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Radfahrer fahren im Feierabendverkehr durch die B236-Baustelle

Ein Gruppe Fahrradfahrer fährt im Pulk durch die B236-Baustelle zum Freischütz - und das im Feierabendverkehr am Freitag. Warum das erlaubt ist, und was hinter der Aktion steckt.

So manchen Autofahrer reizt der Dauerstau in der B236-Baustelle schon so zur Weißglut. Was aber, wenn dann noch eine Gruppe von rund 25 Radfahrern vor ihm durch das Nadelöhr fährt? Und das, obwohl es in Strömen regnet. Da langte am Freitagnachmittag der eine oder die andere auch gerne zur Hupe. Doch es half nichts, die Autos mussten sich dem Tempo der Radfahrer bis zum Ende des Freischütz-Parkplatz angleichen, bevor es dann (in Tempo 30) weitergehen konnte.

Was dem einen oder anderen wie reine Provokation vorkam, war eine Aktion der Critical Mass Schwerte. Die Fahrradaktivisten wollten nämlich darauf hinweisen, dass beim aufwendigen Ausbau der B236 auf Radfahrer so gut wie keine Rücksicht genommen werde, sagt Marco de Mattei, der die Tour anführte.

15 Einzelfahrzeuge sind ein geschlossener Verband

Jeden zweiten Freitag im Montag treffen sich Radfahrer am Nachmittag vor dem Schwerter Bahnhof, um eine gemeinsame Tour zu machen. Dabei nutzen sie den Paragraphen 27 der deutschen Straßenverkehrsordnung aus. Mehr als 15 Radfahrende können demnach einen „geschlossenen Verband“ bilden, für den sinngemäß die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeugs – zum Beispiel eines Sattelzugs – gelten. Also wenn die ersten der Gruppe bei Grün über die Ampel fahren, dürfen die anderen auch bei Rot noch rüber. Das stößt nicht bei vielen Autofahrern auf Zustimmung.

Die Schwerter Gruppe setzt sich zum einen für bessere Bedingungen für Radfahrer im Straßenverkehr ein, zum anderen sei es aber auch ein Ausdruck von Lebensfreude, sagt Matteis. Und in der Tat, trotz des strömenden Regens sind die meisten Mitradelnden gut gelaunt.

Bewegung entstand 1992 in San Francisco

Die Critical-Mass-Bewegung entstand 1992 in San Francisco und hat weltweit Ableger. In Schwerte trifft sich eine relativ kleine Gruppe seit zwei Jahren. Meist sind es so um die 30 Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Bei den weltweiten Veranstaltungen sind oft mehrere Hundert Radfahrer unterwegs.

Das wäre in Deutschland dann übrigens anmeldepflichtig. Denn die kritische Masse hat mit 15 Fahrzeugen nicht nur eine Untergrenze, sondern auch eine Obergrenze. Beteiligen sich mehr als 100 Radfahrer, muss die Veranstaltung angemeldet werden. Andernfalls gilt die Tour als übermäßige Straßennutzung.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer