Schwerter baut große Bethlehem-Landschaft auf

Mit vier Krippen

Das Jesuskind hat die Qual der Wahl. Gleich vier Ställe stehen ihm sperrangelweit offen auf der ausgedehnten Weidelandschaft. Jedes Jahr baut Ulrich Stoffel aus Schwerte-Geisecke im Advent die große Bethlehem-Landschaft auf. In unserer Fotostrecke können Sie sich das Ganze mal genauer anschauen.

GEISECKE

, 16.12.2016, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schwerter baut große Bethlehem-Landschaft auf

Jedes Jahr im Advent baut Ulrich Stoffel (65) seine rund 3,50 Meter lange Krippe im Wohnzimmer auf.

 In einem der vier Ställe tummeln sich die Ziegen, in einem anderen rasten die Rinder. Doch das Weihnachtswunder wird sich bei den Schafen abspielen. Dort, wo die Futterkrippe schon einmal mit weichem Heu und Stroh ausgepolstert ist.

„Weihnachten wird sie gegen die Krippe mit Jesus gewechselt“, sagt Ulrich Stoffel. Und greift hinter den Blumentopf auf der Fensterbank, wo das unverzichtbare Stück schon bereit liegt. Der 65-Jährige hat an alles gedacht, als er zum Adventsbeginn wieder seine riesige Szenerie des Heiligen Landes im Wohnzimmer seines Siedlungshauses Zum Kellerbach aufgebaut hat. Die Sideboards an den Wänden wurden abgeräumt, um die rund 3,50 Meter lange Platte der Weihnachtskrippe tragen zu können. Die Enkelkinder hatten schon auf diesen Moment gewartet. „Sie stellen die Figuren immer um, wie sie das möchten.“ Der Spieltrieb bringt Leben in die detailverliebte Darstellung.

Madonna war die Erste

Das ist kein Problem, weil die Heilige Familie, die Hirten und die Tiere nicht aus zerbrechlichem Gips, sondern aus stabilem Lindenholz gefertigt sind. Sie haben eine ganz besondere Geschichte. Denn der verstorbene Nachbar Rudi Schanze hat sie selbst mit dem Messer geschnitzt. Aus Zeitvertreib habe der Mann, der ursprünglich aus den neuen Bundesländern stammte, irgendwann damit angefangen, berichtet Stoffel. Das traf sich gut, nachdem seine Ehefrau Birgit Stoffel (63) im Bayern-Urlaub ihre Leidenschaft für Holzfiguren entdeckt hatte. „Erst haben wir eine Madonna gekauft“, erzählt sie: „Dann ging das peu à peu.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht die Bethlehem-Landschaft von Ulrich Stoffel aus

Alle Jahre wieder im Advent baut Ulrich Stoffel (65) seine rund 3,50 Meter lange Krippe im Wohnzimmer auf. Zuerst ist die Futterkrippe bei Maria und Josef noch leer. Erst am Heiligen Abend wird sie gegen eine andere mit dem Jesuskind ausgetauscht. In unserer Fotostrecke können Sie sich die große Krippe genauer anschauen.
16.12.2016
/
Noch ist die Krippe bei Maria und Josef im Stall leer. Erst am Heiligen Abend wird sie gegen eine andere mit dem Jesuskind ausgetauscht.© Foto: Reinhard Schmitz
Im Advent ist die Krippe bei Maria und Josef im Stall noch leer. Erst am Heiligen Abend wird sie gegen eine andere mit dem Jesuskind ausgetauscht.© Foto: Reinhard Schmitz
Der hartherzige Herbergswirt weist die Heilige Familie ab, die schließlich zum Stall weiterziehen muss.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Frauen am Brunnen erfahren vom Engel die frohe Botschaft.© Foto: Reinhard Schmitz
Der hartherzige Herbergswirt weist die Heilige Familie ab, die schließlich zum Stall weiterziehen muss.© Foto: Reinhard Schmitz
Für die Schafe reserviert ist dieser der insgesamt drei Ställe auf der Weihnachtskrippe von Ulrich Stoffel.© Foto: Reinhard Schmitz
Fein modelliert hat der Schnitzer Rudi Schanze die Figuren der Weihnachtskrippe von Ulrich Stoffel.© Foto: Reinhard Schmitz
In dieser Krippe wird nie das Christkind liegen: Sie gehört zum Ziegenstall, einem weiteren Gebäude der Weihnachtsszenerie bei Ulrich Stoffel.© Foto: Reinhard Schmitz
Der Hütehund der Hirten hat eine Hütte bekommen.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Heiligen Drei Könige haben nicht nur drei Kamele, sondern auch einen Elefanten im Tross.© Foto: Reinhard Schmitz
Die Heiligen Drei Könige reisen mit einem Elefanten an.© Foto: Reinhard Schmitz
Jedes Jahr im Advent baut Ulrich Stoffel (65) seine rund 3,50 Meter lange Krippe im Wohnzimmer auf.© Foto: Reinhard Schmitz
Schlagworte Schwerte, Geisecke

