Schwerter Krippenweg: Diese Figuren stammen aus der JVA in Ergste

rnFiguren von Inhaftierten

Die Figuren dürfen raus – diejenigen, die sie gestaltet haben, aber nicht. Inhaftierte der JVA aus Ergste beteiligen sich am Krippenweg in Schwerte. Mit einer eindeutigen Botschaft.

Schwerte

, 07.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Meine Eltern wollen nach Schwerte kommen und sich die Engel ansehen, bevor sie mich besuchen“, sagt einer. „Bei mir ist das auch so“, sagt ein zweiter. „Von uns ist leider keiner Freigänger“, erklärt der dritte.

Es ist ein kalter Novembertag, der sich schon nach Winter anfühlt. Sieben Insassen der JVA in Schwerte-Ergste haben gerade ihren dritten Workshop-Tag hinter sich. Für jeweils zwei Stunden durften sie in die Werkstatt der Justizvollzugsanstalt.

Unter Anleitung von Künstlerin Elisabeth Stark-Reding und des Designers Christoph Prausnitz kreieren sie gerade ihren Beitrag zum Schwerter Krippenweg, der vom 1. Adventswochenende bis zum 5. Januar 2020 in der Altstadt zu sehen ist.

Wieder beteiligen sich Stark-Reding und Prausnitz mit einer Gruppe von JVA-Inhaftierten. Wieder ist es eine kritische Arbeit. Eine, die sich auseinandersetzt mit der aktuellen Lage im Land. Vier etwa zwei Meter große Figuren sind entstanden: Maschendrahtgeflechte, ausstaffiert mit Chinagras und Stroh.

Schwerter Krippenweg: Diese Figuren stammen aus der JVA in Ergste

Insassen der JVA Schwerte fertigten diese Figuren an, die Teil des Schwerter Krippenwegs geworden sind. © Björn Althoff

Vier Worte als „Grundlage für Frieden“

Dazu gehören vier Schilder, die den Figuren umgehangen werden: „Toleranz“, „Respekt“, „Weltoffenheit“ und „Menschenwürde“. Gesamttitel des Werks: „Den Frieden nicht mit Füßen treten“.

Das seien „Attribute als Grundlage für Frieden“, finden die Verantwortlichen. Es gehe doch darum „Andersartigkeit positiv zu erfahren“, darum „Menschen unterschiedlicher Kultur, Religionen und Hautfarbe kennenzulernen, damit das Fremde nicht mehr fremd bleibt“.

Respekt, Toleranz und Weltoffenheit – darum geht es außerhalb wie innerhalb der JVA. Das beweisen allein die Namen der Beteiligten. Yalcin und Alexej gehören zu Gruppe, die 2019 mitmachen darf. Ebenso wie Daniel, Dennis, Christian, Michael und Mason. Viele weitere Insassen hätten sich beworben, sich hier ehrenamtlich und völlig unentgeldlich und ohne jegliche Gegenleistung einzubringen. Doch größer dürfte die Gruppe eben nicht sein, so die Verantwortlichen.

Schwerter Krippenweg: Diese Figuren stammen aus der JVA in Ergste

Elisabeth Stark-Reding bei der Eröffnung des Krippenwegs am vergangenen Wochenende. © Bernd Paulitschke

Menschenwürde – in der JVA ein enorm großes Thema

Und die Menschenwürde? Sie ist hinter den hohen JVA-Mauern ein fast noch größeres Thema. „Wir wollen zeigen, dass wir auch etwas Gutes tun können“, unterstreicht Dennis: „Wir wollen auch etwas für das Image tun.“

Und ohne dass irgendjemand den Namen oder den Fall konkret anspricht, landet man doch wieder beim Fall Michael S., beim verurteilten und nach 28 Jahren freigelassenen Mörder, der nach kurzer Zeit in Freiheit wieder eine Frau umbrachte.

Die Workshop-Teilnehmer wissen, dass so etwas auf alle Insassen einer JVA zurückfällt. Da draußen gebe es doch viele, die sich durch Fälle wie den zuletzt bestärkt fühlten in ihren Vorurteilen. Dabei wolle man doch beweisen, dass man eine zweite Chance verdient habe, dass es von nun an besser laufen werde.

Ein Ende der Haft ist für allerdings für keinen der Teilnehmer in Sichtweite. So bleiben den Sieben nur die Fotos, die Stark-Reding verspricht zu machen und zu zeigen. Und vielleicht die Eindrücke, die Eltern, andere Verwandte oder Freunde mitbringen beim nächsten Besuch in der JVA.

Infos

Krippenweg bis 5. Januar – Führungen sonntags

Seit 1. Dezember 2019 und bis 5. Januar 2020 stellen Vereine, Schulen, Kindergärten und Schwerter Bürger ihre Werke in der Altstadt aus. Die Krippen stehen in Gärten und Fenstern der Anwohner, aber auch zugänglich an Straßenrändern und zwischen Bäumen. Der Rundweg startet und endet an der St.-Viktor-Kirche und ist gekennzeichnet durch einen gelben Stern. An den Sonntagen ab 8. Dezember gibt es jeweils ab 16 Uhr kostenlose Führungen, die man ohne vorherige Anmeldung besuchen kann. Spenden sind trotzdem erwünscht und gehen an die Elterninitiative herzkranker Kinder Dortmund/Kreis Unna. Den Abschluss der Krippengeschichten gibt es am 5. Januar um 16 Uhr an der Schwerter Mühle inklusive Umtrunk am Glühweinstand.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt