Die Inszenierung von „Die Zeugin der Anklage“ überzeugt auch durch das Lichtspiel. © Theater am Fluss
Theater am Fluss

Nach anderthalb Jahren Corona-Pause endlich wieder Theater: TaF inszeniert Krimi-Klassiker

Nach den Einschränkungen der Pandemie konnte das Theater am Fluss nun mit dem Krimi-Klassiker „Zeugin der Anklage“ endlich wieder seine Türen öffnen. Und die nächsten Vorführungstermine stehen an.

Mit einer Inszenierung des 1953 von Agatha Christie geschriebenen Krimis „Zeugin der Anklage“ ging es am Freitag (8.10.) los. In dem Klassiker geht es um den Mord an der alten Witwe Emily French.

Dringend der Tat verdächtigt wird ihr deutlich jüngerer Freund Leonard Vole. Alles spricht gegen ihn, sein Motiv scheint eindeutig: Die ältere Dame hatte kurz vor der Mordnacht ihr Testament geändert und ihm ihr gesamtes Vermögen vermacht.

Zeugin der Anklage: Der Krimi-Klassiker wird auch am Donnerstag (14.10.) wieder zu sehen sein im Theater am Fluss an der Ruhrstraße 13. Tickets gibt es in der Ruhrtalbuchhandlung, an der Abendkasse und online. Für den Einlass gilt die 3G-Regel.

Der charmante und etwas naiv wirkende Vole beteuert seine Unschuld und will von dem Testament nichts gewusst haben. Strafverteidiger Sir Wilfrid Robarts nimmt sich des Falles an und schlägt sich nicht schlecht.

Die dritte Zeugin

Ihm gelingt es durch geschicktes Verhör, die Aussagen der ersten beiden Zeugen in Zweifel zu ziehen. Doch die dritte und letzte Zeugin überrascht alle Anwesenden.

Das Ensemble des Theaters am Fluss nimmt die spannende Geschichte von Agatha Christie und fügt ihr ein abstraktes Element hinzu: Das Zeitungsmädchen, das eigentlich nur eine aufregende Story haben will, wird zum verbindenden Element mit den Zuschauern.

Vom jüngsten Ensemblemitglied Mia Kämmerling gespielt, nimmt die junge Redakteurin das Publikum mit in die Handlung, fügt von außen handlungsvorantreibende Elemente hinzu und kreiert Rückblickszenen, die so in einem Theater sonst nicht gezeigt werden könnten.

Krimi-Lichtstimmung

Untermalt mit clever gewählten musikalischen Elementen und Lichtstimmungen trägt sie zur passenden Krimi-Atmosphäre bei. „Mit dem Zeitungsmädchen wollten wir dem Stück etwas hinzufügen, um nicht bloß die Kanzlei und den Gerichtssaal als Schauplätze bedienen zu können, sondern unseren Zuschauern auch den Blick auf vor der Handlung Geschehenes zu ermöglichen“, erklärt Sina Weber, die Regisseurin.

Sabine Klingspor trägt elementar zur Auflockerung bei, wenn sie sehr hartnäckig und überzeugend die aufgeregte, um das Wohl ihres Patienten Sir Wilfrid Robarts (Ingo E. Löwen) besorgte Krankenschwester Miss Plimsoll verkörpert.

Die Stärke der Inszenierung ist das ineinandergreifende Zusammenspiel aller Beteiligten. Auf der einen Seite das alte, männliche, irgendwie verschrobene Strafverteidigerpaar aus Sir Wilfrid Robarts und Mr. Mayhew (Thomas Schulze), auf der anderen Seite Mrs. Myers (Ute Pütz) und Ms. Myers (Laura Pütz), die beiden Anwältinnen der Anklage: streng, humorlos und scheinbar unsicher. Und in der Mitte ein zerstreuter Richter Wainwright (Andreas Sparla) mit einem fast verhängnisvollen Sprachfehler.

Ende einer langen Pause

Nach anderthalb Jahren Pause bieten Sina Weber und ihr Ensemble dem Schwerter Publikum einen unterhaltsamen, spannenden Theaterabend mit einer sehenswerten Inszenierung.

Die lange Pause hat der Freude der Laien des Theater am Fluss keinen Abbruch getan – im Gegenteil. Die Zuschauer konnten spüren, mit welcher Freude und Leidenschaft die Schauspieler nach so langer Zeit endlich wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten stehen dürfen.

Und wer bei der Frage nach dem Mörder gerne mit rät, bekommt ebenfalls die Gelegenheit: In der Pause zwischen den Akten kann das Publikum Tipps abgeben, welche der Figuren die alte Witwe ermordet hat.

Weitere Aufführungstermine gibt es am Samstag (16.10.), Sonntag (17.10.), Freitag (22.10.) und Samstag (23.10.) jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Fluss, Ruhrstraße 13. Tickets gibt es wie gewohnt in der Ruhrtalbuchhandlung, an der Abendkasse und online, für den Einlass gilt die 3G-Regel.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann