Notarzt verfährt sich auf geteilter Straße in Schwerte

Rettungswagen ohne Orientierung

Wenn ein Notarzt im Einsatz ist, geht es meist um Sekunden. Dumm, wenn er dann nach dem Weg fragen muss. Das passierte nun auf der Paulinenstraße im Schwerter Stadtteil Holzen - denn die ist geteilt. Vom einen Teil zum anderen kommt man nur über einen Umweg. Das kann Leben kosten, so die Anwohner.

HOLZEN

, 10.03.2016 / Lesedauer: 3 min
Notarzt verfährt sich auf geteilter Straße in Schwerte

Julia Becker hat einen Krankenwagen zur richtigen Adresse geführt, nachdem er sich in den falschen Teil der Paulinenstraße verirrt hatte.

Mal wieder hat sich der Notarzt verfahren, mal wieder war es echt brenzlig. Denn es ist nicht leicht, motorisiert von einem Ende der Paulinenstraße ans andere zu kommen. Die Straße ist getrennt, ein Rettungswagen, der sich im Straßenabschnitt irrt, muss einen riesigen Umweg fahren, um zum Patienten zu gelangen. Mancher Notarzt ist auch schon zu Fuß zum Einsatzort geflitzt, während der Rettungswagen kehrt machte.

Anwohnerin musste Rettern den Weg zeigen

Tim Becker und seine Frau Julia wohnen erst seit einem halben Jahr an der Paulinenstraße und sind in der vorigen Woche erstmals Zeuge einer dramatischen Irrfahrt geworden.

Julia Becker erzählt: „Der Notarzt kam hier mit dem Wagen reingeschossen und rannte dann zu meinem Mann, der mit einem Handwerker vor der Tür stand. Er dachte, wir hätten ihn alarmiert. Der Fahrer wusste nicht, wohin. Ich bin schnell in mein Auto gestiegen und losgefahren. Der Notarztwagen hinter mir her.“

Mit Blaulicht und Martinshorn sei der Notarzt schließlich über die Fleitmannstraße und den Holzener Weg zum Einsatzort gesaust.

Auf unserer interaktiven Karte zeigen wir die getrennte Straße sowie den Umweg für Autos:

 

 

Für weitere Informationen klicken Sie auf die Symbole.

 

Alarmdepesche warnt vor Umweg

Genau diesen Umweg habe die sogenannte Alarmdepesche auch vorgesehen, hat Stadtsprecher Carsten Morgentahl recherchiert: „Es ist ja seit 20 Jahren bekannt, dass die Straße geteilt ist. Sobald bei der Feuerwehr ein Einsatz ausgelöst wird, erscheint die Meldung ,Sperrpfosten: Anfahrt zu den Hausnummern 1-16 zwingend über den Holzener Weg‘.“

Am Mittwochabend habe die Feuerwehr Iserlohn den Einsatz übernommen, aber anscheinend die Warnung auf der Alarmdepesche nicht beachtet. Wer sich vom Navigationsgerät zur Paulinenstraße leiten lasse, lande unter Umständen im falschen Teil. „Aber mehr als den Warn-Hinweis kann man doch nicht machen“, sagt der Stadtsprecher.

Patientin geht es gut

Dank Julia Becker kamen die Rettungskräfte am Mittwochabend rechtzeitig bei Herz-Patientin Beate Wegener an der Paulinenstraße 3 an und brachten sie nach Iserlohn ins Krankenhaus. Am Mittwoch konnte Willi Wegener schon von der Entlassung seiner Frau aus dem Krankenhaus berichten.

 

Der jungen Nachbarin aus dem Haus Nr. 27 steckt der Schreck noch in den Knochen. Julia Becker: „Ich fand das ganz schrecklich, hoffentlich ändert sich da was. Es gab solche Vorfälle doch schön öfter. Diese Straßenbenennung ist doch eine Voll-Katastrophe.“

Bislang kein Antrag auf Namensänderung

Das finden auch Willi Wegener und sein Nachbar Erwin Schmidt, der sich schon länger über die Straßenbenennung ärgert und bereits vor drei Jahren öffentlich Alarm geschlagen hat. „Hier an der Paulinenstraße 3 wohnen lauter alte Leute, da kommt doch häufiger mal der Rettungsdienst. Muss denn erst was Schlimmes passieren, bevor was gemacht wird?“ Willi Wegener: „Eine Umbenennung der Straße scheint mir sinnvoll.“

Carsten Morgenthal berichtet, dass bisher noch nie ein Antrag auf Umbenennung der Straße gestellt worden sei. Und Ralf Grobe, Prokurist der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft, der das Haus an der Paulinenstraße 3 gehört, hat sogar noch nie von dem Problem gehört. Gegenüber unserer Redaktion erklärte er am Mittwoch: „Ich erfahre davon heute zum ersten Mal.“ 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt