Schwerter Bauern: Mäßige Ernte wegen Wetterchaos

Erntebilanz 2016

Die Ernte ist weitgehend eingebracht - und die Bilanz der Schwerter Landwirte fällt eher ernüchternd aus. Ein verregneter Juni, ein später Sommer, hohe Temperaturen noch im September: Das Wetter machte den Bauern in diesem Jahr das Leben schwer. Doch für die schlechte Bilanz gibt es noch einen weiteren Grund.

SCHWERTE

, 28.09.2016, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weniger Getreide, Probleme mit der Qualität der Kartoffeln – die Ernte 2016 ist weitgehend eingebracht. Die Bilanz der Bauern fällt ernüchternd aus. Denn die mäßige Ernte hierzulande geht mit niedrigen Weltmarktpreisen einher.

Ortslandwirt Bernd Schulte war am Mittwoch schon wieder unterwegs, um auszusäen. Sein Kollege vom Feld nebenan brachte noch die Kartoffeln ein. „Es war ein sehr durchwachsenes Jahr“, fasst Schulte zusammen. Beim Getreide gab es je nach Region leichte bis mäßige Rückgänge. Der verregnete Juni habe sich zudem auf die Qualität ausgewirkt. Als im Juni die ersten Getreidesorten geerntet werden mussten, habe es immer wieder stark geregnet.

Erdklumpen beschädigen Kartoffeln

Das eher gegenteilige Problem bereiten den Landwirten die Kartoffeln. Denn der über Wochen ausgetrocknete Boden ist nur schwer mit Maschinen aufzubrechen. Erdklumpen beschädigen immer wieder die Kartoffeln und hinterlassen Risse und Druckstellen. „Das wirkt sich auf die Qualität aus“, so Schulte.

Dem Mais hingegen tat der späte Sommer gut. Die Pflanze vertrocknete zwar, aber die Körner waren gut zu ernten. Das galt allerdings nur für die hiesige Region. Im Münsterland auf sandigen Böden haben die heißen Augusttage für erhebliche Ernteausfälle gesorgt.

Temperaturen zu hoch

Nicht dramatisch schlecht, aber höchstens durchschnittlich falle die Apfelernte in diesem Jahr aus, schätzt Ingo Küpper. Auf seinem Apfelhof in Rheinermark wird noch mindestens drei Wochen lang geerntet. Erst dann könne man eine wirkliche Bilanz ziehen. Was jetzt schon erkennbar sei: Die hohen Temperaturen im Herbst haben auf vielen Äpfeln dunkle Flecken hinterlassen. „Generell sind sonnige Spätsommer gut für Äpfel“, so Küpper. Temperaturen über 34 Grad seien dann allerdings zu hoch.

Die Marktpreise betreffen den Obstbauern weniger als seine Kollegen, die Getreide oder Kartoffeln anbauen. Denn Küpper vermarktet sein Obst direkt ab Hof. Die Produzenten von Kartoffeln oder Getreide müssen hingegen ihre Preise am Weltmarkt ausrichten. Und gute Ernten in Russland, Amerika und Australien haben die Preise deutlich sinken lassen. So trifft die mäßige Ernte auf niedrige Preise.

Gute Ernten, niedrige Preise

Der Westfälisch Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) schätzt den durchschnittlichen Getreideertrag 2016 in Westfalen-Lippe auf 7,3 Tonnen pro Hektar. Die Ernte liegt damit etwa zehn Prozent unter dem Ergebnis von 2015 und vier Prozent über dem Mittelwert der Jahre 2010 bis 2015. Winterraps rangiert bei 3,3 Tonnen pro Hektar Ackerfläche, was einem Minus von 16 Prozent entspricht.

„Besonders gravierende Rückgänge zeichnen sich bei Körner- und Silomais ab. Gegenüber 2015 wie auch im Vergleich zu den Jahren 2010 bis 2015 werden hier Ertragseinbußen in einer Größenordnung von 17 bis 24 Prozent erwartet“, erklärte WLV-Präsident Johannes Röring anlässlich der jährlichen Erntepressekonferenz. Er äußerte große Bedenken, weil Nordamerika, Russland und der Ukraine bereits im vierten Jahr in Folge sehr gute Ernten verzeichnen und die Erzeugerpreise so niedrig seien.

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