Nachbarn wollen Hospiz-Anbau verhindern

Erweiterung geplant

Das Schwerter Hospiz will anbauen. Ein Aufzug für die zumeist bettlägerigen Gäste und eine Erweiterung von fünf auf acht Plätze sollen es werden. Doch bei der Bürgerversammlung im Naturfreundehaus gab es auch Gegenwind. Vor allem zwei direkten Nachbarn ist das Hospiz ein Dorn im Auge.

SCHWERTE

, 08.04.2016, 12:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nachbarn wollen Hospiz-Anbau verhindern

So soll das Hospiz auf der Schwerterheide nach dem Ausbau aussehen.

„Meine 83-jährige Mutter muss täglich Leichenfolien sehen“, ereiferte sich einer der Beschwerdeführer. Doch neben vielen eher emotionalen Elementen führte er auch die Größe des geplanten Anbaus ins Feld. Denn der neue Aufzug soll als Eingang an der Vorderseite entstehen. Damit rückt das Gebäude deutlich näher an die Straße. „Hinten wäre aber doch genug Platz“, argumentierten die beiden Nachbarn.

Bei den Planern der Stadt fiel deren Kritik auf wenig fruchtbaren Boden. „Ein Hospiz ist eine soziale Einrichtung und damit auch in einem reinen Wohngebiet zulässig“, so Martin Bauer vom Büro Planquadrat, das für die Stadt die Änderung des Bebauungsplans betreibt. Vor diesem Hintergrund sei man überzeugt, dass die Anbauten in das Wohngebiet passen. Zumal die Höhe des Gebäudes sich nicht ändern würde.

Streit um das Verkehrsaufkommen

Streit gab es auch um das Verkehrsaufkommen. Ständig würden Besucher oder Beschäftigte an der Straße parken. Diese Beobachtung habe sie bei ihren zahlreichen Besuchen nicht gemacht, erklärte Gabriele Bernhard vom Hospizverein. Bei der Stellplatzfrage gehe es ja nicht um ein mögliches Besucheraufkommen, fügte David Weber vom Planungsamt der Stadt hinzu. Schließlich müssten die privaten Hausbesitzer auch nur Stellplätze für sich nachweisen.

Grundsätzlich sei ein Hospiz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das mochte der Nachbar nicht einsehen: Ein Gewerbegebiet würde hier in einem reinen Wohnviertel installiert. „Und wer sagt uns, dass sie nicht in einigen Jahren kommen und noch mehr erweitern wollen?“

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Noch ist der Bebauungsplan Hohe Heide nicht auf dem Weg. Bei seiner Sitzung am 21. Juni soll der Planungsausschuss die sogenannte Offenlegung des Plans beschließen. Im Anschluss haben die Nachbarn die Gelegenheit, ihre Einwände auch schriftlich vorzubringen, bevor im Herbst der Bebauungsplan beschlossen wird.

Ein zweiter Fluchtweg fehlt

Der Hospizverein hatte nicht zuletzt auf Drängen der Pflegekassen und des Gesetzgebers den Ausbau ins Auge gefasst. Das Hospiz, das in einem ehemaligen Wohnhaus untergebracht ist, verfügt über keinen Aufzug für Betten. Auch ein zweiter Fluchtweg fehlt. Darüber hinaus möchte man Platz für acht Gäste schaffen.

Das würde die Pflege günstiger machen, weil man nur geringfügig das Personal aufstocken müsste. Derzeit sind elf Teilzeitkräfte im Hospiz im Einsatz. Die Baukosten sind noch nicht ermittelt, alleine Fahrstuhl und Treppenhaus werden auf 180 000 Euro taxiert.

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