Per Mausklick vom Kaffeekäufer zum Steuerschuldner

25.07.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hennen Anja Schwarz traf der Schlag, als sie vor einigen Tagen den Brief öffnete. "Zoll" stand auf dem Papier, ein EU-Symbol prangte auf dem Briefkopf und im Text stand, dass gegen sie ein "Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung" eingeleitet worden ist.

"Ich habe gezittert und richtig Angst bekommen", schildert die 38-Jährige. Wie eine Schwerverbrecherin habe sie sich gefühlt. Zunächst konnte sie sich keinen Reim auf die plötzliche Anklage machen. Erst beim Lesen des gesamten Schreibens dämmerte es ihr. "Ich habe vor zwei Jahren Kaffee bei E-Bay ersteigert. Den sollte ich jetzt versteuern, weil er aus den Niederlanden importiert worden ist", weiß die Erzieherin mittlerweile.

Zwar liegen die Niederlande auch in der Europäischen Union. Und wer privat mit seinem Pkw aus dem Nachbarland kiloweise Kaffee einführt, bleibt auch nach wie vor unbehelligt. Wird die Ware allerdings über den Versand importiert, fällt Kaffeesteuer an. "Wenn die Ware nicht von der Person selber transportiert wird, müssen wir von gewerblichem Handel ausgehen, auch bei Privatpersonen", erklärt Beate Steinbichler von der Oberfinanzdirektion Köln. Allerdings gab auch die Behördensprecherin zu, dass es sich um eine "komplizierte Sache" handelt.

Denn die Kaffeesteuer ist eine der letzten EU-weit "nicht harmonisierten Steuern". Die Bundesrepublik nimmt jährlich eine Milliarde Euro damit ein. 2,19 Euro je Kilogramm Röstkaffee beträgt der Steuersatz. Als Anja Schwarz diesen Passus las, wurde ihr wieder wohler. Für ihre 700 Gramm Kaffeepads musste sie 1,53 Euro berappen, was sie umgehend tat.

Mittlerweile kann sie über den Fall lachen. Ein wenig Empörung schleppt sie aber auch mit sich herum: "Bei E-Bay war ein deutscher Artikelstandort angegeben, und ich habe das Geld auch auf ein deutsches Konto überwiesen. Wie sollte ich denn wissen, dass dieser Verkäufer seinen Sitz in den Niederlanden hat und dann so etwas auf mich zukommt?"

Zu ihrer Beruhigung hat sie erfahren, dass eine Steuerhinterziehung in einem derartigen Fall nach zwei Jahren verjährt und im Zweifel auch die Anklage wegen Geringfügigkeit fallen gelassen würde.

Nun weiß sie darüber Bescheid und erwartet getrost den zweiten Brief vom Zoll. Denn einige Monate nach dem ersten Kauf hat sie nämlich ein weiteres Mal Kaffee ersteigert. jko

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