Nachbarn des Neubaugebiets „Auf dem Knapp“ verwundert über vorzeitige Sägearbeiten

rnBauen in Schwerte

Über den Bebauungsplan für das Areal am Ortsrand von Ergste entscheidet der Stadtrat erst am 27. Februar. Aber Grün wird auf dem Gelände schon beseitigt. Der Kreis Unna sagt, das sei okay.

Ergste

, 14.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom anderen Ende der Brachfläche am Ortsrand von Ergste kreischt eine Motorsäge herüber. Schemenhaft ist im Gegenlicht ein Arbeiter auszumachen, der auf der Arbeitsbühne eines Traktors seht. „Hier werden Fakten geschaffen. Das ist der Sinn und Zweck“, schimpfen Gegner der Neubaugebiete Auf dem Knapp/Am Hinkeln, die aufgebracht auf dem Fußweg stehen, der zur Zufahrt für einen Teil der neuen Nachbarn werden soll. Sie können nicht verstehen, dass die Stadt Rodungs- und Baumfällarbeiten für das Gebiet angekündigt hatte, bevor der Bebauungsplan endgültig entschieden ist. Der gehe doch erst am 19. Februar in den zuständigen Ausschuss und am 27. Februar in den Rat.

Die Wogen schlagen hoch

„Es ist alles in Ordnung“, hören die Anwohner von einem Mann neben dem Trecker, zu dem sie quer über das matschige Grün und durch Brombeerranken herübergestapft sind. Es ist Volker Meier, der Geschäftsführer der Immobilien-Entwicklungsgesellschaft (IEG) Schwerte, in der Stadt, Stadtwerke und Sparkasse gemeinsam dieses erste Projekt vorantreiben wollen. Es handele sich nicht um Fällarbeiten, sondern um Pflegemaßnahmen, versucht er zu erklären. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft gegen die Bebauung Auf dem Knapp/Am Hinkeln sehen das anders. Die Wogen schlagen hoch. Die Meinungen können nicht übereinstimmen. „Sie hätten selbst das Feld kaufen können“, sagt Meier schließlich. Dann hätten es die Protestierenden selbst in der Hand gehabt, ob dort gebaut wird.

Alle Beschlüsse zum Thema hatten bislang breite Mehrheit

Die Politik habe bislang alle notwendigen Beschlüsse zu dem Neubaugebiet mit breiter Mehrheit gefasst, berichtet Stadt-Pressesprecher Ingo Rous. Deshalb habe man mit den Sägearbeiten auch schon beginnen können, die wegen des Landesnaturgesetzes zum Schutz brütender Vögel nur bis zum 28. Februar möglich sind. „Die Rodungsmaßnahme ist vom Kreis genehmigt. Die sind zuständig“, erklärt Rous. Das bestätigt die Pressesprecherin des Kreises Unna, Constanze Rauert: „Aus unserer Sicht ist das in Ordnung.“ Zumal auch Ausgleichs- und Ersatzpflanzungen vorgesehen seien.

Geplant sind 27 bis 28 Wohnhäuser

Auf seiner Zeichnung, die er auf dem Heckfenster seines Wagens ausbreitet, zeigt IEG-Geschäftsführer Volker Meier beispielsweise eine neue Baumreihe, die das Baugebiet „Auf dem Knapp“ zum Ackerland abgrenzen wird.

Nachbarn des Neubaugebiets „Auf dem Knapp“ verwundert über vorzeitige Sägearbeiten

© Reinhard Schmitz

Genauso wie die benachbarte Fläche „Am Hinkeln“ soll es mit mit einer Stichstraße erschlossen werden. Wenn der Bebauungsplan beschlossen ist, werde die Erschließung innerhalb von acht Wochen erledigt sein, rechnet Meier: „Wir planen, nach den Sommerferien mit dem Bau der ersten Häuser zu beginnen.“ Nur insgesamt 27 bis 28 Gebäude seien auf dem rund 26.000 Quadratmeter großen Areal geplant. Die Quadratmeterpreise bewegten sich zwischen 340 und 380 Euro. Die Stadt Dortmund rufe aber beispielsweise an der Zillestraße schon 500 Euro auf.

„Freiräume statt Profitträume“

Die Nachbarn der Interessengemeinschaft wollen aber alles tun, um das Baugebiet zu verhindern. „Es geht uns im Wesentlichen darum, die Pufferzone zwischen Bebauung und Landwirtschaft zu erhalten“, erläutert einer von ihnen. „Freiräume statt Profitträume“ haben sie auf eines der Plakate drucken lassen, die sie rund um das geplante Baugebiet aufgehängt haben. „Streuobstwiese statt Flächenfraß“, fordert ein anderes. Es sei doch viel besser, Brachflächen im Innenbereich zu entwickeln wie etwa das Gelände des abgerissenen Freizeit-Allwetterbads, ist zu hören. Doch von der Kommunalpolitik fühlt sich die Interessengemeinschaft im Stich gelassen. Vor der Baumfällung auf dem Parkplatz Hellpothstraße in der Innenstadt, da habe man im Ratssaal zwei Stunden lang einem Baumsachverständigen zugehört, erzählt einer der Nachbarn: „Da dachte ich, die Stadt Schwerte ist wirklich grün. Aber hier ist bestes Ackerland, da kümmert sich kein Mensch drum.“

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