Wenig Einigkeit herrscht derzeit bei den Mitgliedern der Schwerter CDU. © Heiko Mühlbauer
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Schwerter CDU-Mitglieder rechnen im Internet mit Laschet ab und streiten über eigene Spitze

Bei der CDU sind einige mit dem Spitzenpersonal von Laschet bis zu den Spitzen der Ratsfraktion unzufrieden und äußern das öffentlich im Internet. Die Diskussion gefällt nicht allen.

Der Facebook-Post vom CDU-Ratsherren Guntram Nies-von Colson am vergangenen Montag (27.9.) war deutlich vom Frust über die Wahl geprägt: „Vielleicht lernt der CDU Parteivorstand jetzt vielleicht, dass es nicht schaden kann, die Mitglieder einzubinden!“

Die Diskussion darunter, die bis in diese Woche andauerte, zeigt einiges über den Zustand der CDU derzeit: Vom Bund bis auf die lokale Ebene reichen die Kritikpunkte.

Der Westhofener Guntram Nies-von Colson sitzt für die CDU in Rat der Stadt Schwerte.
Der Westhofener Guntram Nies-von Colson sitzt für die CDU in Rat der Stadt Schwerte. © CDU © CDU

E-Mail vom NRW-Generalsekretär

Ausschnitte gefällig? Da schreibt Carsten Böckmann, ebenfalls CDU-Ratsherr: „Guntram, du bist böse! Jetzt wird der NRW-Generalsekretär dich bestimmt auch anschreiben lassen, um dir die Welt/Politik zu erklären.“ Guntram Nies-von Colson: „Wie, hattest du Post von ihm?“ Carsten Böckmann: „Mail – seitdem weiß ich, dass die CDU die Wahl gewinnt und Armin Laschet der richtige Kandidat ist!“ Guntram Nies-von Colson: „Wow, da hat er aber nicht in die richtige Glaskugel geschaut.“

Böckmann hatte sich bereits im Wahlkampf auf Facebook über den Spitzenkandidaten mit den Worten, „wenn das Pferd tot ist, sollte man absteigen“, beschwert.

Ein Auszug aus der Diskussion, die zwar nicht alle Facebooknutzer aber immerhin die 481 Freunde von Guntram Nies-von Colson lesen konnten.
Ein Auszug aus der Diskussion, die zwar nicht alle Facebooknutzer aber immerhin die 481 Freunde von Guntram Nies-von Colson lesen konnten. © Muehlbauer, Heiko © Muehlbauer, Heiko

Nach der Regierungsbildung Zeit für Personalien

Und auch Ratsmitglied Volker Borchert meldete sich zu Wort: „Vielleicht ist es nach der Regierungsbildung auch an der Zeit, über ein paar Personalien im CDU-Vorstand nachzudenken. Teile der Mitglieder des Vorstandes haben seit Jahren kein Gehör mehr an der Basis, fühlen sich als allwissende Führungselite und bevormunden und unterschätzen die Basispolitik.“

Das unterstützt Ratsherr Nies-von Colson auch. „Ich habe natürlich nur mit einigen CDU-Mitglieder gesprochen, aber die meisten sind der Meinung, dass man mehr auf die Mitglieder hören müsste.“ Er fordere ja nicht gleich eine Urwahl des Vorsitzenden.

Ex-Bürgermeister regt örtliche Personaldiskussion an

Was ihn an der Diskussion ärgert, ist eine Wendung, die durch den ehemaligen CDU-Bürgermeister Jürgen Paul ins Rennen geworfen wurde. Denn der forderte; „Wir sollten in Schwerte anfangen.“

Darunter entspann sich eine kurze Diskussion über Fraktionschef Marco Kordt und Bürgermeisterin Bianca Dausend. Letztere ist pikanterweise Jürgen Pauls Nachfolgerin im Amt.

„Wir müssen wieder lernen zu streiten“

Das fanden auch einige CDU-Mitglieder geschmacklos: „Hier haben es wohl einige noch nicht gelernt. Solche Diskussionen führt man nicht in der Öffentlichkeit und vor allen Dingen nicht von CDU-Funktionsträgern.“

Einig sind sich die Christdemokraten aber auch, dass die Partei wieder lernen müsse, ehrlich zu streiten. Argumente wie „Jetzt ist der falsche Zeitpunkt“, „hier ist der falsche Ort“, „wir müssen Geschlossenheit demonstrieren“, „die Basis entscheidet falsch“ oder „dann musst du aus der Partei austreten“, möchte zumindest Carsten Böckmann nicht mehr hören.

Der Post ist allerdings nicht völlig öffentlich. Nur Facebook-Freunde von Guntram Nies-von Colson konnten ihn sehen. Das sind allerdings 485 derzeit.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer