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Schwerter betreut eine von 240 Regenmessstationen

73-jähriger Wetterfrosch

240 Stationen zur Regenmessung betreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Für eine dieser Stationen ist der Ergster Dieter Hülsmann verantwortlich. Wie seine Arbeit aussieht und warum Regen-Beobachter wie er ein Segen für das Lanuv sind, erfahren Sie hier.

ERGSTE

, 10.10.2015 / Lesedauer: 3 min
Schwerter betreut eine von 240 Regenmessstationen

Jeden Morgen stapft Dieter Hülsmann zu der Regen-Messstation auf seinem Hof Am Hachen.

Abwasserkanäle müssen ausreichend dick gebaut werden, damit sie größere Regengüsse verkraften. Brücken müssen Flüssen bei Hochwasser genug Durchflussbreite lassen. Und auch für die Planung von Deichen braucht man verlässliche Daten darüber, welche Fluten im Falle eines Falles zurückgehalten werden müssen.

Deshalb betreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) ein Netz aus 240 Stationen zur Regenmessung. „Die Dichte reicht aus, um den Hochwassser-Informationsdienst abdecken zu können“, berichtet Fachgebietsleiterin Vera Schimetzek aus Hagen. Als Partner könne man außerdem auf Daten von Wasserwerken verschiedener Städte und auch des Deutschen Wetterdienstes zurückgreifen.

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Wetterfrosch Dieter Hülsmann bei der Arbeit

240 Stationen zur Regenmessung betreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Für eine dieser Stationen ist der Ergster Dieter Hülsmann verantwortlich. So sieht die Arbeit des Regenbeobachters aus.
05.10.2015
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Sorgfältig füllt Dieter Hülsmann das Regenwasser, das sich in dem Blechkännchen gesammelt hat, in sein Messglas um.© Foto: Reinhard Schmitz
In einem Messglas ermittelt Dieter Hülsmann jeden Tag die Regenmenge, die sich in dem kesselartigen Gefäß in den vergangenen 24 Stunden gesammelt hat.© Foto: Reinhard Schmitz
Nach dem Abheben des trichterartigen Deckels kann Dieter Hülsmann das Sammelgefäß aus dem grauen Blechgehäuse heben.© Foto: Reinhard Schmitz
Das Messglas zeigt auf seiner Skala an, wieviel Regen das Sammelgefäß eingefangen hat.© Foto: Reinhard Schmitz
Jeden Morgen stapft Dieter Hülsmann zu der Regen-Messstation auf seinem Hof Am Hachen. © Foto: Reinhard Schmitz
Die Edelstahl-Anlage (l.) ermittelt und meldet zwar automatisch ihre Daten, aber zur Sicherheit wird in dem zweiten Gerät noch einmal per Hand eine Probe genommen.© Foto: Reinhard Schmitz
Schlagworte Schwerte

Eine dieser Stationen betreut Dieter Hülsmann (73) aus Ergste. Seit fast 25 Jahren ist er auf seinem Hof Am Hachen Niederschlags-Beobachter für das Lanuv.

163 Liter Regen prasselten im August auf jeden Quadratmeter Erde herab. Mehr als 16 große Wassereimer voll. Bisher der Nässe-Rekord des Jahres. „Früher war der August der trockenste Monat, jetzt gibt es dann immer viel Niederschlag“, hat Dieter Hülsmann festgestellt. Dafür sei das Frühjahr in den vergangenen Jahren immer trockener geworden. Das kann er mit seinen Aufzeichnungen belegen.

Monatliche Meldung beim Lanuv

Jeden Morgen um 7.30 Uhr stapft Hülsmann mit dem Messglas in der Hand zu der Messanlage neben seinem ziegelroten Bauernhaus aus dem Jahre 1863. „Nur wenn es nicht geregnet hat, muss ich nicht hin“, schränkt er ein. Doch an den meisten Tagen sind Tropfen durch einen Trichter in das Blechkännchen hinabgeronnen, das er einer unscheinbar-grauen Plastikröhre entnimmt. Jetzt waren es 9,1 Liter pro Quadratmeter, wie die Skala auf dem Messglas nach dem Umfüllen untrüglich anzeigt. Also nur noch den Wert in die Papiertabelle eintragen, die einmal im Monat in dem vorgedruckten Kuvert zum Lanuv geschickt wird.

Vollautomatische Datenübermittlung

Eine zweite Messanlage, nur wenige Schritte weiter, hat diese Zahlen bereits automatisch per Datenleitung übermittelt. Sie registriert das zusätzliche Gewicht, das der pro Tag gefallene Regen ins Messgefäß bringt – was der Computer auf die Flüssigkeitsmenge umrechnen kann. Zweimal im Jahr wird diese Station gewartet. Zwischendurch leert Hülsmann den Sammelbehälter, sobald er halbvoll geworden ist.

Die meisten Stationen liefern ihre Werte vollautomatisch zur Sammelstelle nach Hagen. Beobachter wie Dieter Hülsmann sind für Vera Schimetzek deshalb schon fast ein Luxus. Sie böten den unschätzbaren Vorteil, die Computerdaten noch einmal kontrollieren zu können.

Wenn die Technik einmal ausfällt

„Anfang Juli ist der Blitz eingeschlagen“, berichtet der Regen-Beobachter. Da fiel die Automatik tagelang aus. Wie gut, dass es zusätzlich die Anlage gab, die er per Hand bedient. Auch im Winter, wenn statt Tropfen weiße Flocken vom Himmel fallen. Dann wird das Sammelkännchen einfach mit in die warme Bauernstube genommen, bis der Schnee geschmolzen ist.

Per Zufall kam der 73-Jährige an seine Aufgabe. Ein Nachbar hatte die Lanuv-Mitarbeiter zu ihm weitergeschickt, die einen Regen-Beobachter in Schwerte suchten. Damals hatte er nach einem Unfall gerade sein Milchvieh abschaffen müssen. „Da hab ich das gemacht“, berichtet Hülsmann: „Ich hab' da auch Interesse dran.“ So viel, dass er auch im Urlaub nicht nur auf Sehenswürdigkeiten, sondern auch auf die Wolken schaut. Eine Schiffsreise führte ihn ins norwegische Bergen, mit jährlich über 3000 Litern auf den Quadratmeter das Regenloch Europas: „Da kann man Schirme aus Automaten ziehen.“

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