Nächtlicher Trecker-Korso nach Bonn wird auf der Iserlohner Straße unfreiwillig gebremst

rnLandwirte protestieren

Hupen wie von einer Schiffssirene rissen Anwohner der Iserlohner Straße aus dem Tiefschlaf. Verdutzt erblickten sie mehrere Hundert Trecker, die mit Rundumlicht unterhalb des Ohls hielten.

Villigst

, 23.10.2019, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trecker an Trecker, so weit das Auge reichte. Über die ganze Iserlohner Straße reihten sich im Dunkel der Nacht die Zugmaschinen. Unfreiwilligerweise mussten sie unterhalb des Ohls einen mehrstündigen Stopp einlegen. Denn eigentlich hatten die Männer auf den Fahrersitzen es eilig, um pünktlich zur Bauern-Demo in Bonn anzukommen. Mit Rundumbeleuchtung und Hupen protestierten sie gegen immer neue Auflagen durch die Politik.

Nachbarn von „Nebelhorn“ aus dem Tiefschlaf gerissen

Vom Donnerhall einer Art Nebelhorn wurde Friedhofsgärtnermeister Heiner Knostmann, der gegenüber vom Haus Villigst wohnt, am Dienstagmorgen aus dem Tiefschlaf gerissen. Es war 1.45 Uhr, als er fast senkrecht im Bett stand und zuerst an einen Traum glaubte: „Das hörte sich an, als würde die Aida über die Ruhr schippern.“ Als er sich berappelt hatte, griff Knostmann zum Handy und rief einen Nachbarn an, der von seinem Haus aus die Straße besser einsehen kann. „Du musst kommen“, sagte der: „Guck dir das mal an.“

Nächtlicher Trecker-Korso nach Bonn wird auf der Iserlohner Straße unfreiwillig gebremst

Eine Zwangspause unterhalb des Ohls auf der Iserlohner Straße musste der Treckerkonvoi nach Bonn in der Nacht zu Dienstag einlegen. © Heiner Knostmann

Und tatsächlich. „So etwas haben wir alle noch nicht gesehen“, erzählt Knostmann. 300 bis 400 Traktoren hätten dort etwa zwei Stunden lang gestanden, weil sie auf ihre Nachhut warten musste. Vorsorglich rollte am Ende des Korsos ein LKW mit - falls ein Trecker unterwegs schlapp machen sollte und aufgeladen werden müsste. Doch dann steckte ausgerechnet der Transporter fest. „Der Fahrer des Begleitfahrzeugs hat die Brücke am Wellenbad unterschätzt“, berichtet Polizei-Pressesprecher Bernd Pentrop (Unna). Es sei aber nur geringer Sachschaden entstanden, die Bahnbrücke ist weiter für Züge befahrbar.

Insgesamt spricht Pentrop aber von einem „nahezu störungsfreien Verlauf“ der Sternfahrt nach Bonn. Da sie zu langsam waren, um die Autobahn benutzen zu dürfen, mussten die Trecker über Nebenstraßen tuckern. Gestartet waren sie kurz nach Mitternacht an der Geschäftsstelle des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes in Unna. Auf Schwerter Gebiet führte die Route vom Ohl weiter über die Letmather- und Ruhrtalstraße zur Villigster Straße auf Hagener Gebiet, die im Volksmund wegen einer früheren Fischfabrik „Rollmopsknapp“ heißt.

Landwirte von der Politik enttäuscht

Schwerter Bauern waren - so Ortslandwirt Bernd Schulte - nicht an der Aktion beteiligt, zu der die Bewegung „Land schafft Verbindung“ aufgerufen hatte. Der Landwirtschaftliche Kreisverband unterstützte die Demonstration vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium. „Die Enttäuschung über die Politik ist groß“, sagte Vorsitzender Hans-Heinrich Wortmann. Die Vielzahl an Verordnungen, Einschränkungen und Auflagen, die derzeit diskutiert würden, nähmen den Bauernfamilien jegliche Zukunftsperspektiven.

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