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Mit 114 Kilo legte sich die unglückliche Claudia Naschwitz im Mai 2018 in Schwerte auf den OP-Tisch. Jetzt ist sie glücklich und 54,2 Kilo leichter. Und hofft auf weitere Operationen.

Schwerte

, 14.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Diese Frau ist glücklich, sie sprüht vor Energie und Selbstbewusstsein. Dabei ist sie leicht übergewichtig. Ihr BMI liegt mit 27,4 leicht oberhalb des empfohlenen Werts. „Prä-Adipositas“ heißt das offiziell. „Nach-Adipositas“ würde den körperlichen und seelischen Zustand von Claudia Naschwitz wohl besser beschreiben. Sie hat 54,2 Kilogramm abgenommen. Dank einer Magen-Bypass-Operation.

Im Mai 2018 hat sie sich im Marienkrankenhaus unters Messer gelegt. 114 Kilo schwer war sie damals - und schwer unglücklich nach ungezählten Diätversuchen, aus denen sie nach Rückfällen am Ende meist schwerer herauskam als sie hineingegangen war. 15 Kilo war sie bereits leichter, als die Ruhr Nachrichten im Juli 2018 ihre Geschichte aufschreiben durften. Rund sechs Monate später haben wir Claudia Naschwitz wiedergetroffen.

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Sechs Kleidergrößen und viele Schmerzen weniger

Inzwischen wiegt sie 67,9 Kilo, ihre Kleidergröße ist von 52/54 auf 40/42 geschrumpft. Und die wichtigste Nachricht: Es geht ihr gut. „Supergut“, sagt die 44-Jährige, die wild entschlossen ist, am 4. September 2019 ihren ersten Halbmarathon zu laufen. „Gesundheitlich habe ich wohl gerade noch so die Kurve gekriegt“, berichtet Claudia Naschwitz. Knie- und Hüftschmerzen seien verschwunden, das Asthma sei deutlich besser geworden und die Schlafapnoe weg. „Ich brauche nicht mehr mit der Sauerstoffmaske schlafen.“

Noch ein paar dicke Jahre, dann wären die Gesundheitsprobleme sicher chronisch geworden. Jetzt sind sie verschwunden, ebenso wie der 50-Prozent-Schwerbeschädigtenausweis, den Claudia Naschwitz aufgrund ihres Übergewichts besaß.

Nach der Magenverkleinerung hat für Claudia Naschwitz ein neues Leben begonnen

Claudia Naschwitz am Beginn der langen Reise in ein schlankes Leben.


Im schlanken Leben gehört Sport zum Alltag

Dafür ist der Sport in ihr neues Leben eingezogen. Zweimal pro Woche geht sie ins Fitnessstudio, einmal joggt sie rund um den Phoenixsee, dienstags geht sie im Marienkrankenhaus schwimmen. Sowieso mit der kleinen Tochter ins öffentliche Schwimmbad. Früher im Badekleid, heute im modernen Tankini.

In der Schwimmgruppe der Adipositas-Selbsthilfegruppe „lila“, die sie leitet, hat sie schon vielen Leidensgenossinen Mut gemacht, ihr dickes Schicksal in die Hand zu nehmen und sich den Adipositas-Experten des Schwerter Krankenhauses und des Medizinischen Versorgungszentrums von Dr. Anke Rosenthal in der Praxis Hüwel/Woort an der Poststraße 1 anzuvertrauen.

Marienkrankenhaus

Sprechstunde für Betroffene

Das Marienkrankenhaus Schwerte bietet Betroffenen Beratung an. Im Sekretariat von Chefarzt Dr. Bertram Wagner, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Minimalinvasive Chirurgie, können individuelle Termine vereinbart werden unter Tel. 02304/1091024.

Bei „lila“ gibt sie aber auch Zeugnis dafür ab, dass es für einen solchen Erfolg nicht nur der sicheren Hand eines Chirurgen bedarf. „Ohne Disziplin geht das nicht“, sagt Claudia Naschwitz und erzählt, dass viermal täglich nach der Uhr isst. Denn sie verspüre kaum noch Hunger.

Der Magen fasst nur noch 150 Milliliter

Wenn sie von essen spricht, meint sie die Mini-Portiönchen, die ihr auf 150 Milliliter Fassungsvermögen verkleinerter Magen aufnehmen kann. Beispiel Frühstück: „Wenn ich üppig frühstücke, futtere ich ein halbes Brötchen. In der Regel reicht jedoch eine halbe Scheibe Knäckebrot, dann bin ich satt.“

Jeden ersten Donnerstag

Selbsthilfegruppe „lila“

Die Selbsthilfegruppe „lila“ bietet Gruppentreffen, Gesprächskreise und Expertenvorträge an. Sie trifft sich an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr in der Krankenhaus-Cafeteria an der Goethestraße in Schwerte.

Im Restaurant fragt sie nach halben Portionen. „Ich gehe offen mit meiner Geschichte um, erzähle von meiner Operation und dass ich nur noch ganz wenig essen kann, dann klappt das meistens mit der Kinderportion“, erzählt Claudia Naschwitz. Seit der Operation hat sie übrigens den Appetit auf Rind- und Schweinefleisch sowie viele ungesunde Dinge verloren.

