Mutmaßlicher Mörder in Schwerte filmte die eigene Festnahme und stellte sie live ins Netz

rnTötungsdelikt in Ergste

Die Polizei ist sich sicher, der Mörder der 72-jährigen Ergsterin ist gefasst. Und der mutmaßliche Täter filmte die eigene Festnahme und übertrug sie live auf Facebook.

Schwerte

, 14.01.2019, 18:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Szene ist gespenstisch. Eine Stunde und 43 Minuten lang sieht man einen schlaksigen Mann mit wenigen Haaren dabei zu, wie er an seinem Schreibtisch sitzt, vor sich hinstarrt. Manchmal steht er auf, erledigt was, dann setzt er sich wieder hin. Plötzlich schellt es viermal, Licht geht an, der Mann fällt vom Stuhl, sinkt auf den Boden und wird von hereinstürmenden Polizisten mit Helm und schwerer Bewaffnung am Boden fixiert. Während der Mann laut schreit und jammert.

Neun Kommentare unter dem Video

Live auf Facebook übertrug der mutmaßliche Täter, der in der vergangenen Woche eine 72 Jahre alte Frau in Ergste getötet haben soll, seine eigene Festnahme am späten Sonntagabend. Darunter neun zumeist belanglose Kommentare, die offensichtlich noch während der Übertragung gemacht wurden: „Du hast es sehr gemütlich schön.“

Angeblich bei der Polizei kein Unbekannter

Ein 49-jähriger Mann soll für den Tod der 72-jährigen Ergsterin verantwortlich sein, deren Leiche am Mittwochmorgen in ihrem Wohnhaus an der Gillstraße gefunden worden war. Unter dringendem Tatverdacht sei der Mann in Schwerte von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen worden, berichtet die Pressestelle der ermittelnden Polizei in Dortmund. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hagen habe die zuständige Ermittlungsrichterin gegen den Beschuldigten bereits einen Haftbefehl erlassen, unter anderem wegen Mordes.

Der Verdächtige ist angeblich kein Unbekannter. Er soll bereits zuvor Jahrzehnte wegen eines Tötungsdeliktes in Gefängnis gewesen sein. Auf seiner Facebookseite schreibt er, dass er 28 Jahre lang in einer Welt verbracht habe „schweigsam gezwungen auf Knien zu sprechen“.

Martialische Fotos mit nacktem Oberkörper

Ansonsten bildet die Facebookpräsenz ein befremdliches Bild: Viele Selfies martialisch, mit nacktem Oberkörper, in Tarnkleidung, im Unterhemd oder mit einer auffälligen Mütze. Mal sitzt er auf dem Bett, mal steht er vorm Spiegel. Fast immer dabei: eine Zigarette und eine Weinflasche. Die steht auch in der Nacht seiner Festnahme auf dem Tisch.

Immer wieder hat es sich selbst in der Wohnung über Stunden gefilmt und das ins Internet übertragen. So auch am 10. Januar, in der Nacht nach der Tat. Auf dem zweieinhalbstündigen Video ist aber nahezu nichts zu sehen.

Auch in anderen Situationen, wie an einer U-Bahnstation, hat er sich gefilmt. Dann wieder Tage, an denen er unzählige Reggae-Videos im Netz teilt. An einer anderen Stelle nennt er Serge Gainsbourg sein Vorbild.

Gedichte und lustige Videos ins Netz gestellt

Zu anderen Zeiten postet er Gedichte und Motivationssprüche oder lustige Videos. Auf einem der Bilder arbeitet er als Gärtner auf einem Parkplatz. Am 24. Dezember postet er ein Bild von drei Flaschen Whisky mit der Überschrift: „So sieht mein Weihnachten aus, also wie immer.“

Am Mittwoch gegen sieben Uhr hatte ein Anwohner der Gillstraße die Feuerwehr gerufen, weil der Rauchmelder im Haus einer Nachbarin Alarm schlug. Im Haus fand die Feuerwehr einen kleinen Brand vor und die Leiche der 72-jährigen Bewohnerin des Eigenheims. Eine Obduktion zeigte, dass die Frau getötet worden war. Über den Tathergang und die Todesursache wollten Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nichts sagen.

Auch nicht darüber, wie der Tatverdächtige, der in der Nähe des Paul-Gerhardt-Hauses wohnte, sein Opfer in Ergste kennengelernt hat. Einen Anhaltspunkt ergibt die Facebookseite, auf der der Mann bei der Gartenarbeit zu sehen ist. Auf dem ersten Foto, dass er vor zwei Monaten auf Facebook eingestellt hat, ist er übrigens im Innenhof der JVA Ergste zu sehen, die ja auch an der Gillstraße liegt.

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