Rührende Liebesgeschichte begann am Elsebad

Anschwimmen 2017

Als Else Bußmann im Sommer 1944 beschloss, sich ins Elsebad zu schleichen, um Schwimmen zu gehen, ahnte sie nicht, dass diese Entscheidung ihr Leben verändern würde. Am Sonntag war sie zum Anschwimmen wieder im Elsebad. Diesmal als Botschafterin in besonderer Mission - und sie hatte da noch jemanden mitgebracht.

ERGSTE

, 23.04.2017, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das erste Liebesschloss in Herzform überreichte (v.l.) Thomas Wild, Vorsitzerder des Fördervereins, an Günter und Else Lemmes, die sich 1944 im Elsebad verliebt hatten. Im Vorjahr feierten die beiden 90-Jährigen die Eiserne Hochzeit.

Das erste Liebesschloss in Herzform überreichte (v.l.) Thomas Wild, Vorsitzerder des Fördervereins, an Günter und Else Lemmes, die sich 1944 im Elsebad verliebt hatten. Im Vorjahr feierten die beiden 90-Jährigen die Eiserne Hochzeit.

Dicke Jacken statt Badehose und Bikini. Wenn das Wetter schon die Generalprobe für die neue Saison im Elsebad verpatzte, so muss doch eigentlich ein gelungener Sommer folgen. Vielleicht ein ähnlich heißer wie im Kriegsjahr 1944, von dem Else und Günter Lemmes beim Anbadefest eine ganz besondere Geschichte erzählen konnten.

Statt wie befohlen bei einem Parteitag der Nationalsozialisten in Iserlohn mitzumarschieren, wollte Else Lemmes – die damals noch Bußmann hieß – lieber schwimmen gehen: „Es gibt doch nichts Schöneres.“ Günter Lemmes hatte dieselbe Idee. Heimlich schlich er sich ins Elsebad, wo Else Lemmes nicht nur ihren Kuchen, sondern auch ihr Handtuch mit ihm teilte.

„An dem Tag ist der Funke übergesprungen“, berichtete Günter Lemmes, wie auf der Liegewiese die Liebe begann. Eiserne Hochzeit feierten im Vorjahr die beiden 90-Jährigen, die Fördervereins-Vorsitzender Thomas Wild mit dem allerersten Liebesschloss für das neue Gitterherz am Eingang des Elsebads überraschte. Kaum hatte sie dessen Bügel eingeklickt, versenkte Else Lemmes den Schlüssel im nahen Elsebach.

"2022 sehen wir uns wieder“

„Bei unserer Gnadenhochzeit am 15. Oktober 2022 sehen wir uns wieder“, rief sie den applaudierenden Umstehenden zu. Bis dahin sollen sich noch viele weitere Vorhängeschlösser glücklicher Paare zu ihrem eisernen Herzen dazugesellen. „Sie können für eine Spende ab 15 Euro einschließlich Gravur an der Elsebadkasse bestellt werden“, sagte Matthias Holtmann.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Anschwimmen 2017 im Elsebad

