Notinseln in Schwerte geraten in Vergessenheit

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Die Schilder kleben noch an etlichen Schaufenstern und Eingangstüren in Schwerte, aber dennoch ist es um die Notinseln in den vergangenen Jahren still geworden. Gibt es dieses Projekt, das Kindern Schutz in bedrohlich erscheinenden Situationen bieten soll, überhaupt noch? Wir haben mal nachgefragt.

SCHWERTE

, 29.04.2016, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Kind sucht Schutz in einem Geschäft, das sich an der Aktion "Notinsel" beteiligt.

Ein Kind sucht Schutz in einem Geschäft, das sich an der Aktion "Notinsel" beteiligt.

Schwertes Pressesprecher Carsten Morgenthal verwies in der vorigen Woche auf den Kreis. Der sei zuständig. Kreissprecherin Constanze Rauert stellte jedoch klar, dass der Kreis zwar vor vielen Jahren bei der Einrichtung der Notinseln organisatorische und eine pauschale finanzielle Hilfestellung für alle Städte des Kreises geleistet habe, darüber hinaus liege das Notinsel-Projekt jedoch in der Zuständigkeit jeder Kommune.

Also auf zur Hänsel-und-Gretel-Stiftung. Erst auf die Homepage: Wiedersehen mit dem bekannten Logo. Auf der Liste mit den 60 Standorten in Nordrhein-Westfalen findet sich auch Schwerte. Als Ansprechpartner wird das Jugendamt der Stadt Schwerte genannt.

Jugendamt ist für die Initiative in Schwerte zuständig

Anruf bei der Stiftung in Karlsruhe. Jawohl, Schwerte stehe nach wie vor auf der Liste der Vertragspartner. Die Notinsel sei noch immer eines der größten Projekte der Stiftung mit bundesweit 20.000 Notinseln an etwa 250 Standorten. Und man entwickle gerade neue Varianten und Materialien, um den Notinseln neuen Schub zu geben. Vor Ort in Schwerte sei das Jugendamt zuständig. Also doch.

Das ist die Notinsel
Die Stiftung Hänsel+Gretel hat das Projekt Notinsel 2002 gestartet. Notinseln können Einzelhandelsgeschäfte, Bäcker, Metzger, Friseure, kleinere Supermärkte, Apotheken, Banken und vieles mehr werden, sofern sie geeignet sind und sich bereit erklären, Kindern zu helfen, wenn diese Hilfe benötigen. Das Logo soll Kindern signalisieren: „Wo wir sind, bist du sicher.“ Beim Jugendamt koordiniert Judith Bäcker das kostenneutrale Notinsel-Projekt. Sie gibt Infos unter Tel. 104378.

Die zuständige Mitarbeiterin verweist an den Pressesprecher. Der wisse Bescheid. „Wir sind derzeit dabei, den Datenbestand und die dazugehörigen Listen zu aktualisieren“, erklärte Carsten Morgenthal am Donnerstag überraschend. „Das wird bis zum Sommer erledigt sein, dann wollen wir das Notinsel-Projekt auch wieder in der Öffentlichkeit propagieren.“

Kinder kommen kaum noch in die Notinsel-Läden 

Ein Gang durch die Fußgängerzone: Bei Uhrmacher Klaus Höhm am Postplatz klebt das Notinsel-Schild gut sichtbar an der Eingangstür. Sein Laden war eine der ersten Notinseln: „Ich fand die Idee gut und habe deshalb gleich mitgemacht. Das muss so um das Jahr 2002 herum gewesen sein. Ein Kind in Not ist in all den Jahren nicht reingekommen.“

Das war in der Ruhrtal-Buchhandlung anders. Auch dort klebt das Notinsel-Schild. Inhaberin Eva Stapper berichtet, dass erst in der vergangenen Woche ein Kind gefragt habe, ob es von der Buchhandlung aus zu Hause anrufen dürfe. Die Buchhändlerin: „Das kam früher öfter mal vor. Heute haben so viele Kinder Handys, dass sie das Festnetz-Telefon eines Geschäfts nicht mehr brauchen, wenn sie ein Problem haben.“

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Dennoch findet Eva Stapper die Grundidee der Notinseln gut: „Wenn ein Kind in Not ist, soll es wissen, dass es von uns Hilfe erwarten kann.“ Ob die Kinder von heute noch wissen, was das bunte Logo bedeutet, weiß Eva Stapper auch nicht. „Meiner elfjährigen Tochter habe ich das erklärt.“

Ob Kinder das heute an der Schule erklärt bekommen, erscheint eher fraglich. Da schließt sich dann der Recherche-Kreis. Denn ab Sommer will auch die Stadt nach Auskunft von Carsten Morgenthal wieder dafür sorgen, Kindern das Projekt und sein kindgerechtes Logo bekannt zu machen.

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