Nikolaus in Schwerte mit Bollerwagen statt Schlitten „Die Rentiere haben frei“

Freier Mitarbeiter
Nikolaus 2022 in Schwerte
Auch dieser Bauarbeiter bekam ein Geschenk vom Schwerter Nikolaus. © Holger Bergmann
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Ihn gezeichnet in Büchern zu sehen ist etwas ganz anderes, als plötzlich von ihm angesprochen zu werden und ihm die Hand zu schütteln. Das merkte man am Dienstag (6.12.), dem Nikolaustag, als der Mann im roten Mantel und mit weißem Rauschebart auf Einladung der Werbegemeinschaft durch die Schwerter Innenstadt zog.

Das frisch geschneiderte, wertige Kostüm mit goldenen Applikationen leuchtete an diesem grauen Wintertag besonders auffällig.

Braunes Leder statt schwarzes

„Fake“, schrie trotzdem ein aufgeweckter Junge. Er hatte die Stiefel des Nikolaus gesehen – aus braunem Leder. Dabei weiß doch jedermann, dass die Stiefel schwarz sein müssen.

Da war die Verkleidung aufgeflogen, nur wenige Minuten nach dem Start der Tour. Wer unter dem Kostüm steckte, wollte der Mann unter dem Bart dennoch nicht verraten. Nur so viel: Der Schwerter Nikolaus heißt Niko Klaus und kommt aus Iserlohn.

Schwerter Nikolaus mit Christiane Niedergriese
Der Schwerter Weihnachtsmann mit Christiane Niedergriese von der Werbegemeinschaft im Stadtpark. © Holger Bergmann

Los ging es für „Niko Klaus“ im Geschäft „Tita“ bei Werbegemeinschaftsbeisitzerin Christiane Niedergriese. Dann machte er sich mit einer passenden Körperform und einer tönenden Bariton-Stimme auf den Weg, grob in Richtung Süden durch die Innenstadt.

„Die Rentiere haben frei“, verriet Christiane Niedergriese mit Blick auf das Gefährt des Nikolaus: einem Bollerwagen, den er selbst zog. Der war gefüllt mit 600 Schokoladen-Nikoläusen und einem Haufen Mandarinen.

Geschenke am Schulzaun

Von Beginn der dreistündigen Tour an verblüffte die natürliche Autorität, die vermutlich das Kostüm mit sich bringt: Autos hielten auf der Bahnhof-Straße, um den Geschenkebringer die Vorfahrt zu gewähren; Kinder drehten sich um, stumm vor Überraschung.

Eine erste Eskalation folgte dann auf Höhe der Friedrich-Kayser-Schule. Dutzende Kinder drängten an den Zaun des Schulhofes, um den Nikolaus zu begrüßen. Die Pausenaufsicht musste sich mühsam durcharbeiten, um sich Gehör zu verschaffen: Geschenke am Schulzaun seien verboten. Doch sie erhielt nur wenig Aufmerksamkeit.

Nikolaus von Myra

Die Kinder waren begeistert, aber auch kritisch: „Wenn du der Nikolaus bist, bist du dann Türke?“, fragte ein Besserwisser. „Nein, ein Grieche“, antwortete der schlagfertige Mann im roten Mantel. „Myra liegt in Griechenland“, erklärte er und bezog sich damit auf „Nikolaus von Myra“, der der historische Nikolaus sein soll.

Dessen Süßigkeiten waren am Dienstag vor allem für die Kinder gedacht, doch eigentlich bekam jeder einen Schokoladen-Nikolaus, der „Niko Klaus“ begegnete – darunter auch Straßenarbeiter. Nur einmal musste er „Nein“ sagen: als ein Kind fragte, ob er morgen wiederkomme.