Eine angenehme „Nebenwirkung“. Allerdings muss sie fehlende Nährstoffe ersetzen: Sie nimmt regelmäßig Eiweißpulver, Vitamintabletten und ein Biotinpräparat zu sich. Dazu kommen 2,5 Liter Flüssigkeit am Tag. Überwiegend stilles Wasser, mal Saft, hin und wieder ein Cappuccino. Die letzte Untersuchung beim Arzt habe Top-Werte wiedergespiegelt.

Cola und Alkohol sind Vergangenheit - Schokolade ist die Ausnahme

Es dürfe auch mal ein Stückchen Schokolade sein, sagt Claudia Naschwitz, aber die Zeiten, in denen nach und nach die ganze Tafel im Mund verschwindet und auf den Speckrollen landet, seien vorbei. Cola, Alkohol? Vorbei. „Schmeckt mir nicht mehr. Will ich auch nicht mehr.“

Claudia Naschwitz‘ größte Angst ist die vor dem alten Raster. „Ich will nie wieder in meine alten Essgewohnheiten zurückfallen“, sagt die Frau, die sehr wohl weiß, dass sich ein verkleinerter Magen auch wieder ausweiten kann. Nie wieder will sie in der Übergrößen-Abteilung „weite Säcke“ einkaufen müssen.

Der Traum vom „Kleinen Schwarzen“ ist wahr geworden

Zu schön war die Erfüllung eines großen Traums: In einem „Kleinen Schwarzen“ und hochhackigen Schuhen war sie neulich Gast auf einer Hochzeit. Demnächst wird sie in einem Rockabilly-Kleid auf einer Geburtstagsparty glänzen. „Beides habe ich mir immer gewünscht. Beide Ziele habe ich erreicht“, erzählt sie voller Stolz.

Nach der Magenverkleinerung hat für Claudia Naschwitz ein neues Leben begonnen

Claudia Naschwitz geht gern wieder Shoppen und genießt den Schaufensterbummel. © Berkenbusch

Zwei Operationen sollen die erschlaffte Haut straffen

2,9 Kilo sollen noch runter, und dann will Claudia Naschwitz sich erneut unters Messer legen, schlaffe Haut an Oberarmen, Brüsten und Bauch in Wiederherstellungs-Operationen straffen lassen. Sie hofft, dass die Krankenkasse ihre Anträge bewilligt und ihr Durchhaltevermögen damit belohnt wird. Immerhin hat sie auch den jahrelangen Antrags-Marathon bis zur Magen-Bypass-Operation mit Hartnäckigkeit und Geduld durchgestanden. Die Krankenkasse davon überzeugt, dass sie für eine dauerhafte Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten bereit war.

Jetzt muss sie beweisen, dass sie ihr reduziertes Gewicht auch halten kann, der Disziplinlosigkeit wirklich abgeschworen hat. Rund vier Kilo Haut will sie dann noch verlieren und mit noch mehr Spaß einkaufen gehen und in den Spiegel schauen. Zum Beispiel in der Wäscheabteilung, deren erster Besuch sie schier überwältigt hat: „Bei BH-Größe 115DD hatte ich nicht viel Auswahl, aber das riesige Angebot in 85C hat mich schier überwältigt. Ich war völlig überfordert.“

Mann und Tochter sind mega-stolz auf Frau und Mama

Überfordert mit ihrer Veränderung ist manchmal auch ihr Umfeld. Nicht ihr Mann, der ihr größter Fan und Unterstützer ist und spaßeshalber schon anmerkte, nicht mehr mit ihr auf Fotos zu posieren, weil er neben der erschlankten Frau neuerdings fett aussehe. Auch nicht die fünfjährige Tochter, die die Mama beim Abnehmen unterstützt, sich über die neue Beweglichkeit freut und darüber, dass Mama sich jetzt zum Vorlesen auch mal neben sie ins Kinderbett mit einer erlaubten Maximallast von 110 Kilo kuscheln kann. Auch nicht die Freundinnen, die sie auf ihrem Weg begleitet und ihr immer wieder Mut zugesprochen haben.

Am 4. September geht’s zum Halbmarathon nach Dortmund

Claudia Naschwitz, die von sich sagt, dass ihr schlankes Ich nichts an ihrer Persönlichkeit verändert habe, blickt kritisch auf die Menschen, „die vorher nichts mit mir zu tun haben wollten, aber sich jetzt plötzlich um mich scharen. Diese Menschen brauche ich nicht.“ Das gelte im übrigen auch für Neider, die ihr den Abnehm-Erfolg nicht gönnen, aber früher verächtlich auf die Dicke herabgeschaut haben.

Sie alle können ihr das neue schlanke und gesündere Lebensgefühl nicht miesmachen. Und spätestens beim Colour-Run in Dortmund am 4. September wird sie die alle ganz weit hinter sich lassen.

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