Nur sechs Schwerter Ärzte wollen Transparenz

Zuwendungen der Pharma-Industrie

Es sollte der große Durchbruch in Sachen Transparenz werden. Erstmals haben die 54 namhaftesten Pharmakonzerne ihre Zahlungen an Ärzte veröffentlicht. Allerdings nur an jene, die der Veröffentlichung zugestimmt haben. In Schwerte sind das exakt sechs niedergelassene Ärzte und das Marienkrankenhaus.

SCHWERTE

, 15.07.2016, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nur rund 30 Prozent der deutschen Mediziner waren damit einverstanden, dass veröffentlicht wird, wie viel Geld sie von Pharmafirmen erhalten. Das Recherche-Kollektiv Correctiv hat gemeinsam mit Spiegel Online eine Liste jener Ärzte ins Internet gestellt, die ihr Einverständnis gegeben haben. Insgesamt sind nach Auskunft der Pharmakonzerne 2015 rund 575 Millionen Euro an die deutschen Ärzte geflossen.

Nur rund 30 Prozent der deutschen Mediziner waren damit einverstanden, dass veröffentlicht wird, wie viel Geld sie von Pharmafirmen erhalten. Das Recherche-Kollektiv Correctiv hat gemeinsam mit Spiegel Online eine Liste jener Ärzte ins Internet gestellt, die ihr Einverständnis gegeben haben. Insgesamt sind nach Auskunft der Pharmakonzerne 2015 rund 575 Millionen Euro an die deutschen Ärzte geflossen.

Wie hoch die Dunkelziffer ist, darf also nur vermutet werden. Deutschlandweit sind es knapp 70 Prozent der Ärzte und Kliniken, meint Markus Grill vom Rechercheverein Correctiv, die auch Zuwendungen bekommen, aber die Veröffentlichung ihrer Namen untersagt haben. Gemeinsam mit den Mitarbeitern von Spiegel Online haben er und seine Kollegen die oft kryptischen Veröffentlichungen der Pharmaunternehmen ausgewertet in eine lesbare Datenbank überführt.

Die Correctiv-Daten für Nordrhein-Westfalen haben wir in einer interaktiven Karte eingezeichnet.

Spitzenreiter bei den Zuwendungen ist in Schwerte das Marienkrankenhaus. 3000 Euro gab es von der Bayer AG, 4000 Euro von Roche Pharma, jeweils als Sponsoring verbucht. „Mit dem Geld haben wir Weiterbildungsveranstaltungen finanziert“, erklärte Klinikchef Jürgen Beyer am Freitag auf Anfrage. Allerdings habe das Krankenhaus zu den Seminaren und Vorträgen für Ärzte auch seinen Anteil zugezahlt. Deshalb sei es der Klinik auch leicht gefallen, einer Veröffentlichung zuzustimmen.

Was haben die bekommen, die der Veröffentlichung nicht zugestimmt haben?

Überhaupt sind die Summen, die Schwerter Mediziner 2015 erhalten haben, zumindest im bundesweiten Vergleich moderat. Reisekosten von 110 bis 1300 Euro und Beratungshonorare bis 2600 Euro sind für die niedergelassenen Ärzte aufgelistet.

Das erscheint im Einzelfall zunächst viel, ist aber nichts im Vergleich zu den Spitzenreitern der Branche. So hat ein Arzt aus Essen allein im vergangenen Jahr mehr als 200.000 Euro an Zuwendungen erhalten.

„Die Frage lautet, was haben die bekommen, die nicht mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden waren“, sagt Beyer. Allerdings erklärt er auch: Die Zeiten, in denen der Pharmareferent direkt nach dem Hobby des Mediziners für entsprechende Präsente gefragt hat, sind vorbei. „Bei uns entscheidet ohnehin die Arzneimittelkomission über die Medikamente, die wir einkaufen“, so Beyer. Und da entscheidet auch der Tagespreis, welcher Wirkstoff von welchem Hersteller gekauft wird. Der Klinikchef ist sich bewusst, dass gerade Krankenhäuser für die Unternehmen interessant sind. Denn wenn dort ein Patient auf ein Medikament eingestellt wurde, will er oft genau dieses von seinem Arzt später weiter verordnet bekommen. Deshalb seien günstige Einkaufskonditionen für Kliniken auch ein Thema.

Fünf Schwerter Ärzte wollten sich nicht äußern

Ob es am Freitag, der Urlaubszeit oder doch an der unangenehmen Frage lag, sei dahingestellt. Von fünf Schwerter Mediziner gab es keine Erklärung. Lediglich Dr. Markus Ewers betonte auf Anfrage der Redaktion, er könne sich nicht erinnern, einer Veröffentlichung zugestimmt zu haben.

Die Datenbank sei deshalb notwendig, weil die Pharmafirmen zwar Namen und Summen auf ihren Internetseiten veröffentlichen und auch über die Internetseite des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) darauf hinweisen, aber dann Listen präsentierten, die weder eine Suchfunktion noch eine sinnvolle Ordnung haben, erläutert Correctiv in seiner Erläuterung zu den Zahlen. Meist seien die Mediziner nur alphabetisch aufgeführt, oft fehlen Postleitzahlen in der Adresse.

Nach Auskunft der FSA zahlten die Pharmaunternehmen bundesweit im vergangenen Jahr 575 Millionen Euro an Ärzte, Kliniken und medizinische Organisationen.

In der Veröffentlichung von und sind neben dem Krankenhaus folgende sechs Schwerter Ärzte aufgeführt: Sandra Schulz, Georg Salewsky, Neima Al-Hayawi, Jörg Rimbach, Pia Deitert und Markus Ewers.
 

In dieser Karte sind alle niedergelassenen Ärzte, Krankenhäuser und Apotheker in NRW eingezeichnet, die einer Veröffentlichung der Höhe ihrer Zuwendungen durch die Pharma-Industrie zugestimmt haben. Zahlen von 2015.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt