Ein Knall, die Bilder wackelten: Dann steckte der Lkw in der Hauswand

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Verkehrslärm ist man an der B233 gewohnt. Doch dieser Knall war ungewöhnlich, schreckte die Hausbewohner auf. Ein Gülle-Transporter hatte sich Mittwochabend in ihre Giebelwand gebohrt.

Hennen

, 03.04.2020, 09:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

So ähnlich muss es nach Bombenangriffen ausgesehen haben. Ein Trümmerhaufen aus roten Backsteinen liegt vor dem großen Loch, das der Lkw in die Hauswand gebohrt hat. Balken hängen schief herab, dazwischen zeigen sich nackte Rohre.

Und aus all dem Schutt lächelt Elvis Presley auf großformatigen Schwarzweiß-Fotos heraus. „Der da wohnt, ist ein Elvis-Fan“, erklärt ein Hausbewohner, der mit einem Mädchen im Garten steht und den Schaden aus der gebotenen Distanz begutachtet.

Bundesstraße 233 führt unter den Fenstern vorbei

Wer hier wohnt, ist Autolärm gewohnt. Die Bundesstraße 233 führt direkt unter den Fenstern des Altbaus vorbei, an den in den 1960er-Jahren rechtwinklig ein neuer Trakt angefügt worden ist. „Ab 18 Uhr beginnt hier der Wechselbrücken-Verkehr“, sagt der Mann. Von einer Spedition in Menden rolle dann Fahrzeug auf Fahrzeug durch.

Am Mittwochabend aber war alles ein bisschen lauter als gewöhnlich. Ein Knall, die Bilder an den Wänden wackelten. Dann steckte der Gülle-Transporter in der Giebelwand des Altbaus.

Fahrer aus dem Münsterland wurde nur leicht verletzt

Wie die Polizei berichtet, war der Sattelzug kurz hinter dem Kreisel am Ortsausgang in Richtung Kalthof von der Fahrbahn abgekommen. Er durchbrach einen Eisenzaun, bevor ihn das Mauerwerk stoppte.

Der 25-jährige Fahrer aus dem Kreis Borken (Münsterland) wurde den Angaben zufolge nur leicht verletzt. Der Mann sei noch selbst aus dem zertrümmerten Führerhaus geklettert, bevor er bewusstlos zusammengebrochen sei. Nach einer Untersuchung konnte er das Krankenhaus aber schon wieder verlassen.

Bange Frage: Sind Gasleitungen beschädigt?

„Zum Glück kein Personenschaden, alles Andere kann man ersetzen“, sagt der Hausbewohner. Hinter der Stelle, die der Lkw durchbrochen, befanden sich im Haus keine Wohnräume. Dort seien ein Abstell- und ein Heizungsraum.

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass dort Gasleitungen beschädigt sind, packt die Iserlohner Feuerwehr umgehend ihre Messgeräte aus, bevor sie Entwarnung geben kann. Neben einem Rüstzug der Berufsfeuerwehr sind nach dem Alarm, der um 20.33 Uhr ausgelöst wurde, auch die Löschgruppen Hennen und Drüpplingsen ausgerückt.

Löschen brauchen sie nicht, auch keine auslaufenden Flüssigkeiten beseitigen. Der Tank, in dem mehrere Kubikmeter stinkende Gülle geladen sind, bleibt dicht.

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Fotos von der Bergung des Gülle-Transporters

Ein Gülletransporter ist in der Nacht zu Donnerstag in ein Wohnhaus an der Hennener Straße im Iserlohner Ortsteil Hennen gekracht.
02.04.2020
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Der Sattelzug hatte erst einen massiven Eisenzaun durchbrochen, bevor er in der Hauswand zum Stehen kam.© Reinhard Schmitz
Wie nach einem Bombenangriff wirkte die zerstörte Hauswand. Zwischen den Ziegelsteinhaufen lagen Elvis-Fotos.© Reinhard Schmitz
Ein großes Loch in die Hauswand hatte der Sattelzug gebohrt. Ein Statiker untersuchte das Gebäude, bevor die Bewohner wieder hinein konnten.© Reinhard Schmitz
Völlig zerquetscht war die Front des Führerhauses. Der Fahrer kam nach Polizeiangaben mit leichten Verletzungen davon.© Reinhard Schmitz
Der Gülle-Transporter war kurz hinter dem Kreisel am Ortsausgang Richtung Kalthof nach rechts von der Hennener Straße abgekommen.© Reinhard Schmitz
Die Bewohner hörten einen Knall, als der Gülletransporter die Hauswand traf.© Reinhard Schmitz
Die Front des Führerhauses steckte in der anderthalbsteinigen Backsteinwand.© Reinhard Schmitz
Mit einem Kran angehoben wurde vor der Bergung das Führerhaus des Gülletransporters.© Reinhard Schmitz
Mit einem Kran wurde das Führerhaus des verunfallten Lkw angehoben, damit Rettungskräfte darunter Teil des durchbrochenen Eisenzauns lösen konnten.© Reinhard Schmitz
Mit einer Seilwinde wurde der Lkw von einem Abschleppdienst vorsichtig aus der Hauswand gezogen.© Reinhard Schmitz

Ein Lichtmast, auf der komplett gesperrten Hennener Straße aufgestellt, leuchtet die Szenerie aus. Durch die Fenster des Lkw-Führerhauses ist ein Gurt gespannt, damit der Kran eines Abschleppwagens es halten kann.

Denn bevor an eine Bergung zu denken ist, müssen noch Zaunteile entfernt werden, in denen sich der Unfalllaster offenbar irgendwo mit dem Unterboden verkeilt hat. „Zurück hinter die Fahrzeuge“, lautet das Kommando für die umstehenden Feuerwehrleute, als die Arbeiten beginnen.

Erst dann kann ein weiterer schwerer Lkw-Abschleppwagen per Seilwinde den Sattelzug stückweise aus dem Mauerwerk herausziehen.

Technisches Hilfswerk stützt die Hauswand ab

Erst nachdem in der Nacht ein Statiker die Schäden an der Wand begutachtet hat, dürfen die Bewohner wieder in das Gebäude zurück. Ein Raum bleibe zunächst unbewohnbar, sagt die Polizei. Das Technische Hilfswerk (THW) Iserlohn ist angerückt, um die Schadenstelle zu stabilisieren. Ein Baufachberater der Organisation gibt an, was zu tun ist. „Es wurden Baustützen gegen ein Absacken des Mauerwerks eingebaut“, berichtete später THW-Sprecher Götz Wege.

Außerdem sei den Giebelwand abgestützt wurden, damit sie sich nicht in Richtung des angrenzenden Parkplatzes absenken könne. Bei diesen Arbeiten habe eine Art Baukastensystem geholfen. Es wurde eine lange Nacht für die freiwilligen Helfer. Erst gegen 4.30 Uhr konnten sie die Einsatzstelle abschließen.

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