Corona-positiv. Keiner sollte es wissen. Mehr als zwei Wochen vergrub sich Frank Neuenfels in Quarantäne in seinem Haus. Warum er jetzt erstmals über die Krankheit spricht, hat zwei Gründe.

Schwerte

, 07.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stimme hat das Virus nicht getroffen. Das ist das Wichtigste für einen Sänger und Moderator. Doch was Frank Neuenfels während seiner Corona-Infektion sonst durchmachen musste, das würde keiner seinem ärgsten Feind wünschen. Vom bohrenden Teststäbchen durchs Nasenloch tief in den Kopf hinein bis zu den unerträglichen Gliederschmerzen. Der Schwerter grub sich in Quarantäne in seinem Haus ein. Sonst stets in den sozialen Netzwerken präsent, behielt er die Erkrankung für sich. Immer wieder musste er Ausreden erfinden, um gut gemeinte Treffen abzusagen.

Unterschiedlicher Meinung mit seinem Freund Michael Wendler

Wenn Frank Neuenfels jetzt erstmals öffentlich über die überstandene Erkrankung spricht, dann treiben ihn zwei Beweggründe. „Um anderen Mut zu machen, nicht die Hoffnung zu verlieren“, nennt er den einen: „Selbst wenn man erkrankt ist: Es gibt Schlimmeres.“ Und vor allem möchte er allen Corona-Leugnern entgegentreten. „Da bin ich schwer auf Konfrontation“, sagt der 51-Jährige.

Diplomatisch antwortet er auf die Frage zu seinem befreundeten Schlagerstar Michael Wendler, der Anfang Oktober für Aufruhr gesorgt hatte, als er seine Skepsis über die „angebliche“ Corona-Pandemie zum Ausdruck brachte: „Man kann befreundet sein, aber trotzdem unterschiedlicher Meinung.“ Inzwischen sei Michael Wendler ja auch zurück gerudert: „Er hat bemerkt, dass er sich etwas zu weit vergaloppiert hat.“

So lieben die Fans Frank Neuenfels: Als energiegelandenen Organisator und Moderator des Schlagerfestivals auf dem ETuS-Sportplatz in Schwerte.

So lieben die Fans Frank Neuenfels: Als energiegelandenen Organisator und Moderator des Schlagerfestivals auf dem ETuS-Sportplatz in Schwerte. © Foto: Reinhard Schmitz

Erst recht nicht verstehen kann Frank Neuenfels aber alle Maskengegner. „Ich frage mich: Wann kapieren diese Menschen nicht, dass jeder seinen kleinen Beitrag leisten kann, um bald wieder Normalität zu erzielen?“

Mit dem gewohnten Leben war es für den sonst so energiegeladenen Künstler schlagartig vorbei, als er sich am Wochenende (16./17. Oktober) plötzlich schlapp fühlte: „Ich schob es auf die allgemein auftretende Grippewelle.“ Auch noch als nachts der Vorschlaghammer über ihn kam mit Schüttelfrost, Übelkeit und 39,5 Grad Fieber. Erst als diese Symptome am Montag immer noch nicht verschwunden waren, stellte sich die Frage: Wo kann man sich auf Corona testen lassen?

Diese Untersuchung übernahm am nächsten Tag der Hausarzt. Und dann ging alles ganz schnell. „Noch am selben Nachmittag bekam ich Anrufe.“ Das Labor, der Hausarzt und schließlich noch das Gesundheitsamt teilten das Ergebnis mit: Corona positiv.

Frau vom Gesundheitsamt hinterließ ihre Durchwahl für alle Fälle

„Ich war supervorsichtig gewesen“, sagt Frank Neuenfels. Sofort schossen ihm die Fragen durch den Kopf: „Wo ist das passiert? Mit wem hab´ ich Kontakt gehabt?“ Alle Kontaktpersonen wollte auch die Mitarbeiterin des Kreis-Gesundheitsamtes wissen.

In eine langen Telefonat gab sie zudem Verhaltenstipps - selbst für den Fall, dass die Symptome sich verschlimmern sollten: „Sie hat sich unfassbar viel Zeit genommen.“ Und hinterließ vor dem Auflegen sogar noch ihre Durchwahl. Man könne sich immer an sie wenden.

Selbst eine Kaffeetasse konnte er nicht zum Mund führen

Das Fieber klang nach und nach ab. Am dritten Tag war es verschwunden. „Aber da setzten unfassbare Körperschmerzen ein“, berichtet der Sänger. Vier Tage lang quälten sie am Rücken, an den Armen, an den Beinen: „Die hätte man abschrauben können, ich hätte es nicht gemerkt.“ Selbst eine Kaffeetasse anzuheben, war in diesem Zustand unmöglich. Der Arzt machte Mut. Das sei ein Krankheitsmerkmal, das wieder verschwinde. Der Geschmacksverlust, über den andere Betroffene klagten, kam glücklicherweise nicht hinzu.

Auch das Tanzlokal Fox auf der Hohensyburg ist ein "Baby" von Frank Neuenfels (l.). Das Deutsche Schlagerfernsehen dreht dort regelmäßig Sendungen, hier mit Ehrengast Gotthilf Fischer (r.).

Auch das Tanzlokal Fox auf der Hohensyburg ist ein „Baby“ von Frank Neuenfels (l.). Das Deutsche Schlagerfernsehen dreht dort regelmäßig Sendungen, hier mit Ehrengast Gotthilf Fischer (r.). © Reinhard Schmitz (A)

„In der zweiten Woche ging es dann stetig bergauf“, sagt Frank Neuenfels. Heute fühle er sich nur noch bisweilen ein bisschen kraftlos, vor allem nach längeren Spaziergängen. Aber die wesentliche Erkenntnis: „Es ist nichts zurückgeblieben.“

Der Umgang mit Hausarzt und Gesundheitsamt sei vorbildlich gewesen, lobt der Schwerter. Auch wenn der Test sehr unangenehm war. Am Ende wurde er nicht noch einmal wiederholt. Als nach der Quarantänefrist keine Symptome mehr feststellbar waren, sei das Gesundheitsamt davon ausgegangen, dass der Patient gesundet sei.

Haus, Garten und Netflix halfen über die Quarantänezeit hinweg

Nicht nur zwei Wochen, sondern sogar noch zwei Tage länger war Frank Neuenfels in Selbstisolation geblieben. Fällt einem dann irgendwann zu Hause die Decke auf den Kopf? „Ich will mich nicht beklagen. Es gibt Leute, denen geht es viel, viel schlechter“, sagt der Genesene. Er habe doch ein großes Haus, einen Garten und einen Netflix-Anschluss.

Sänger bemerkte: „Die Zwangspause tat mir unfassbar gut“

In die berufliche Zwangspause hatte den Sänger und Moderator schon der erste Lockdown im Frühjahr geschickt. Am 7. März - so weiß er noch heute - konnte er zum bislang letzten Mal sein Tanzlokal Fox in der Spielbank Hohensyburg öffnen, in das er so viel Herzblut gesteckt hatte. Trotzdem habe er die ersten drei bis vier Monate der verordneten Untätigkeit nicht als so schlimm empfunden wie andere Kollegen. Er bemerkte: „Die Zwangsauszeit tat mir unfassbar gut“. Schonung nach dem vorherigen Raubbau mit den Kräften.

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Doch irgendwann vermisste er das gewohnte berufliche Leben. „Als Vollblutmusiker fehlt mir die Bühne“, gesteht Frank Neuenfels. Deshalb freute er sich, später wenigstens ein paar Auftritte unter Einhaltung der Coronabestimmungen geben zu können: „Es war schön, wieder vor Publikum zu singen.“

Und die Menschen, die in kleinen Gruppen weit auseinander standen, hätten das Stück zurückgewonnene Lebensqualität auch genossen. Damit ist es jetzt auch erst mal wieder vorbei: „Ich hoffe, dass wir vielleicht zum neuen Jahr wieder ein bisschen Normalität reinkriegen.“ Mit dem Maskentragen kann jeder ein Stückchen dazu beitragen, dass dieser Wunsch sich erfüllt.

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