Für die Offene Ganztagsschule will die Stadt neue Räume errichten. Aber kein Handwerker meldete sich auf die Ausschreibung. Jetzt wird ein neuer Plan gesucht.

Schwerte

, 05.09.2018, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte die Stadt mehr Raum für die Offene Ganztagsschule (OGS) schaffen. Sowohl der Heideschule als auch der Lenningskampschule hatte man Räumlichkeiten für eine weitere Gruppe zugesichert.

Doch vorerst wird daraus nichts. Denn auf die Ausschreibung der Stadt meldete sich niemand. Am 7. Juni hatte man Bau, Trockenbau und Fenster ausgeschrieben. Die Ausschreibung lief bis Mitte August, doch auf keines der Gewerke meldete sich auch nur ein Unternehmen. „Wir werden jetzt uns bekannte Firmen anschreiben und fragen, warum sie kein Angebot abgegeben haben“, erklärte Stadtsprecher Carsten Morgenthal gestern auf Anfrage. Auf jeden Fall würde sich der Baubeginn verzögern. „Die beiden neuen Gruppen können vorerst nicht eingerichtet werden.“

Förderung aus dem Programm Gute Schule

Für rund 1,3 Millionen Euro sollten an der Lenningskampschule drei Gruppenräume in Modulbauweise entstehen. Dazu Büros, Toiletten, ein Mehrzweckraum und neue Räumlichkeiten für die Mensaküche. Das Geld dafür stammt teilweise aus dem Programm Gute Schule 2020 des Landes. Zusätzlich sollten die Fenster der Schule erneuert werden. Ein Punkt um den es schon zuvor Streit gegeben hatte, denn die Maßnahme war immer weiter vertagt worden.

Jetzt persönliche Schreiben an Firmen

Wann es tatsächlich an den Schulen nun weitergeht, ist unklar, denn noch hofft die Stadtverwaltung, durch persönliche Anschreiben Baufirmen zu finden.
Fest steht, dass beide Schulen für ihren Ganztagsbetrieb schon lange Wartelisten haben. Die sollten durch die Neubauten verringert werden. Aktuell seien aber nur eine handvoll Kinder auf den Wartelisten, betonte Stadtsprecher Morgenthal. Die meisten Eltern hätten mittlerweile auf das Angebot Zeitsichere Schule zurückgegriffen. Wer sein Kind dort anmeldet, weiß es bis 14 Uhr betreut. Der offene Ganztag bietet dagegen eine Kinderbetreuung bis in die Nachmittagsstunden an.

Bauboom trifft auf und Förderboom

Das Problem mit den fehlenden Angeboten bei Ausschreibungen der Stadt ist nicht neu. In Zeiten des Baubooms haben öffentliche Auftraggeber immer mehr Probleme, Handwerksunternehmen zu finden. Zu aufwendig ist vielen Handwerkern das Ausschreibungsverfahren, zu voll sind die Auftragsbücher. Hinzu kommt, dass die Fördermittel des Landes ja für alle Städte bereit stehen. Und in dieser Situation kamen die Ausschreibungen der Stadt Schwerte ziemlich kurzfristig. „Ein Quartal muss man mindestens im Vorfeld einplanen. Bei Ausschreibungen mit EU-Mitteln sogar ein ganzes Jahr“, sagte Philipp Stempel, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW im Sommer auf unsere Anfrage.

Seit der Flüchtlingskrise

Während der Flüchtlingskrise, als alle Kommunen plötzlich neue Übergangsheime schaffen mussten, hatte der städtische Architekt, Marco Tröger, erstmals Probleme, an Angebote zu kommen. Doch auch nachdem sich die Lage bei Übergangsheimen entspannte, blieben oft die Angebote aus
Zudem haben viele Unternehmer mit Städten schlechte Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Sommer erklärte ein Bauunternehmer im Zusammenhang mit den fehlenden Angeboten für die Grundschule in Ergste der Redaktion offen: „Wenn ich die Auswahl habe, würde ich lieber ein Wohnhaus als einen Kindergarten bauen.“

Sanierung soll künftig bei Baumaßnahmen inklusive sein

In einer schriftlichen Mitteilung erklärte die Stadtverwaltung am Mittwochnachmittag: Es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Der Verwaltungsvorstand habe beschlossen, dass Bildungseinrichtungen bei größeren Baumaßnahmen künftig allumfassend auf den neuen Stand gebracht bzw. saniert werden. Welche Sanierungen da anstehen, müsse aber noch bei Begehungen ermittelt werden. Und Handwerker braucht man wohl auch dafür.

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