Schwerter Gymnasien lehnen Dortmunder Schüler ab

Keine Kapazitäten

Noch Anfang des Monats hatten die Leiter der beiden Schwerter Gymnasien gegenüber unserer Zeitung erklärt, Dortmunder Schüler hätten auch weiter realistische Chancen auf einen Schulplatz in Schwerte. Die Anmeldezahlen sprechen nun aber eine andere Sprache.

SCHWERTE

, 24.02.2017, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Offenbar wurden so viele Schwerter Schüler an den Gymnasien angemeldet, dass kaum noch Dortmunder Schüler aufgenommen werden können.

Die offiziellen Anmeldezahlen werden erst am Montag bekannt gegeben, dann werden auch Absagen verschickt. Die Schulleiter haben aber schon zahlreiche Telefongespräche mit Eltern aus Holzen, Lichtendorf und vom Sommerberg geführt, wie Heiko Klanke, Leiter des Friedrich-Bährens-Gymnasiums, gestern bestätigte.

„Die Anmeldesituation ist wirklich problematisch. Das war so für uns nicht zu erwarten“, meinte Klanke gestern. „Wir bemühen uns als Schule, das möglichste zum Wohle der Kinder zu tun. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung.“ Für die Familien tue ihm die Situation sehr leid.

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Eltern sind sauer auf die Politik

Aus Elternkreisen heißt es, rund 40 Dortmunder Schüler hätten die mündliche Absage erhalten. Kurz vor Ablauf der Anmeldefristen stehen etliche Familien vor einer unsicheren Situation – und sind sauer auf die Politik.

„Wir sind hier im Niemandsland und werden um unser Recht auf freie Schulwahl gebracht“, sagt Carola Schäfer aus Holzen, Mutter eines abgelehnten Kindes.

Das Problem hat eine Vorgeschichte: Im Sommer 2016 hatten die Kommunen Dortmund und Schwerte die Verhandlungen über eine Schulvereinbarung abgebrochen.

Eine solche hätte den Schüler-Transfer verbindlich geregelt. Dortmund hatte die Vereinbarung daran knüpfen wollen, dass auch Dortmunder Schüler an den Schwerter Gesamtschulen aufgenommen werden, das wiederum wollten die Schwerter Politiker nicht.

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Bei einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung von Eltern am Donnerstagabend in Holzen war die Stimmung äußert angespannt. Der anwesende Dortmunder SPD-Landtagsabgeordnete Guntram Schneider und Landtagskandidatin Anja Butschkau konnten die Wut kaum mildern.

Schneider sagte zu, noch einmal den Kontakt zur Bezirksregierung Arnsberg zu suchen. Diese könnte letztlich über die Verteilung der Schüler entscheiden. Eine andere Lösungsmöglichkeit wäre, dass sich Dortmund und Schwerte kurzfristig doch noch auf eine Schulvereinbarung einigen.

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Betroffene Familien wie die Schäfers müssen nach Alternativen suchen, etwa den Hörder Gymnasien. „Zwei Kinder sind schon auf dem Friedrich-Bährens-Gymnasium. Schwerte ist eher unser Bezugsort als Dortmund“, sagt Carola Schäfer. Viele Fragen sind noch offen, wenn am Montag die Verwaltung und die Schulen ihren Wochenbetrieb aufnehmen.

Im laufenden Schuljahr besuchen 385 Dortmunder Schüler Schwerter Schulen, 64 Schwerter werden in Dortmund unterrichtet.

 

Unser Redakteur Felix Guth kommentiert das Thema:

Sehenden Auges vor die Wand gefahren

Sehenden Auges vor die Wand gefahren: So ist das zu bezeichnen, was gerade in Holzen passiert. Als die Verhandlungen über eine Schulvereinbarung abgebrochen wurden, war klar, was kommen kann.

Die Verwaltungen beider Städte nahmen es offenbar in Kauf, Familien bei einer so weit reichenden Entscheidung wie der Wahl der weiterführenden Schule im Regen stehen zu lassen.

Dass die Eltern doch um die möglichen Probleme wussten, ist richtig, aber kein zulässiges Argument. Denn erstens hat man ihnen oft Hoffnung gemacht, dass sich die Dinge schon irgendwie regeln würden.

Und zweitens gibt es keinen Grund auf das Recht auf freie Schulwahl zu verzichten, nur weil man zufällig in einem Stadtteil wohnt, den sich zwei Städte auf eine reichlich unorganisierte Art teilen.

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