Ochsenblut verleiht Fassade am Schwerter Bohlgarten die einmalige Patina

rnSerie: Häuser erzählen

30 Liter Ochsenblut-Serum, 25 Kilo Sumpfkalk, ein bisschen Eisenoxid und etwas Leinöl. Damit streiche man Fassaden oder Holzdielen. Das hält bis heute.

Schwerte

, 13.01.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Man nehme Ochsenblut, verdicke es mit Kuhfladen und mixe zum Stabilisieren etwas Gallenflüssigkeit unter. Malermeister Ulrich Bucker (71) kennt noch das Rezept für eine Fassadenfarbe, die kostengünstig und gleichzeitig sehr haltbar war. Denn Kalk hielt dem Regen nicht stand, und Leinöl war teuer.

Ein prächtiges Beispiel für das Ochsenblutrot ist die linke Hälfte des Doppelhauses Im Bohlgarten 21/23, die sein Großvater Emil Bucker vor Jahrzehnten mit der Mischung aus Naturmaterialien anstrich, die ohne jegliche Chemie auskommt. Besonderen Charme verleiht ihr die Patina, die sich auf der Oberfläche gebildet hat. Damit – so erklärt Bucker – wirke sie wesentlich lebendiger als die rechte Haushälfte, auf die sein Betrieb vor 30 oder 40 Jahren lösemittelhaltige Farbe aufgetragen habe.

Damals stand das Haus fern der Innenstadt, heute nah

Errichten ließen es im Jahre 1903 die Großeltern des Ehemanns der Schwerter Dichterin Annette Hövelmann. Die Pläne hatte der Schwerter Bauunternehmer Wilhelm Sieberg entworfen, der auch für das Amtsgericht an der Hagener Straße verantwortlich zeichnete. Den Fassadenanstrich übernahm Emil Bucker, der nach seiner Gesellenwanderschaft nach Neapel ein Jahr zuvor seinen Malerbetrieb in der Liethstraße gegründet hatte.

Das Hövelmann’sche Zwei-Familien-Haus war damals das einzige Wohngebäude in der Straße, umgeben von Feldern und einem Bächlein. „Wie kannst du nur so weit weg von der Stadt bauen“, musste sich der Erbauer von Freunden und Verwandten anhören. Wie sich die Ansichten ändern. Heute gilt die Lage als citynah. Die Tochter von Annette Hövelmann will eines Tages als vierte Generation dorthin zurückziehen.

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