 

Den Anfang machte der Heilige Josef. Weil der eine Körpergröße von 15 Zentimetern hatte, gab er den Maßstab für die anderen Figuren vor. „Aus dem Katalog haben wir die Rohlinge ausgesucht“, sagt Stoffel. Unter den geschickten Händen von Rudi Schanze wurden aus den nur grob vorbearbeiteten Holzstücken ausdrucksstarke Unikate. Auch wenn er für andere Geisecker Familien noch ein halbes Dutzend weiterer Krippen schuf, glich keine der anderen: „Seine letzte hat er für das Evangelische Gemeindehaus am Buschkampweg gemacht.“

„Als Letztes kamen die Heiligen Drei Könige.“

Advent für Advent wuchs die Bethlehem-Landschaft bei Ulrich Stoffel, bis die Krippe vor zehn Jahren komplett war: „Als Letztes kamen die Heiligen Drei Könige.“ Am äußersten Rand pirschen sie, begleitet von drei Kamelen und einem prächtigen Elefanten, schon die Schafweiden heran. Um einen Brunnen scharen sich dort auch bereits Frauen, um der Frohen Botschaft des Engels zu lauschen. Alles ist liebevoll arrangiert. Die Harken, die an der Stallwand lehnen. Die Holzstapel für das Feuer. Die schattenspendenden Palmenbäume. Selbst die Herberge mit dem bösen Wirt, der der hochschwangeren Maria kein Zimmer geben will, fehlt nicht.

Die Hintergrundkulisse bilden kleine, alpenländisch anmutende Holzhäuschen. „Die habe ich selbst dazugekauft“, erklärt Stoffel. Die Dorfkirche dazwischen hat sogar eine Funktion. Ihr eingebautes Geläut gibt am Heiligen Abend den Enkelkindern das Zeichen, dass sie das Wohnzimmer betreten dürfen. „Früher haben wir das mit einem Plattenspieler mit Zeitschaltuhr gemacht“, sagt Stoffel. Dazu wurde ein Fensterflügel aufgerissen, als ob das Christkind nach dem Geschenkebringen gerade wieder davongeflogen sei. Auf der Fensterbank zurück blieben ein paar verlorene Nüsse.

Figuren werden an die Kinder vererbt

Die Weihnachtszeit hat ihre eigenen Bräuche und Rituale. Stoffel selbst ist ohne Krippe aufgewachsen: „Bei uns wurde höchstens mal die Weihnachtsgeschichte vorgelesen.“ Doch seine Familie soll nicht auf die liebgewonnenen Figuren verzichten müssen, die sie jedes Jahr bis zum Dreikönigstag bewundern kann: „Sie werden nicht weiterverkauft, sondern eines Tages an die Kinder vererbt.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt