So sieht der neu gestaltete Freischütz aus

rnGastronomie in Schwerte

Die Umgestaltung des Freischütz, durch Corona gebremst, nimmt wieder Fahrt auf. Aus dem Bistro wurde die Waldschänke, in edlem Blau mit einem Relikt aus einem Dortmunder Club.

Schwerte, Aplerbecker Mark

, 09.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Royale Blau gibt den Ziegelmauern etwas Edles, lässt auch die über 100-jährige Holzdecke viel besser zur Geltung kommen. Genauso wie die eisernen Lüster, die ebenfalls aus der Gründungsepoche des Freischütz stammen. „Das Zusammenspiel von Patina und Neu ist gewünscht“, sagt Philip Winterkamp von der Muto Heimatgastronomie, die seit Jahresbeginn das traditionsreiche Waldrestaurant am Schwerter Wald betreibt. Und jetzt das frühere Bistro neben dem Festsaal in die „Waldschänke“ mit besonderem Charme verwandelt hat.

Tresen und Soundanlage aus dem „Daddy Blatzheim“ eingebaut

Nachtschwärmer werden sich vielleicht die Augen reiben: „Den Zapftresen kennen wir doch irgendwo her?“ Richtig, die Muto-Inhaber haben ihn aus dem geschlossenen Kult-Club Daddy Blatzheim im Dortmunder Westfalenpark mitgebracht. Seine auffällige Holzverkleidung passt jetzt zur Waldschänke, als hätte er nie woanders gestanden. Wer genau hinschaut, entdeckt in den Ecken der Zimmerdecke auch Lautsprecherboxen, aus denen einst die Partymusik im Daddy Blatzheim wummerte. In der Waldschänke geht die Soundtechnik für ihr zweites Leben unter Strom.

Wieder gangbar machen lassen Jan Möller (l.) und Philip Winterkamp die drei großen historischen Fenster der Waldschänke, die sich komplett nach oben wegschieben lassen.. "Dann hat man im Prinzip eine Kneipe im Freien", sagt Philip Winterkamp.

Wieder gangbar machen lassen Jan Möller (l.) und Philip Winterkamp die drei großen historischen Fenster der Waldschänke, die sich komplett nach oben wegschieben lassen.. "Dann hat man im Prinzip eine Kneipe im Freien", sagt Philip Winterkamp. © Reinhard Schmitz

Genauso liebevoll nahmen sich Philip Winterkamp und sein Geschäftspartner Jan Möller - unterstützt vom Architekten Tim Diekhans - aber auch der historischen Details an, die sie im Freischütz vorgefunden haben. Mithilfe von schweren Eisenketten ließen sich ursprünglich die drei großen Waldschänken-Holzfenster zum Biergarten hin komplett hochschieben. Diese Mechanik wird wieder gangbar gemacht. „Dann hat man im Prinzip eine Kneipe im Freien“, sagt Philip Winterkamp mit Blick auf die überdachte Terrasse vor der Fensterreihe. Einen neuen Akzent will er noch mit einem großen Bild rechts neben dem Tresen setzen. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, das Meisterwerk des niederländischen Barock-Malers Jan Vermeer, wird den Gästen von seinen Lippen - leicht entfremdet - eine Kaugummiblase entgegenstrecken.

Derzeit dürfen wegen Corona höchstens 150 Gäste in die Waldschänke

„Die Waldschänke ist ideal für 20 bis 150 Leute“, sagt Philip Winterkamp. Wer es erleben möchte: Sie ist ab sofort buchbar (Tel. 02304/6070205). Nach geltenden Corona-Bestimmungen dürfen derzeit maximal 150 Gäste hinein. Und man braucht einen sogenannten „herausragenden Anlass“. Das könnte ein runder Geburtstag sein, ein Jubiläum oder eine Hochzeit: „Auch Vereinssitzungen sind möglich.“

Zunächst galt alle Priorität der Küche und dem Restaurant

Die Waldschänke zeigt: Die Umgestaltungspläne für den Freischütz werden weiter umgesetzt, nachdem sie durch Corona plötzlich ausgebremst worden waren. Bei Ausbruch der Krise hatten die neuen Inhaber gerade Küche und Restaurant entkernt. Die mussten – darauf galt alle Konzentration – fertiggestellt werden, um in den Startlöchern zu stehen, sobald die Behörden die Wiedereröffung der Gastronomie erlaubten.

Winterangebot im Biergarten ist geplant

Als nächste Schritte soll jetzt – so Philip Winterkamp – die logistische und technische Infrastruktur des großen Festsaals angegangen werden. Im Biergarten, wo derzeit in einem vom Dortmunder „Strobels“ geliehenen Bierwagen gezapft wird, sind eine neue Ausgabe und eine Toilettenanlage geplant, die auch von Besuchern des benachbarten Kletterwalds mit benutzt werden kann. Der Rohbau soll möglichst noch vor Einbruch der kalten Jahreszeit stehen. Die Bauanträge sind gestellt und genehmigt.

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„Ich glaube wegen der Coronazeit an ein Winterangebot im Biergarten“, erklärt Philip Winterkamp. Glühbier und Stockbrot unterm Freischützturm, das wäre doch auch mal was Neues. Für überraschende Ideen sind die Muto-Macher schließlich bekannt, seit sie 2005/06 mit dem Stranddeck auf dem Dortmunder Kaufhof ihr Pilotprojekt starteten.

Dafür steht auch ihr Name. Wer im Latein-Unterricht aufgepasst hat: Er kommt vom Verb „mutare“, verändern. Muto ist die erste Person Singular und heißt: „Ich verändere.“

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