"Photography Unplugged" zeigt Harald Mantes Lebenswerk in 250 Bildern

SCHWERTE Als er an dem Waschsalon in Brüssel vorbeikam, sahen die anderen Passanten in Brüssel einen Waschsalon. Harald Mante sah ein Bild. Er betrat den Salon und fotografierte einen Stuhl in der Ecke. Der ziert nun das Cover seines neuen Bildbandes: Eine Retrospektive aus 50 Jahren analoger Fotografiekunst.

von Von Tilman Abegg

, 30.01.2009, 16:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Auf jeder Doppelseite stehen sich korrespondierende Bildpaare gegenüber. "Aus etwa 40 000 Bildern haben wir 250 ausgewählt", berichtet Harald Mante.

Auf jeder Doppelseite stehen sich korrespondierende Bildpaare gegenüber. "Aus etwa 40 000 Bildern haben wir 250 ausgewählt", berichtet Harald Mante.

Manche Bilder sind zum Kringeln. Zum Beispiel die zwei Garagen in Herdecke. Sachlich, frontal fotografiert, nüchtern und erhaben. Weiße Mauern, braunes Blech, schönes Bild.Unauffällige Details werden freigelegt Moment: Da sind ja Stufen vor den Garagentoren! Das Kopfkino zeigt, wie die Autos da raus kommen. Genau einmal. Andere Bilder sind zum Eintauchen. In untiefe Gewebe aus Spiegelungen und Reflexionen, in denen der Betrachter zwischen Fensterscheiben, Gardinen und tieferen Hintergründen sanft und haltlos auf- und absteigt. Oder in unauffälligen Details wie der Riss im Mauerwerk, den Mante einzeln freilegt und mit Licht und Farbe porträtiert. "Photography Unplugged" heißt der Bildband. Gemeint ist: Mantes Bilder sind keine Arrangements, keine Inszenierungen einer künstlerischen Idee. Kultiviert ist nur sein Blick, der die Welt aufteilt: in fotografisch Interessantes und den Rest.Beeinflusst von Magritte Mantes Studenten, erzählt er, wunderten sich oft über seinen dokumentarischen Ansatz: „Das kann man doch inszenieren und sich das Suchen sparen!“ Mante zeigt den zerbrochenen Fuß einer Statue, auf den jemand liebevoll ein Pflaster geklebt hat: „Aber wie soll man sich so etwas ausdenken?“ Rene Magritte sei ein starker Einfluss. Der belgische Surrealist komponierte Gemälde, um das Geheimnisvolle abzubilden. Mante erspäht diese seltenen Momente in der wirklichen Welt. Wie die beiden feinen Wölkchen, die sich direkt über der Spitze von St. Viktor für einen Augenblick zu einem deutlich erkennbaren Ausrufezeichen formieren.

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