Pilze sammeln in Schwerte – Was ist erlaubt, und wo ist es verboten?

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Wo in Schwerte darf man Pilze sammeln – wo nicht? Wie viel ist überhaupt erlaubt? Haben Waldbesitzer Ärger mit Pilzsammlern – und falls ja: welchen? Das sagen eine Sammlerin und der Förster.

Ergste

, 01.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich komm ich ja aus dem Osten, aus der Nähe von Rostock“, sagt Silvia Benup, „und da haben wir immer Pilze gesammelt. Ich kenne das schon von Kindheit an.“

Benup steht in einem Waldstück am Bürenbruch in Schwerte-Ergste, in der Hand einen Einkaufskorb, in dem gerade mal der Boden bedeckt ist. Viele Maronen sind darin, einzelne Steinpilze, die Ausbeute des heutigen Streifzuges durch das Waldstück in der Nähe ihres Hauses.

Hallimasch, Marone und Steinpilz – all das gibt es hier

„Für mich alleine reicht das“, sagt Benup. Nach Ergste kam sie der Liebe wegen. Ihr Mann wohnte hier. Gemeinsam und mit den Hunden zog es die beiden oft in die Waldstücke, somit auch in die Pilze.

2018 aber starb er. Benup hatte alles Mögliche im Kopf, aber nicht die Pilze.

2019 ist sie zurück, alleine – und sie weiß, was sie tut, wo genau sie gucken muss: „In dem Wald da hinten sind mehr Hallimasch und Maronen, und hier sind auch Steinpilze.“

Die Ausbeute ist größer, als sie 2018 gewesen wäre. Da hatte es einen extrem langen, trockenen Sommer gegeben, in dem kaum Pilze gewachsen waren. Der Sommer 2019 war zwar auch warm, aber immerhin etwas feuchter. Viel wandert trotzdem nicht in Silvia Benups Körbchen, obwohl sie das Küchenmesser zum Abschneiden immer parat hat.

Maximum ist nicht durch eine Grammzahl definiert

Schwertes Förster Andreas Weber schaut in den Korb und winkt ab: Kein Problem, das sei erlaubt. „Es ist nur eine schonende Entnahme erlaubt, also nur eine haushaltsübliche Menge für den Eigenbedarf“, zitiert der Schwerter Förster das Gesetz. „Pilze sind Teil des Ökosystems. Man darf also nicht zuviel entnehmen, das würde das Ökosystem beschädigen.“

Die Bundesartenschutzverordnung regelt genau, was man sammeln darf und was nicht. Das Wieviel aber ist immer Auslegungssache. Der Gesetzgeber nennt keine Grammzahl. Also müssen die Förster schätzen.

„Ich war der Meinung, man darf ein Kilogramm sammeln“, sagt Silvia Benup. Doch solch eine Menge will sie gar nicht. Zumal sie das Grundproblem bestens nachvollziehen kann: „Eine ‚haushaltsübliche Menge‘ ist Auslegungssache. Ich kenne das, ich arbeite im Einzelhandel.“

Naturschutzgebiete dürfen nicht betreten werden

Was ist denn nun gesetzlich verboten? Förster Weber und Waldbesitzer Hendrik Wassermann geben Auskunft: „In Schutzgebieten ist Sammeln verboten, in Schwerte also zum Beispiel im Elsebachtal“, sagt Weber. „Und sobald irgendwo eine Kultur ist oder ein Zaun steht, darf ich diesen Teil auch nicht betreten“, fügt Wassermann hinzu.

Das klingt einleuchtend, sei es aber nicht, unterstreicht der Waldbesitzer: „Im Augenblick kontrollieren wir circa einmal pro Woche, ob die Zäune alle in Ordnung sind. Ständig gehen Leute in die Kulturen hinein, drücken die Zäune hinunter und beschädigen sie.“ Nicht die Menschen selbst seien das Problem, so Wassermann. Aber durch Löcher im Zaun komme das Rehwild oder Damwild und fresse die jungen Pflanzen kaputt.

Pilze sammeln in Schwerte – Was ist erlaubt, und wo ist es verboten?

Ein Blick in den Korb: Vor allem Maronen und Steinpilze findet Silvia Benup im Wald in Ergste. © Björn Althoff

Und ganz gleich wo – „geschützte Arten darf man auf keinen Fall mitnehmen“, warnt Weber. Darunter fielen beispielsweise alle heimischen Trüffel-Arten oder der Kaiserling, heißt es in einer aktuellen Mitteilung vom Kreis Unna: „Von den ebenfalls besonders geschützten Arten Steinpilz, Pfifferling, Schweinsohr, Brätling, Birkenpilz, Rotkappe und Morchel dürfen geringe Mengen mit nach Hause genommen werden. Wer sich nicht an diese Regelungen hält, riskiert ein empfindliches Bußgeld.“

Maximal 250 Euro Strafe für diejenigen, die Pilze verkaufen

Ebenfalls unter Androhung von 250 Euro verboten: der Verkauf von gesammelten Pilzen. Kommt das vor? Ja, schon, sind sie Waldbesitzer, Förster und Sammlerin sicher. Sie alle hätten schon davon gehört.

Viel interessanter finden alle Drei aber die Frage: Was wird gleich aus den Maronen und Steinpilzen in Silvia Benups Korb? „Ich schneide die klein und packe sie in ein Waschbecken voller Wasser, streue zwei Hände Mehl drüber. Das Ganze zwei Mal - und einmal mit purem Wasser. Entweder blanchiere ich sie dann und friere sie ein oder ich packe die in Pfanne mit Speck und Zwiebeln - lecker!“

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