Notarztbörse hilft bei Not am Doktor

Marienkrankenhaus

SCHWERTE Die Notarztbörse schickte das Angebot per E-Mail: Nachtdienst in Schwerte zu besetzen. Dirk Westermann sagte zu. Wie schon häufiger, steigt der "Leihdoktor" für seine Kollegen vom Marienkrankenhaus in den Notarztwagen.

von Von Reinhard Schmitz

, 30.05.2009, 12:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Beim Warten im Bereitschaftszimmer arbeitet Dirk Westermann am Rechner an seiner Doktorarbeit.

Beim Warten im Bereitschaftszimmer arbeitet Dirk Westermann am Rechner an seiner Doktorarbeit.

Westermann schätzt seinen Job in dem kargen Raum. Sich jeweils nur um einen einzigen Patienten kümmern zu müssen, sei viel stressfreier als die Assistenzarzt-Schichten im Krankenhaus, die von der Notarztbörse ebenfalls an ihre Mitglieder vermittelt werden. "Das habe ich lange genug gemacht", kennt er die Hetze über mehrere Stationen aus seiner Weiterbildungszeit in Bayern und Hörde. Um wieder auf das damalige Gehalt zu kommen, sind die Notdienste für Westermann einer guter Zusatzverdienst – je nach Krankenhaus zwischen 25 und 55 Euro brutto pro Stunde. Fünf bis sechs Schichten im Monat legt er in seiner Weiterbildungszeit drauf – auch wenn abends dann schon manchmal die Augen mit zufallen, wenn er seine dreijährige Tochter ins Bett legt.

"Es gibt mittlerweile Kollegen, die das hauptberuflich machen", weiß Westermann. Kein Praxisunterhalt, keine Miete. Eigentlich nur Stethoskop und Hose kaufen, weil der Arztkoffer zur Ausstattung des Feuerwehr-Fahrzeuges gehört: "Ohne Familie kann man damit gut leben." Dazu locken manchmal Traumangebote der Notarztbörse. Einen Patienten drei Tage nach Dubai zu begleiten oder Dienste bei Konzerten und Sport-Ereignissen. "Mit Familie oder festem Job geht das natürlich nicht", bleibt Westermann bodenständig in Kamen, in Hörde oder zu Pfingstmontag auch mal in Bad Oeynhausen.

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