Im Elsebad wurde am Sonntag die Schwimmsaison 2017 eröffnet.
24.04.2017
/
Das erste Liebesschloss in Herzform überreichte (v.l.) Thomas Wild, Vorsitzerder des Fördervereins, an Günter und Else Lemmes, die sich 1944 im Elsebad verliebt hatten. Im Vorjahr feierten die beiden 90-Jährigen die Eiserne Hochzeit.© Foto: Reinhard Schmitz
Das erste Liebesschloss klickte Else Lemmes (90) an das neue Gitterherz des Elsebads. Im Sommer 1944 hatte sie ihren Mann Günter Lemmes auf der Liegewiese kennengelernt. Im Vorjahr feierte das Paar Eiserne Hochzeit.© Foto: Reinhard Schmitz
Das erste Liebesschloss am neuen Gitterherz gehört Else und Günter Lemmes, zwischen denen es im Sommer 1944 auf der Liegewiese gefunkt hatte. Das Datum erinnert an den Hochzeitstag der heutige 90-Jährigen.© Foto: Reinhard Schmitz
Ins Wasser wagte sich Rudi Klein (80), der zum 19. Mal zum Anschwimmen ins Elsebad kam. Nur ein einziges Mal hat er das Ereignis verpasst, weil er zu dem Zeitpunkt im Urlaub war.© Foto: Reinhard Schmitz
Ins Wasser wagte sich Rudi Klein (80), der zum 19. Mal zum Anschwimmen ins Elsebad kam. Nur ein einziges Mal hat er das Ereignis verpasst, weil er zu dem Zeitpunkt im Urlaub war.© Foto: Reinhard Schmitz
Dicke Jacken bestimmten das Geschehen am Beckenrand. Jetzt hoffen die Elsebad-Betreiber auf einen heißen Sommer mit über 80 000 Besuchern.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Stände auf dem Boulevard Elsebad zwischen Becken und Kiosk luden zum Flanieren ein.© Foto: Reinhard Schmitz
Mit Lesestoff für die Saison auf der Liegewiese konnten sich die Besucher am Bücherstand von Ute Tekhaus (r.) eindecken. Sie ist auch wieder beim Abbadefest und beim Weihnachtsmarkt im Elsebad dabei.© Foto: Reinhard Schmitz
Eierkerzen konnten am Stand des Historischen Spiels gegossen werden, das künftig auch Kindergeburtstages in seinem Spieledorf im Elsebad anbieten will.© Foto: Reinhard Schmitz
Pommes und Currywurst vom Elsebad-Kioks verwöhnten die Besucher.© Foto: Reinhard Schmitz
In seine 20. Saison als Bürgerbad gestartet ist das Elsebad. Bis zum Abbaden am 10. September hoffen die Betreiber auf mehr als 80 000 Besucher.© Foto: Reinhard Schmitz
Bratwurst und Erbsensuppe ließen sich Rudi Nürenberg und Margret Hahn schmecken.© Foto: Reinhard Schmitz
Das Ruhrtaler Blasorchester unterhielt auch mit seinen Versionen von Pop-Klassikern.© Foto: Reinhard Schmitz
Alles Hände voll zu tun hatte Bernd Pösch am Holzkohlegrill, um Bratwurst, Krakauer und Steaks zu wenden.© Foto: Reinhard Schmitz
Unter Pavillonzelten machten es sich die Besucher auf der Liegewiese gemütlich.© Foto: Reinhard Schmitz
Vom Dach des Elsebad-Kiosks blickte der Kantensitzer im BVB-Trikot auf das bunte Treiben.© Foto: Reinhard Schmitz
Erstmals beim Anbadefest dabei war der Adimali-Verein, der an seinem Stand Linsenplätzchen und gebackene Bananen zubereitete.© Foto: Reinhard Schmitz
Ein ständiges Kommes und Gehen herrschte zwischen dem Schwimmbecken und dem Budendorf entlang des Weges zum Elsebad-Kiosk.© Foto: Reinhard Schmitz
Einen Defibrillator konnte die DLRG Ergste-Villigst-Hennen dank einer Spende des Ferngasnetz-Betreibers Open Grid Europe für ihre Wachdienste anschaffen. Macel Mitze (l.) und Tobias Gerling zeigen das 1400 Euro teure Gerät, das Leben retten kann..© Foto: Reinhard Schmitz
Einen Defibrillator konnte die DLRG Ergste-Villigst-Hennen dank einer Spende des Ferngasnetz-Betreibers Open Grid Europe für ihre Wachdienste anschaffen. Macel Mitze (l.) und Tobias Gerling zeigen das 1400 Euro teure Gerät, das Leben retten kann..© Foto: Reinhard Schmitz
Schlagworte

Schöne Erinnerungen verband auch Werner Schulte (83) mit dem Bad. Als Kind schaute er in den 1930er-Jahren zu, wie Männer vom Reichsarbeitsdienst das Becken bauten. „Da kriegten wir immer einen Schlag Erbsensuppe aus der Gulaschkanone mit“, sagte er. Am Sonntag zog ihn Ehefrau Rita Schulte aber zum Kuchenstand am Ende des „Boulevards Elsebad“, in den ein Budendorf den Weg zwischen Becken und Kiosk verwandelt hatte.

Zielmarke für die Saison: mehr als 80.000 Besucher

Da bot Ute Tekhaus an ihrem Bücherstand wieder Lesestoff für den Liegewiesen-Sommer, dufteten Rosenblüten- und Mandelölseife der Schwerter Seifenkiste, backte der Adimali-Verein Linsenplätzchen und Bananen. Für ein ganz neues Angebot warb der Verein Historisches Spiel. In seinem Spieledorf am Rande der Liegewiese richtet er künftig auch Kindergeburtstage mit Filzen oder Schmieden aus, wie Rebekka Cichon verriet: „Die Anmeldung ist möglich per E-Mail an olaf.knoepges@freenet.de.“

Neu ist außerdem ein Defibrillator für die Wiederbelebung, der den Helfern der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Ergste-Villigst-Hennen bei ihren Wachdiensten im Elsebad zur Verfügung steht. Dank einer Spende des Ferngasnetz-Betreibers Open Grid Europe konnte das 1400 Euro teure Gerät angeschafft werden, sagte Leiter Tobias Gerling.

Elsebad-Geschäftsführerin Annette Wild hofft, dass es möglichst nie eingesetzt werden muss: „Das Wichtigste ist eine unfallfreie Saison.“ Das Wetter sollte natürlich auch mitspielen, um die als Zielmarke gesetzte Besucherzahl von „80.000 plus“ zu erreichen. Im besten Jahr 2003 kamen sogar 135 000 Gäste.

 

Lesen Sie jetzt