Schwerter nutzen zu selten die Notfallpraxis

Statt Krankenhaus

Die Notfallambulanzen in Krankenhäusern können den Andrang immer weniger bewältigen. Zur Entlastung bieten auch hausärztliche Notfallpraxen eine ambulante Versorgung von Patienten mit kleineren Erkrankungen an. Doch an der Bethunestraße in Schwerte bleibt das Wartezimmer oft leer - weil viele das Angebot schlicht nicht kennen.

SCHWERTE

von Alexander Greif

, 31.03.2017, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Notfalldienst in Schwerte wird zu wenig genutzt. Viele Notfallpatienten gehen direkt zur Ambulanz ins Marienkrankenhaus obwohl das nicht nötig wäre.

Der Notfalldienst in Schwerte wird zu wenig genutzt. Viele Notfallpatienten gehen direkt zur Ambulanz ins Marienkrankenhaus obwohl das nicht nötig wäre.

Eine hitzige Debatte wird derzeit geführt über die Auslastung der hausärztlichen Notfallpraxen, die außerhalb der normalen Sprechzeiten für eine Versorgung von Patienten mit leichten Erkrankungen sorgen sollen. Sie sollen auch Notfallambulanzen in Krankenhäusern entlasten, die durch eine Flut von Patienten chronisch überlastet sind.

In Schwerte befindet sich diese Praxis etwa zehn Meter entfernt vom Eingang der Notfallambulanz im Marienkrankenhaus an der Bethunestraße. Und der Blick ins Wartezimmer verrät, weshalb sich um dieses Angebot eine Debatte entflochten hat: Es ist zu oft leer.

„Die Bürger wissen zu wenig über den hausärztlichen Notdienst“, sagt Dr. Thomas Fisseler, niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin in Schwerte und einer der Ärzte, die hier mithelfen.

Unwissenheit und Bequemlichkeit

Fissler beklagt, dass es in der Bevölkerung noch immer zu wenig Kenntnis über die dort von niedergelassenen Ärzten angebotenen Leistungen herrscht. „Bei vielen Leuten ist es aber auch einfach Bequemlichkeit“, die sie immer wieder mit Bagatellerkrankungen in die Ambulanzen der Krankenhäuser treibe.

Jens Flintrop, Pressesprecher des Kassenärztlichen Verbandes Westfalen-Lippe (KVWL), der den ärztlichen Bereitschaftsdienst betreibt, zeichnet ein ähnliches Bild. „Aktuell suchen viele Patienten auch während der Praxisöffnungszeiten die Krankenhausambulanzen auf. Woran das liegt? An Bequemlichkeit, kein Warten auf einen Termin (bei einem Spezialisten, Anm. d. Red.)“, und die Hoffnung auf eine schnellere Behandlung ohne viele Wege zu verschiedenen Ärzten.

Patientenzahlen der Notfallpraxen in Schwerte gehen zurück

Die Zahlen, die der KVWL für die Notfallpraxis in Schwerte erhoben hat, stützen diese Beobachtung: Von 2014 bis 2016 sind die Patientenzahlen von 6454 auf 4893 Behandelte zurückgegangen. Im gesamten Gebiet des KVWL, in dem sich insgesamt 63 Bereitschaftspraxen finden, zeigt der Trend allerdings eine immer stärkere Nutzung - von 700.000 auf 791.400 im selben Zeitraum.

„Die Bürger fühlen sich im Krankenhaus besser versorgt“, glaubt Dr. Fisseler, „doch im Gegensatz zu niedergelassenen Ärzten, können sie dort nicht einmal ein Rezept ausstellen.“ Genau wie Jens Flintrop, appelliert er an die Bürger, den hausärztlichen Notdienst stärker wahrzunehmen. Flintrop: „Wer mit Bagatellerkrankungen die Krankenhausambulanz aufsucht, raubt den dortigen Ärzten Zeit, die dann eventuell für die Versorgung lebensbedrohlich erkrankter Patienten fehlt.“

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