Nach Tod des Vaters: Familie gewinnt Gratis-Reisen

Bewegende Geschichte

Er wollte seinen Söhnen die Welt zeigen: Alexander Grashof bewarb sich um einen Urlaubsgutschein im Wert von 50.000 Euro. Im Internet wurde über den schönsten Reisebericht abgestimmt. Dann starb der 33-Jährige Schwerter plötzlich. Das Schicksal der Familie bewegte Menschen weltweit. Und so gewannen die Grashofs den Preis. Das ist ihre Geschichte.

SCHWERTE

, 11.04.2015, 10:02 Uhr / Lesedauer: 4 min
Während des Urlaubs in Neuseeland entstand eines der letzten Familienfotos von Chrisi und Alexander Grashof mit ihren Söhnen Phil und Linus.

Während des Urlaubs in Neuseeland entstand eines der letzten Familienfotos von Chrisi und Alexander Grashof mit ihren Söhnen Phil und Linus.

Gelbe Haft-Zettel in der Küche von Chrisi Grashof erzählen von einer großen Liebe. Ihr Ehemann Alexander hat die Regale damit beklebt, um ihr zu sagen: „Danke, dass Du mich liebst“, „Danke, dass Du immer für mich da bist“, „Danke für alles.“ Sie erinnern an einen Mann, der das Leben geliebt hat, das Reisen, die Welt und vor allem seine kleine Familie – und der seiner Frau und den beiden Söhnen ein ungewöhnliches Vermächtnis hinterlassen hat.

Elf Tage nachdem Alexander Grashof die Liebes-Botschaften in der Küche hinterließ, riss eine Lungenembolie den 33-Jährigen in der Vorweihnachtszeit mitten aus dem Leben. Es war der 29. November 2014. „Wir hatten gefrühstückt, mit den Kindern gespielt, und dann wollten wir zum Schwerter Weihnachtsmarkt“, erinnert sich Chrisi Grashof an den schlimmsten Tag ihres Lebens. Plötzlich hörte sie aus dem Bad ein dumpfes Geräusch.

"Was macht Papi jetzt im Himmel?"

Alexander Grashof war zusammengebrochen, rückwärts in die Badewanne gestürzt und blau angelaufen. Chrisi Grashof rief in Panik erst die Polizei, dann den Notarzt an. Doch retten konnte den jungen Familienvater niemand mehr. Für die Familie ein unfassbarer Schock. Die beiden Söhne Phil (3) und Linus (2) haben das Drama miterlebt.

Auch fünf Monate später kann der Kleine noch alles nacherzählen, was passiert ist. „Vor Badewannen hat er panische Angst“, weiß Chrisi Grashof. Beide Kinder haben Verlustängste, weinen oft im Schlaf. Doch sie sprechen auch viel über ihren Vater. „Mama, was macht Papi jetzt im Himmel?“, fragt Linus immer wieder seine Mutter. 

"Wer weiß, was mal wird"

Familien-Videos von ihren vielen Reisen helfen den Kindern, die Erinnerung an ihren Vater lebendig zu halten. Als hätte Alexander Grashof geahnt, dass ihm nicht viel Zeit auf der Erde bleibt, hat er sein Leben ausgefüllt mit vielen schönen Erinnerungen und Erlebnissen.

„Seine Familie war ihm immer das Wichtigste. Wir sind viel gereist, stets mit dem Gedanken, wer weiß, was mal wird“, sagt Chris Grashof. Gemeinsam haben sie viel von der Welt gesehen. Davon zeugen über 50 Starbucks-Tassen, die sie von ihren Urlaubszielen mitgebracht haben.

Seelenverwandte

Zuvor aber hatte es lange gebraucht, bis ihre Herzen zusammen fanden. Kennengelernt hatten sie sich 2001 in einer christlichen Gemeinde in Mettmann. „Für Alex war es Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Chrisi Grashof. „Bei mir hat es länger gedauert. Wir wurden schnell enge Freunde, waren irgendwie Seelenverwandte. Dennoch wies ich ihn zweimal ab.“

Ihre Liebe zu ihm erkannte sie erst, als 2009 ein Flugzeug auf einem Flug von Rio De Janeiro nach Paris abstürzte, die gleiche Strecke flog Alexander Grashof kurz darauf. 

Hochzeit im März 2010

„Als mir bewusst wurde, dass er auch in dieser Maschine hätte verunglücken können, erkannte ich, wie viel er mir bedeutet“, sagt Chrisi Grashof. Und diesmal bat sie ihn um ein gemeinsames Leben. Im März 2010 dann die Hochzeit.

Auch die Geburt ihrer beiden Wunschkinder 2011 und 2013 hielt das Paar nicht vom Reisen ab. Mit Phil besuchten sie die USA und Kanada, mit beiden Kindern dann Neuseeland und die Karibik.

„Alexander suchte immer günstige Flüge, er war da sehr pfiffig“, sagt Chrisi Grashof. Sie lächelt entschuldigend, als müsse sich dafür rechtfertigen, dass sie sich solche Reisen überhaupt leisten konnten. Alexander Grashof arbeitete als Speditionskaufmann in Hagen, Chrisi ist in Elternzeit.

 

Auf der zweiten Seite lesen Sie, wie die junge Familie den Reisegutschein gewonnen hat und wie sie des Vaters mit den Urlauben in den nächsten zehn Jahren gedenken will.

 

 

„Alexander war es so wichtig, seinen Söhnen die Schönheit der Welt zu zeigen“, weiß die junge Witwe. Und so hatte sie im November 2014 die Idee, bei einem Internetwettbewerb des Kölner Reiseveranstalters Itravel mitzumachen: Zu gewinnen gab es zehn Jahre lang Urlaub im Wert von jährlich 5000 Euro. Die Teilnehmer reichten Reiseberichte ein, Internetnutzer konnten dann vier Monate lang die Beiträge bewerten. 

Gemeinsam schrieb das Paar einen Bericht über ihren letzten Übersee-Trip: „Kinderparadies Neuseeland“. „Scherzhaft träumten wir davon, was wir machen, wenn wir gewinnen. Wir wollten nach Island, auf die Azoren, Südamerika, Australien...“, erinnert sich die Westhofenerin nachdenklich.

Eines der letzten Gespräche

Es war eines der letzten Gespräche zwischen dem Paar, bevor Alexanders Tod die Welt der kleinen Familie so fürchterlich verzerrte. Alexanders Wettbewerbsbeitrag im Itravel-Wettbewerb durfte von Chrisi Grashof weitergeführt werden. Und dank des Internets und sozialer Netzwerke geschah in der großen Trauer ein kleines Wunder. Freunde der Familie verbreiteten den Wettbewerbsbeitrag und die Geschichte dahinter via Facebook.

Der Tod des jungen Familienvaters berührte viele Menschen weltweit. Menschen aus vielen Ländern gaben dem Beitrag von Alexander Grashof ihre Stimme. „Ich war überwältigt, wie viele Menschen helfen wollten, Alexanders Herzenswunsch zu erfüllen“, sagt Chrisi Grashof.

Auch Vorwürfe bei Facebook

Doch es gab auch Neider, Menschen, die ihr auf Facebook Vorwürfe machten, behaupteten, sie hätte die Geschichte nur erfunden. „Dabei hätte ich alles gegeben, um meinen Mann wieder zu haben“, ist Chrisi Grashof fassungslos über die geschmacklosen Vorwürfe.

Und doch war die Welle der Anteilnahme viel stärker, schließlich erreichte Chrisi Grashof eine E-Mail von Itravel: Sie hatte tatsächlich den Reisegutschein über 50.000 Euro gewonnen. Ihr Gefühl in dem Moment? „Gespalten“, sagt die Witwe mit gebrochener Stimme. „Freude, klar. Natürlich. Aber was für einen Preis mussten wir zahlen? Mir ist bewusst, dass wir nicht gewonnen hätten, wenn Alex nicht gestorben wäre.“

Erinnerungen für das Grab

Unglaublich dankbar ist sie dafür, durch den Gewinn mit ihren Kindern ein wichtiges Stück ihres bisherigen Familienlebens weiterführen zu können. Für Papi Alexander werden sie von jeder Reise einen Stein mitbringen von einem besonderen Ort.

„Wir schreiben das Datum und den Fundort auf die Steine und legen sie auf sein Grab“, erzählt Chrisi Grashof von ihrem Vorhaben. Der erste Stein liegt bereits auf dem Friedhof in seinem Heimatort Mettmann.

Erster Stein aus Südafrika

Im Februar reiste Chrisi Grashof mit ihren Söhnen und ihrer Ziehmutter nach Südafrika – diese Reise hatte Alexander noch selbst geplant und gebucht. Vom Kap der Guten Hoffnung brachte die Familie den ersten Stein für das Grab mit.

Der zweite Stein wird wohl von den Azoren sein – hierhin reisen Chrisi, Phil und Linus mit ihrem Papi im Herzen und mit dem Reisegutschein, den er ihnen hinterlassen hat. Viele weitere Steine von Traumzielen auf der ganzen Welt werden in den nächsten zehn Jahren folgen.

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