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Schwerte-Mitte: Viel Dreck und Hundekot, aber gute Gastronomie

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In Schwerte-Mitte ist es schön, oder auch nicht. Es kommt ganz darauf an, wo man lebt, meint Musiker Stefan Bauer. Er zog vor 16 Jahren in die Innenstadt und an die Ruhr.

Schwerte

, 13.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Ist Schwerte Mitte eigentlich ein Stadtteil? Nicht so richtig, meint Stefan Bauer. Der Musiker wohnt seit 2003 in der Liethstraße, also schon sehr mittig in Mitte. Aber Schwerte Mitte reicht auch bis zur B 236, hoch bis Holzen und östlich bis zum Gänsewinkel. Ein gemeinsames Lebensgefühl für diesen Raum zu finden, ist schwierig. Und wahrscheinlich verbinden die meisten Schwerter den Ortsteil Mitte mit der Innenstadt mit ihrer Fußgängerzone und die Altstadt.

Und in der lebt man durchaus gerne. Mit insgesamt acht Punkten beurteilten die Bewohner der Innenstadt die Lebensqualität in ihrem Quartier als gut. Da aber die meisten Schwerter ihr Quartier sehr positiv beurteilten, sind die acht Punkte gerade Mal städtischer Durchschnitt.

Schwerte-Mitte: Viel Dreck und Hundekot, aber gute Gastronomie

Viele Fachwerkhäuser säumen die Hellpothstraße in der Altstadt, die Brück- und Ostenstraße verbindet. © Foto: Reinhard Schmitz

Schön wohnen, aber nah an allem

Ebenfalls durchschnittlich bewerteten die Bewohner der Schwerter Mitte die Nahversorgung. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil die meisten Geschäfte ja in der Innenstadt sind. Dass die am Ende schlechter abschneidet als Holzen, Hennen und Geisecke kann nur an der Größe des Ortsteils liegen. Stefan Bauer wohnt am südlichen Rand an der Liethstraße. „Von hier aus bin ich schnell bei Penny und auch zu Rewe am Bahnhof ist es kein Problem. Als es noch einen Rewe-Markt in der Innenstadt gab, war es natürlich besser“, sagt er.

Stefan Bauer stammt aus Holzen. Er hat nie darüber nachgedacht, Schwerte zu verlassen. Irgendwie sei das Ruhrgebiet doch eine große Stadt. „Also warum soll ich da nicht schön wohnen, ich kann ja trotzdem überall in der Nähe Musik machen.“

Und so betrachtet wohnt er an der Liethstraße sehr schön. Zum Kanuheim und damit zur Ruhr sind es nur wenige Meter. Es ist ruhig, zumindest dann wenn man nicht mit dem Parksuchverkehr einer Großveranstaltung in der Rohrmeisterei zu kämpfen hat.

Das ist schlecht in der Innenstadt

Dass die Innenstädter mehr als andere Schwerter unter der Verkehrsbelastung leiden, ist hier nicht zu spüren. Doch im Abstimmungsverhalten spiegelt sich halt auch die B 236 wieder. Mit nur vier Punkten fühlen sich die Bewohner der Innenstadt von allen Schwertern am meisten von der starken Verkehrsbelastung beeinträchtigt. Klar, Hörder Straße, Béthunestraße, Schützenstraße liegen alle in der Mitte.

Schwerte-Mitte: Viel Dreck und Hundekot, aber gute Gastronomie

Die Fassaden sind etwas schlichter geworden und werden teilweise durch Bäume verdeckt, aber in der Grundstruktur hat sich die Hüsingstraße erhalten. © Foto: Reinhard Schmitz

Hinzu kommt der Parksuchverkehr in der Innenstadt. Die Verkehrsgutachter attestierten Schwerte im Mobilitätskonzept besonders viele Parksuchende, weil oft Bäcker, Markt, Fußgängerzone und Lebensmittelhändler einzeln und direkt mit dem Auto angefahren werden. In der Liethstraße oder der Altstadt ist davon wenig zu spüren.

Und auch beim Thema Sicherheit fühlen sich die Menschen in der Innenstadt am unsichersten. Denn die meisten Orte, die als Angsträume gelten, befinden sich hier. „Ich gehe auch nicht gerne nachts durch den Stadtpark“, sagt Stefan Bauer. Obwohl er sich eigentlich ganz sicher in der Innenstadt fühlt. Vor vielen Jahren sei er mal von Angetrunkenen überfallen und tatsächlich verprügelt worden. Das war damals an der Kleinen Hagener Straße, hätte aber auch überall sein können, sagt er. Eine Zeit lang habe das nachgewirkt.

Mittlerweile fühle er sich aber grundsätzlich in Schwerte sicher. Mit fünf Punkten beurteilten die Innenstädter ihren Ortsteil als unsicher. Ähnlich unsicher fühlen sich überraschenderweise die Menschen auf der doch eigentlich beschaulichen Schwerterheide.

Neben der Sicherheit ist auch die mangelnde Sauberkeit den Bewohnern der Innenstadt ein Dorn im Auge. Nirgendwo im Stadtgebiet wurde die Sauberkeit so schlecht bewertet, wie in der City. Mit fünf Punkten liegt die Innenstadt noch einen Punkt unter Wandhofen und Westhofen und zwei unter dem städtischen Durchschnitt. Das mag auch an den Baumscheiben rund um das City-Centrum liegen, die Stefan Bauer immer besonders dreckig vorkommen: „Da sieht man ja vor lauter Hundehaufen keinen Boden mehr.“ Und auch wenn man die Luft bewertet, ist es ja ein Unterschied, ob man unten an der Ruhr oder oben an der B 236 wohnt.

Das ist gut an der Innenstadt

Stadtweite Spitzenwerte erhielt dagegen die Gastronomie. Kein Wunder, auch wenn immer wieder über das Kneipensterben geklagt wird, die meisten Restaurants, Cafés und Kneipen in Schwerte befinden sich in der Mitte. „Am Markt ist es schön“, so Bauer. Und auch das Denkmal habe sich wieder sehr gemausert. „Da ist es jetzt richtig gut.“ Natürlich bedauert er als Musiker das Ende von „Im Reiche des Wassers“. Doch letztlich tun sich zumindest im Bereich Mitte immer wieder neue Gaststätten auf.

Schwerte-Mitte: Viel Dreck und Hundekot, aber gute Gastronomie

Die Gaststätte "Zur Waage" reichte früher bis in das benachbarte Ladenlokal, in dem heute ein Nagelstudio untergebracht ist. © Repro: Reinhard Schmitz

Wenig überraschend ist der Blick der Bewohner auf die Gesundheitsversorgung und die Seniorenfreundlichkeit. Da konnte die Innenstadt punkten. Kein Wunder liegen hier doch Seniorenheime, Seniorenwohnungen, beide Standorte des Krankenhauses und die meisten Praxen von Allgemeinmedizinern und Fachärzten.

Das sagten die Bewohner in der Abstimmung

„Berufsverkehr auf und um B236 ist unerträglich. Viele Wohnungseinbrüche, Diebstähle und Vandalismus in den letzten zwei bis drei Jahren. Sicherheitsgefühl und Lebensqualität sind deutlich gesunken.“

„Die Innenstadt der Stadt Schwerte verkommt immer mehr. Der Parkplatz am Reiche des Wassers ist abends ein Drogenumschlagplatz und die Kleingärtner der Amsel und umliegenden Gärten nutzen jeden Fleck als Mülllager. Die Parkplatzsituation ist dermaßen schlecht, dass Pendler mir meine Zufahrt zu parken und dabei noch frech sind. Im vergangenen Jahr wurde dreimal versucht, bei mir einzubrechen und ich bin auf dem benannten Parkplatz des Öfteren bepöbelt und bespuckt worden. Mein Auto wurde von Vandalen zerkratzt und auf meinen Hund mit Giftködern Jagd gemacht. Ich muss sagen, all diese Anliegen interessieren in der Stadtführung niemanden, man erhält nur Antworten wie das müssen Sie dann selber klären.“

„Ich wohne nah am RTG, die Straße wird leider nicht von der Stadt sauber gemacht, die Schüler lassen sehr viel Dreck liegen!“

„Die Bürger müssen mehr in die Verantwortung und ernst genommen werden. Mehr Sprechstunden beim Bürgermeister oder deren Vertreter. Es gibt einiges zu verbessern, aber im großen und ganzen passt es.“

„Ich wohne im Gänsewinkel. Eine wirklich tolle Wohngegend, in der ich die Erholung im Grünen mit der Stadtnähe verbinden kann.“

„Der Verkehr ist normal, wenn der Verkehr auf den Autobahnen nicht gestört ist.“

Fakten zur Stadtmitte

Der älteste Bereich der Stadt

  • Schwerte-Mitte umfasst neben der Altstadt auch den Gänsewinkel. Das ist nachweislich das älteste Siedlungsgebiet von Menschen auf dem Grund der Ruhrstadt. Schon in der Mittelsteinzeit gab es dort eine menschliche Siedlung.
  • Aber auch der Rest der Innenstadt ist älter als die Stadtteile.
  • Im Jahr 962 wird Schwerte erstmals von Engelbert, Abt der Abtei Werden als Suerte erwähnt. 1096 taucht erstmals Ergste auf, Wethofen (obwohl vermutlich viel älter) erst 1228.
  • 24.094 Einwohner hat der Bereich Innenstadt. Er umfasst große Teile der ursprünglichen Stadt Schwerte an der Ruhr.
  • Die heutige Stadt Schwerte existiert erst seit 1975.
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