Nach dem Abriss von Rathaus II kamen die Tankstelle und die Waschstraße. Jetzt soll Burger King und eine Autowerkstatt hinzukommen. Matthias Buckesfeld und seine Nachbarn kämpfen dagegen.

Schwerte

, 17.04.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Blick aus dem Haus von Matthias Buckesfeld ist sicherlich kein romantisches Panorama. Vor dem Haus brausen die Autos auf der Schützenstraße vorbei, links die Jet-Tankstelle, rechts die Waschstraße. In der Mitte ist derzeit eine große Brachfläche. Hier stand einst das Rathaus II. Künftig könnten hier ein Burger King, eine Autowerkstatt und ein Bürogebäude entstehen.

Das möchte nämlich ein Investor dort bauen. Und die Stadtverwaltung hat einen Bebauungsplan für das Areal erarbeitet, der derzeit im Rathaus ausliegt.

Vor Ort regt sich Widerstand

Doch vor Ort regt sich Widerstand. Matthias Buckesfeld steht gemeinsam mit Nachbarn vor dem Haus. „Wir waren schon damals überrascht, als hier die Tankstelle und die Waschstraße plötzlich gebaut wurden“, erzählt er. Damals hatte die Stadt die Bauanträge der beiden Betriebe genehmigt, ohne einen Bebauungsplan aufzustellen.

Als es Beschwerden der Nachbarn gab, entschloss man sich einen Bebauungsplan aufzustellen. Um Ärger im Vorfeld aus dem Weg zu gehen, sollte es ein Plan der Stadt werden und nicht ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan, den der Investor bereits vorgelegt hatte.

Dass die Ideen der Stadt sich kaum von denen des Investors unterscheiden, ärgert die Anwohner. „Das ist alles auf eine Systemgastronomie ausgerichtet“, beschwert sich Buckesfeld.

Bebauungsplan für einen Burger-King

Auch wenn der Name der Fastfood-Kette in den städtischen Unterlagen nicht auftaucht, ist er präsent im Plan. Bei der Berechnung des zusätzlichen Verkehrs zum Beispiel, wir der auf Basis der Kunden eines Burger Bräters berechnet. Da der Investor aber bestätigt hatte, dass Burger King sein Interessent für die geplante Immobilie sei, schwebt der Namen des amerikanischen Unternehmens immer noch im Raum.

Also ein Bebauungsplan für einen Burger King. Mit dem - so befürchten die Nachbarn - käme nicht nur noch mehr Verkehr auf sie zu, sondern vor allem zu anderen Zeiten. Bislang sei es zumindest abends und nachts halbwegs ruhig, sagt eine Anwohnerin. Rund 1200 Fahrzeuge mehr würden die Straße nutzen, wenn die Fast-Food-Kette, die Autowerkstatt und vor allem Ärzte dort angesiedelt würden, rechnet das Gutachten der Stadt vor.

Angesichts von 17.000 bis 22.000 Autos, die bereits jetzt hier täglich vorbeifahren, sei das vertretbar, argumentiert man. Da ein Burger-King aber auch nachts geöffnet hat, würde das den Verkehrslärm noch einmal deutlich verschlimmern.

„Schon jetzt sorgen die Zufahrten zur Tankstelle und Waschstraße immer wieder für Hupkonzerte. „Dauernd biegen da Autofahrer falsch ein, warten auf der Straße und die anderen hupen“, sagt Hans-Rüdiger Lemken. Er wohnt an der Grünstraße 1, also direkt gegenüber der neuen Tankstelle. „Ich verstehe nicht, wie eine Stadt heutzutage noch derart autofixiert planen kann“, so Buckesfeld.

Nachbarn sammeln Unterschriften

Vorerst wollen die Nachbarn Unterschriftenlisten gegen die Planung bei den benachbarten Einzelhändlern auslegen. Bei der Bäckerei Aßhof liegen sie bereits aus, mit den anderen Geschäften und Praxen sei man im Gespräch.

„Wenn die Stadt den Bebauungsplan beschließt, bin ich optimistisch, dass man da mit einem Normenkontrollverfahren vor Gericht gegen vorgehen kann“, so Nachbar Buckesfeld. Am meisten ärgert die Nachbarn aber die mangelnde Rücksichtnahme auf die Anwohner. Da gebe es ein Gutachten zum Verbleib des Kuckucks, der hier ansässig ist, aber über die Nachbarn mache sich niemand Gedanken.

Stadtsprecher Ingo Rous bestätigte am Mittwoch, dass der Bebauungsplan noch bis zum 30. April im Rathaus in der Abteilung Stadtplanung ausliege. Auch im Internet sind die Pläne einzusehen.

Vor 12 Jahren gab die Stadt Rathaus II auf

Es ist mittlerweile schon fast 12 Jahre her, dass die Stadt Rathaus II aufgab. Lange hatte man Probleme, das Gebäude zu verkaufen. Als sich dann doch ein Investor fand, der hier einen neuen Lidl-Markt errichte wollte, war man froh. Leider hatte man aber zuvor zwei unbebaute Randgrundstücke an zwei Schwerter Investoren verkauft.

Und die verkauften nicht wie gedacht an den neuen Investor, sondern bauten Tankstelle und Waschstraße auf ihren Grundstücken. Damit reichte das Gelände nicht mehr aus, um einen Discounter dort unterzubringen. Der Investor gab auf und verkaufte an einen Dritten weiter. Der will hier nach eigenem Bekunden einen Burger King, eine Autowerkstatt und ein Büro- und Praxengebäude bauen. Allerdings war sein Interesse an dem Grundstück nicht nur auf das neue Invest ausgerichtet, denn er ist auch Besitzer der Lidl-Immobilie am westlichen Ende der Schützenstraße.

Frühzeitige Bürgerbeteiligung

Doch auch der Investor ist unzufrieden. Im Dezember hatte er sich beschwert, dass man ihm versprochen hatte, der Bebauungsplan sei bis Ende 2018 aufgestellt.

Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, wie das Auslegen der Pläne im Amtsdeutsch heißt, ist noch ein relativ früher Schritt im Verfahren. Nachbarn und andere Betroffene können noch bis zum 30. April ihre Bedenken gegen den Plan schriftlich oder auch im Rathaus mündlich (zu Protokoll) vortragen. Die Bedenken müssen dann von der Stadt bewertet und vom Rat behandelt werden. Vor Anfang 2020 könnte kaum Baurecht entstehen.

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