Mieter füttern Vögel – ist das der Ursprung des Rattenproblems?

rnRattenplage in Holzen

Die Rattensichtungen in Holzen reißen nicht ab. Die Lage ist unschön für alle Parteien. Die Ursachen für die Plage sind vielfältig, weiß die GWG. Auch Mieter sind nicht ganz unschuldig.

Holzen

, 12.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Wort „unschön“ trifft es wahrscheinlich am besten, denn so empfindet auch Rainer Timm aus Holzen, wenn es um die aktuelle Situation mit Ratten im Ortsteil geht. Er wohnt in der Straße „Zum großen Feld“ und sieht regelmäßig die ungeliebten Nagetiere im Garten.

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Allerdings kommen sie nicht aus seinem eigenen Garten, sondern nutzen ihn nur als temporären Aufenthaltsort, bis sie zurück in die Löcher neben dem Kanaldeckel in der Straße „Zum großen Feld“ mit der Hausnummer 63 kriechen.

Drei Löcher neben Kanaldeckel

Und dort sind gleich drei von den Rattenlöchern, aus denen laut Rainer Timm die Ratten immer wieder huschen. „Die kommen hier raus und laufen dann auch in meinem Garten herum“, sagt er.

Aus diesen Löchern kommen regelmäßig Ratten raus gekrochen.

Aus diesen Löchern kommen regelmäßig Ratten raus gekrochen. © Laura Schulz-Gahmen

Schlimmer sei jedoch noch, dass die Tiere auch im Garten seines Nachbarn herumlaufen und der hat Zwillings-Jungs, die ungefähr zwei Jahre alt sind. „Das ist doch für die Kleinen auch nicht schön, wenn da Ratten im Garten sind“, betont Rainer Timm.

Stadtentwässerung nicht zuständig

Er habe sich bereits mit dem Ordnungsamt der Stadt Schwerte, mit der Stadtentwässerung Schwerte (SEG) und der Wohnungsbau Genossenschaft in Verbindung gesetzt. Bisher sei allerdings nicht viel passiert. „Die Genossenschaft weiß das seit einem Vierteljahr und hat ein paar Lauffallen aufgestellt“, sagt Rainer Timm. Ob die SEG überhaupt zuständig sei, wisse er nicht. „Das wusste die SEG selber nicht genau, als ich gefragt habe.“

Überall wo rote Punkte sind, hat die SEG Köderschächte mit Gift belegt.

Überall wo rote Punkte sind, hat die SEG Köderschächte mit Gift belegt. © SEG

Markus Borchert von der Stadtentwässerung Schwerte sagt: „Für die Kanäle auf den Grundstücken ist der entsprechende Eigentümer zuständig, der dann einen Sachkundigen seiner Wahl beauftragen kann“, so Borchert. Dafür ist somit die SEG nicht in der Verantwortung. In Holzen habe die SEG allerdings einige sogenannte „Köderschächte“ mit Gift belegen lassen.

„Sisyphusarbeit“

Die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Schwerte (GWG) ist zuständig für die Rattenbekämpfung in Holzen. Das Problem sei dort auch schon länger bekannt. Birgit Theis von der GWG sagt: „Grundsätzlich ist das Rattenproblem dort nicht neu.“ Seit Langem werden in Holzen die Nagetiere durch eine beauftragte Firma bekämpft. Diese legt monatlich Köder aus. „Und zwar nicht erst in diesem Jahr“, so Theis.

Lauffallen gegen Ratten in Holzen.

Lauffallen gegen Ratten in Holzen. © Laura Schulz-Gahmen

Auch die von Timm genannten Löcher neben den Kanaldeckeln sind bekannt. „Wir haben Gärtner in den Anlagen und die machen die Löcher regelmäßig zu“, sagt Birgit Theis. „Aber seien wir ehrlich, das ist schon Sisyphusarbeit“, ergänzt sie.

Vogelfutter zieht Ratten an

Die Situation sei sowohl für die Mieter als auch für die GWG nicht schön. Die Bekämpfung der Tiere läuft unter Betiebskosten und die werden auch weiter an den Mieter gegeben. Die Gründe für das Rattenproblem sind nicht so leicht auszumachen, allerdings sollen auch einzelne Mieter selbst zur Lage beitragen. „Wir wissen, dass es vereinzelte Mieter gibt, die regelmäßig Vögel füttern und das zieht natürlich auch andere Tiere an“, sagt Birgit Theis.

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Aber das allein sei nicht der Grund für die Plage. „Die Kanäle sind ja auch alle miteinander verbunden, es gibt Populationsbildungen und auch hier stehen wir mit Kanalreinigungsfirmen in Verbindung“, so Theis. Diese wüssten besser, wo das Problem liegt als die GWG. Aber das Problem bestehe nicht nur in Holzen.

Situation ist anderswo besser geworden

Auch andere Stadtteile seien von Ratten befallen. Dort wurde ebenfalls mit Unternehmen, die sich auskennen, zusammengearbeitet und mittlerweile sei es dort besser geworden.

„Wir sind selber hoch unglücklich über die Situation“, betont Birgit Theis. Auch die Gärtner und Hausmeister in den Anlagen der GWG wissen über die Situation Bescheid und gehen dagegen vor. „Aber es gleicht einem Kampf gegen Windmühlen.“

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