Schwerter Kaufhaus hat neue Besitzer

C&A-Gebäude

Drei Schwerter und ein Dortmunder haben das C&A-Gebäude erworben, das jahrzehntelang einem Immobilienfonds gehörte. Damit beginnt ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte des Geschäftshauses. Ein Rückblick.

Schwerte

, 20.10.2015, 18:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Drei Schwerter und ein Dortmunder haben das markante Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Hüsingstraße/Nordwall erworben, in dem die C&A-Filiale untergebracht ist.

Drei Schwerter und ein Dortmunder haben das markante Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Hüsingstraße/Nordwall erworben, in dem die C&A-Filiale untergebracht ist.

„Es bleibt alles so, wie es ist“, erklärte einer der jetzigen Schwerter Investoren, deren Namen er im Hintergrund lassen möchte. Mehr wollte auch der Vorbesitzer, die Verwaltung des IC Fonds & Co. Geschäftshaus Schwerte KG, nicht verraten. Sie bestätigte nur: „Es ist verkauft.“

Schon Anfang 2012 hatte die Münchener Firma IC Fonds das Gebäude, das man 1990 übernommen hatte, über einen Makler im Internet angeboten (wir berichteten). 4,3 Millionen Euro wurden damals für 3900 Quadratmeter vermietbare Fläche auf fünf Etagen verlangt – darunter 16 Wohnungen. Die jährlichen Mieteinnahmen wurden auf knapp 300.000 Euro beziffert.

Mit dem Verkauf wird ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte des markanten Geschäftshauses aufgeschlagen, das seit mehr als 100 Jahren den oberen Eingang der heutigen Fußgängerzone Hüsingstraße prägt. „Erbaut 1912“ verriet eine Sandsteintafel, die bei der jüngsten Renovierung vor einigen Jahren hinter einer alten Blechverkleidung zum Vorschein kam.

Erste Rolltreppe der Stadt

Die mit ihren Namen eingemeißelten Architekten Hugo Heinemann und Friedrich Wilhelm Homel aus Dortmund errichteten den Konsumtempel für die Küster KG, die der Textilvertreter Josef Küster drei Jahre zuvor gegründet hatte. Ursprünglich hatte auf dem Grundstück die Vorgängerin der Marienkirche gestanden, die wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Außerdem war das Gotteshaus für die wachsende Gemeinde zu klein geworden.

Statt der Glocken sollten an dem Platz an der Ecke zum Nordwall künftig die Kassen klingeln. Schließlich so laut, dass Küster 1969 sein historisches Kaufhaus um einen zweigeschossigen Anbau erweitern ließ. Dadurch wuchs die Verkaufsfläche von 800 auf 2000 Quadratmeter.

Verbunden durch die seinerzeit erste Rolltreppe der Stadt gelangte man ins Obergeschoss mit dem Café-Restaurant. Gleichzeitig wurde die Erdgeschoss-Front zur Hüsingstraße um fünf Meter zurücksetzt, um den arkadenartigen Durchgang zu schaffen.

Anbau mit stabiler Statik

Die Statik des Anbaus – so hieß es – wurde so stabil ausgelegt, dass man später ein Parkdeck auf dem Flachdach einrichten könne. Doch aus diesen hochfliegenden Plänen wurde nichts. Ende 1978 gab Küster, das einmal über zwölf Filialen bis nach Bochum und Neuwied und ein Zentrallager Am Dohrbaum (heute Kaufland) verfügte, seinen Schwerter Stammsitz auf. Im Zuge eines neuen Konzepts der schwächelnden Kette sollte das Objekt veräußert werden.

Die Werbewürfel der Kaufhalle leuchteten am 16. Mai 1979 an der Fassade auf, als die Kaufhof-Tochter die Geschäftsräume übernahm. Legendär war der neue Bratwurststand am Fuß der Rolltreppe, direkt neben den Ständern mit Textilien. Von vielen Schwertern bedauert wurde drei Jahre später die Schließung der Lebensmittel-Abteilung, um mehr Platz für das übrige Sortiment zu erhalten. Es umfasste schließlich 22.000 verschiedene Artikel aus über 40 Ländern der Erde.

Trotzdem sah sich die Kaufhallen-Kette angesichts einer einer anhaltenden Ertragsflaute Ende der 90er-Jahre als zu klein, um allein im Wettbewerb zu bestehen. Mit bundesweit weiteren 158 Läden wurde das Schwerter Geschäft zunächst in die Kaufhof AG eingegliedert. Im August 2000 übernahm dann der italienische Handelsriese Grupo Coin (Venedig) die Kaufhalle-Kette. Und versprach auch der Ruhrstadt ein Aufhübschen unter dem neuen Namen „Oviesse“. Sogar Designerkleider sollten ins Sortiment im Italo-Design kommen.

Einziges Kaufhaus verloren

Viel änderte sich jedoch nicht, bis Ende Januar 2004 immer noch unter dem Namen „Kaufhalle“ die Lichter an der Hüsingstraße ausgingen. Schwerte verlor sein damals einziges Kaufhaus, denn auch das City-Centrum stand nach dem Ende von Coop Dortmund leer.

Aber in das „Küster-Haus“ mit seiner zentralen Lage kehrte bald wieder Leben ein. Von 2004 bis 2007 gab das Textilhaus Dieler dort ein kurzes Intermezzo. Ein Jahr später ging für viele Schwerter ein Wunsch in Erfüllung, als C&A einzog. Der Bekleidungsriese übernahm aber nur das Erdgeschoss. Die Rolltreppe wurde arbeitslos und verschwand.

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