Nachbarn wünschen sich den Abriss

Denkmalgeschütztes Haus in Westhofen verfällt

Lose Dachziegel, eine schiefe Fassade und zugenagelte Fenster – das Fachwerkhaus an der Reichshofstraße 95 sieht bedenklich aus. Die Nachbarn fordern die Stadt zum Eingreifen auf. Bislang vergeblich.

Westhofen

, 20.02.2018, 08:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Markt schützt ein Bauzaun die Menschen vor der wackeligen Fassade.

Am Markt schützt ein Bauzaun die Menschen vor der wackeligen Fassade. © Bernd Paulitschke

Seine Briefe an die Stadt schreibt Thomas Hörner nur noch mit Kopie an die Presse. Viel Hoffnung hat er wohl nicht mehr, dass sie am Zustand des Hauses Reichshofstraße 95 etwas ändert. Hörner gehört ein Nachbargebäude. Deshalb schreibt er seine Briefe auch im Auftrag seiner Mieter. Die wohnen seit etlichen Jahren neben einer Bauruine. Denn anders lässt sich der Zustand des Hauses an der Reichshofstraße nicht beschreiben.

Einst ein historisches Schmuckstück

Dabei galt das Fachwerkhaus zwischen Reichshofstraße und Markt mal als ein historisches Schmuckstück. Seit 1992 steht das Haus, das um das Jahr 1800 errichtet wurde, unter Denkmalschutz. Als es 1997 einen neuen Besitzer erhält, beginnt der Abstieg. 2003 ordnet das Amtsgericht erstmals eine Zwangsversteigerung an, weil Schulden aufgelaufen sind. Doch sowohl bei diesem wie auch bei vielen weiteren Versuchen findet sich kein Käufer. Der Zustand der Immobilie wird immer bedenklicher. Als im Herbst 2010 die letzte Mieterin auszieht, verfällt das Haus vollends.

Gutachter bestätigt Standsicherheit

Mittlerweile – im Februar 2018 – ist die Situation so: Auf der Seite zum Markt neigt sich der Giebel bedenklich. Sperrzäune sorgen dafür, dass niemand der Fassade zu nahe kommt. Dennoch geht die Stadt davon aus, dass nichts passieren kann. Das haben man schriftlich von einem Sachverständigen, betont Stadtsprecher Alexander Nähle. Das Gutachten hatte allerdings der aktuelle Besitzer des Hauses auf Drängen des Bauamtes beigebracht.

Zur Reichshofstraße hin ist das Gebäude schon lange verfallen. Die zerbrochenen Fenster wurden durch Bretter verschlossen.

Zur Reichshofstraße hin ist das Gebäude schon lange verfallen. Die zerbrochenen Fenster wurden durch Bretter verschlossen. © Bernd Paulitschke

Auf die Anfrage der Ruhr Nachrichten antwortetet die Stadt schriftlich: „Aufgrund nachbarlicher Bedenken hinsichtlich der Standsicherheit des Daches sowie der Giebelwand zur Marktplatzseite, wurde der Eigentümer seitens der Bauordnung der Stadt Schwerte, mit Schreiben vom 18. Juli 2017, aufgefordert einen Sachverständigen mit der Überprüfung der Standsicherheit zu beauftragen. Dieser Aufforderung ist der Eigentümer nachgekommen. Gemäß der statischen Stellungnahme des Sachverständigen vom 12. September 2017 ist die Standsicherheit des Daches und der Giebelwand gegeben. Der Bereich Bauordnung sieht daher keine Möglichkeit, gegen den Zustand der baulichen Anlage vorzugehen Das Gebäude steht aber weiterhin unter regelmäßiger und kritischer Beobachtung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bereichs Bauordnung.“

250 Unterschriften gesammelt

Nachbar Hörner fragt sich, warum die Stadt nach wie vor den Markt mit Sperrzäunen vor der Fassade schützen muss, wenn die doch standfest sei.

Anfang 2014 hatten die Nachbarn 250 Unterschriften gesammelt und gefordert: Der Denkmalschutz muss weg.

Im September 2014 wurde die Immobilie versteigert. Der damalige Bieter konnte aber nicht einmal sein Gebot von 10.500 Euro bezahlen, geschweige denn das Gebäude sanieren.

2015 gab es die nächste erfolgreiche Versteigerung. Damals erhielt die Ehefrau eines Bauunternehmers, dem auch Haus Steinhausen gehört, den Zuschlag für 1000 Euro. Es war nicht der erste Versuch der Gläubiger, das Gebäude wieder loszuwerden. Später ging das Haus auf den Bauunternehmer über. Der hatte angekündigt, das Gebäude umzubauen und dort Wohnungen für Flüchtlinge zu errichten. Über den privaten wie über den Firmen-Telefonanschluss war der Eigentümer am Montag nicht zu erreichen. Der Städtische Rechtsrat Carsten Morgenthal betonte am Montag, dass die Stadt in Eigentumsrechte nur dann eingreifen könne, wenn von dem Gebäude unmittelbare Gefahr ausgehe.

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