Schwerter Hausarztpraxis schließt, es gibt aber einen Nachfolger

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Für einige Patienten war es eine Überraschung: Eine alteingesessene Hausarztpraxis in Schwerte schließt Ende des Monats. Doch eine andere Praxis steigt ein.

Schwerte

, 04.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gilt Schwerte als überversorgt mit Hausärzten. Das kann dann zu Problemen führen, wenn eine Praxis schließt und sich kein Nachfolger findet. Denn der sogenannte Kassenarztsitz würde eingezogen und die Schwerter hätten einen Arzt weniger.

So wäre es beinahe der Praxis von Dr. Susanne Woort und Dr. Dietmar Hüwel gegangen. Ihre Praxis an der Poststraße schließt zum Ende des Monats. Die Zahl der Bewerber für die Nachfolge war überschaubar.

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Doch seit kurzem ist die Nachfolge auch formell geregelt. Dr. Ingo Barth übernimmt die Praxis und auch die beiden Ärzte. Die wollen und sollen weiterhin arbeiten, dann aber in Barths Praxis an der Schützenstraße. Denn die Praxisräume an der Poststraße werden zum 1. Oktober geschlossen.

Praxis gehörte zuletzt dem Konzern Helios

Die Praxis an der Poststraße gehörte zuletzt dem Konzern Helios-Kliniken. der neben seinen Krankenhäusern auch über 120 Medizinische Versorgungszentren besitzt. Hüwel und Woort hatten bereits vor Jahren ihre Praxis an eine Kollegin verkauft und waren auch jetzt schon als angestellte Ärzte dort tätig. Die Kollegin, eine ehemalige Schwerterin, die jetzt in Berlin als Allgemeinärztin tätig ist, hatte ein Medizinisches Versorgungszentrum mit Standorten in Berlin und Schwerte gegründet, um hier in Kooperation mit dem Marienkrankenhaus Adipositas-Patienten auf bariatrische Operationen (Magen-Bypass) vorzubereiten. Als sie später ihre Berliner Praxis an die Großfirma Helios verkaufte, ging der Standort Schwerte quasi als Anhängsel mit an den Medizin-Konzern. Der hatte die Praxis jetzt zum Verkauf angeboten. Den Zuschlag erhielt Dr. Ingo Barth.

Praxis bleibt in hausärztlicher Hand

„Dieser Schritt ist in meinen Augen segensreich, da wir somit einen Vertragsarztsitz weiterhin in hausärztlicher Hand halten“, sagt Barth. Denn auch er befürchtet: „Im Falle einer Nichtübernahme der Praxis wäre der Sitz an die KV Westfalen-Lippe zurückgegangen und eingezogen worden.“

Mit der Übernahme der Praxis gehen übrigens auch die mittlerweile elektronisch gespeicherten Krankenakten der alten Praxis an Barth über. Patienten, die nicht mit in die neue Praxis wechseln wollen, können sich ihre Krankenakte ausdrucken lassen und abholen. Die beide Kollegen aus der alten Praxis werden auf jeweils einem halben Arztsitz angestellt und stundenweise begrenzt weiterarbeiten. Wobei Dr. Dietmar Hüwel keinen Hehl daraus macht, dass er nach 47 Jahren als Arzt in Schwerte nur noch für eine Übergangszeit zur Verfügung steht.

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„Insbesondere freue ich mich darüber, dass Frau Dr. Woort ihre Hausbesuchspatienten in den Pflegeheimen weiterbetreuen wird“, so Barth.

Wie die Patienten genau über den Wechsel benachrichtigt werden, ist noch nicht geklärt. „Wir werden vermutlich einen Aushang machen und dann wenn es soweit ist den Anrufbeantworter besprechen“, so Barth.

Praxisräume sollen ausgebaut werden

Fest steht hingegen, dass es zumindest in den ersten Monaten in der Praxis an der Schützenstraße relativ eng werden wird. Denn schließlich sind dort, wenn auch nur stundenweise, zwei weitere Ärzte im Einsatz. Das Haus, das nach wie vor dem ehemaligen Hausarzt Dr. Gerhard Schröder gehört, wird bald ausgebaut, damit die Praxis auch den neuen Ansprüchen genügt.

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