasmin Ketels zückt ihre Rute: Sie besteht aus Fiberglas. Viele basteln ihre „Antenne“ auch selbst. Denn die Rute solle nur anzeigen, dass der Körper auf Einflüsse wie Erdstrahlen oder Wassereibung reagiert. Material oder Form von Rute oder Pendel seien daher relativ unerheblich.

Esoterische Spinner

Langsam schreitet die Frau aus dem Sauerland über den Acker. „Ich suche die Quellen hier“, betont sie – und dass ihre Rute schon mehrmals angeschlagen hat. Seit mehreren Jahren kommt Jasmin Ketels zu den Treffen in Rheinen. Es ärgert sie, dass die Rutengänger oft als esoterische Spinner abgetan werden. Bei einem Vortrag lernte sie Karl-Heinz Becker kennen – als dieser anschließend in ihrem Neubau nach Magnetlinien und Wasseradern suchte, überzeugte er sie von der Methode. „Ich habe wirklich gespürt, wie die Rute angeschlagen hat“, erklärt sie.

Mit eigener Technik zum Wünschelruten-Experte 

Bernd Rehfuß aus Unna erinnert sich noch genau daran, dass seine Rute am Anfang gar nicht reagierte. Die Frustration wuchs mit jedem Treffen – bis er seine eigene Technik zum Festhalten der Rute fand. Sie soll sich nicht frei bewegen, aber auch nicht fest fixiert sein. Mittlerweile ist Rehfuß ein echter Experte. „Was soll ich suchen?“, fragt er Karl-Heinz Becker, während die Gruppe an der Lütgen Mühle in Holzwickede steht.

Schwerter Geschichte auf der Spur

Das Fachwerkhaus soll auf einem charakteristischen Energiefeld stehen. Die Magnetlinien schreitet Bernd Rehfuß ab – Muten heißt das im Fachjargon. An der Straße kurz vor dem Gutshof Wellenbad hat Karl-Heinz Becker das bereits getan. Holzstäbe mit blauen Köpfen stecken im Feld. Sie markieren den alten Verlauf der Ruhr, die hier vor 1000 Jahren entlang floss. Auch alte Hohlwege und Treidelpfade hat Karl-Heinz Becker bereits aufgespürt. So sind die Rutengänger nicht nur Wasseradern und Magnetfeldern auf der Spur. Sondern auch der Schwerter Geschichte.

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