Schlafstelle für Obdachlose in Schwerte bleibt zu

Trotz Sanierung

Der Keller des Rathauses in Schwerte sollte eigentlich längst wieder als Schlafstelle für Obdachlose genutzt werden. Die angeprangerten Brandschutz-Mängel wurden längst behoben. In Betrieb genommen wird die Notschlafstelle dennoch vorerst nicht. Wir sagen, warum.

SCHWERTE

, 26.05.2017, 05:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schlafstelle für Obdachlose in Schwerte bleibt zu

Als sich Sozialarbeiter Rüdiger Rychlik (r.) 2009 bis 2014 um die Stadtparkszene kümmerte, konnte der Rathauskeller mit seiner kleinen Küche noch tagsüber als Aufenthaltsraum genutzt werden. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

Der zweite Fluchtweg ist längst geschaffen, aber die Obdachlosen stehen weiterhin vor verschlossenen Türen ihrer einstigen Schlafräume. „Warum gibt es keine Nutzung des Rathauskellers nach Monaten der Fertigstellung?“, fragte CDU-Fraktionsmitglied Dietmar Hellwig die Stadtverwaltung in der jüngsten Ratssitzung. Rund 8000 Euro – so weiß er – sind Ende vergangenen Jahres für die Beseitigung des Brandschutzmangels investiert worden, der im Oktober 2015 zur Schließung der Einrichtung geführt hatte.

„Der Keller ist fertig, aber nicht geöffnet“, bestätigte Sozialdezernent Hans-Georg Winkler. Denn derzeit gebe es kein Konzept für die Nutzung, um „Probleme am Rande der Legalität“ auszuschließen. Auch eine Betreuung sei erforderlich: „Eine alleinige Nutzung durch die Bewohner geht nicht.“

Rathauskeller ist für Obdachlose - keine Nutzung durch "Stadtparkszene"

Gleichzeitig wies Winkler darauf hin, dass der Keller für Obdachlose hergerichtet worden sei. Eine feine Unterscheidung, mit der er die sogenannte Stadtparkszene als Nutzer ausschloss. Die Grünanlage an der Bahnhofstraße sei ein Treffpunkt von Menschen, die von einem Schwerter Arzt im Methadonprogramm versorgt werden: „Die Leute haben alle eine Wohnung.“ Der zuständige Ratsausschuss habe für sie eine Betreuung gewünscht, die es seit Mai auch gebe.

Der für diese Aufgabe beim Verein für soziale Integrationshilfen (VSI) eingestellte Mario Clausen ist derzeit dabei, sich vor Ort ein Bild zu verschaffen. Richtig gehe es los, wenn am 1. Juni seine Kollegin Nathalie Stein dazukomme, sagte er am Montag.

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Bis 2014 war der Keller auch Treffpunkt, jetzt nur noch Notschlafstelle

Schon von 2009 bis Oktober 2014 hatte sich ein Sozialarbeiter um die verschiedenen Personengruppen im Stadtpark gekümmert, bis kein Geld mehr für seine Stelle zur Verfügung stand. Er konnte damals für die von ihm betreute Klientel den Rathauskeller auch tagsüber als Treffpunkt nutzen. Dort stand eine Kochplatte für Kaffee und vor allem auch eine Toilette zur Verfügung. Das entlastete das Gebüsch im Stadtpark.

„Was wir brauchen, ist eine Anlaufstelle für die Stadtparkszene“, sagte VSI-Quarterback Peter Blaschke. Schließlich gibt es nicht nur Sonnentage. Die Anlaufstelle müsse eine gewisse Attraktivität für die Szene haben, beispielsweise durch eine Toilette, Dusche und eine Möglichkeit zum Kaffee- und Suppe-Kochen: „Ob das der Keller sein könnte, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht für einen Übergang – wenn überhaupt.“ Denn Keller bleibt Keller. Und der sei in erster Linie als Notschlafstelle gedacht.

Kellernutzung im Winter hängt von Nachfrage ab

Dieser Aufgabe könnte der Rathauskeller wieder dienen, wenn die Temperaturen nachts wieder sinken. „Es ist vorstellbar, ihn zum Winter wieder zu eröffnen“, sagte Winkler in der Ratssitzung. Allerdings habe es im vergangenen Winter keinen Bedarf gegeben. Da hatte die Stadt vereinbart, dass die Notschlafstelle in Unna Obdachlose aufnehmen sollte, die in Schwerte anklopften.

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