Rechtsanwalt erklärt, wann Notwehr erlaubt ist

Sicherheit in Schwerte

In Hollywood-Filmen greift der Held beherzt zur Waffe, wenn er angegriffen wird. Im alltäglichen Leben ist Notwehr eigentlich die Ausnahme. Doch was darf ich, was nicht? RN-Redakteur Heiko Mühlbauer sprach darüber mit Rechtsanwalt Andreas Krüger.

SCHWERTE

von Von Heiko Mühlbauer

, 20.02.2011, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nicht jede Art der Verteidigung ist strafrechtlich unbedenklich: Die Reaktion auf einen Angriff muss immer der Situation angemessen sein.

Nicht jede Art der Verteidigung ist strafrechtlich unbedenklich: Die Reaktion auf einen Angriff muss immer der Situation angemessen sein.

Also zuerst muss mich jemand rechtswidrig angreifen. Der klassische Fall ist auf gut Deutsch: Jemand kommt auf mich zu und will mich vermöbeln.

Die Gegenmaßnahmen müssen objektiv erforderlich sein. Also der Täter muss mich wirklich angreifen wollen. Und die Gegenmaßnahme muss subjektiv vertretbar sein und nicht in Rechtsmissbrauch ausarten.

Wenn ich einen Dieb daran hindern will, mein Grundstück mit seiner Beute zu verlassen, darf ich ihm nicht in den Rücken schießen. Wenn jemand mich bestiehlt, darf ich ihn daran aber dennoch auch mit Gewalt hindern.

Dann kann sogar ein Schuss mit einer Waffe durchaus gerechtfertigt sein. Bei Polizisten kommt das allerdings häufiger vor als bei Zivilpersonen.

Das ist objektiv meist besser, rein rechtlich brauche ich aber die so genannte „schimpfliche Flucht“ nicht anzutreten. Anders ist das, wenn der Täter sich erkennbar irrt, ein Kind ist oder sonst im Sinne des Gesetzes schuldlos handelt. Dann ist mir die Flucht als erstes Mittel der Wahl immer zuzumuten.

Dann kann die Notwehrsituation dennoch gegeben sein. Allerdings muss ich mich dann wegen eines Verstoßes gegen das Waffenrecht verantworten.

Prinzipiell ja, aber es gibt auch da Situationen, in denen man auf dünnem Eis wandelt. Zum Beispiel, wenn mich große Kinder, so zwischen 13 und 14 Jahren, angreifen. Da könnte selbst der Einsatz von Pfefferspray überzogen sein. Außerdem gibt es Pfefferspray in verschiedenen Dosierungen und Sprühgeräten. Nur das Handelsübliche ist für Normalbürger erlaubt.

Wenn grundsätzlich eine Bedrohungssituation herrscht und ich reagiere überzogen, kann das als Notwehr-Exzess milder als ein anderes Gewaltdelikt bestraft werden. Denn auch bei Notwehr gilt die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Defensive Verteidigung geht vor offensivem Verhalten.

Wer einen Angriff provoziert, um hinterher unter dem Deckmantel der Notwehr jemanden zu verletzen, kann sich nicht auf den Notwehrparagrafen berufen.

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