Schwerter Unternehmen legt Filmklassiker neu auf

Action-Hits der 70er-Jahre

Der deutsche Film bot früher mehr als Komödien mit Til Schweiger und Michael Bully Herbig. In den 70er- und 80er-Jahren entstand eine Vielzahl von international beachteten Kino-Produktionen, die fast in Vergessenheit geraten sind. Die Schwerter Firma Subkultur Entertainment bringt diese Filme wieder zurück in die Wohnzimmer.

WESTHOFEN

, 14.08.2017, 06:08 Uhr / Lesedauer: 3 min
Schwerter Unternehmen legt Filmklassiker neu auf

Subkultur-Entertainment aus Schwerte bringt Deutsche Filmklassiker weltweit auf den Markt.

Völlig unauffällig, in idyllischer Wohnlange am Rande Westhofens verborgen, hat Subkultur Entertainment sein Büro. Die Firma des Schwerters Tino Zimmermann produziert nun nicht gerade das, was man auf Anhieb mit heimischer Industrie verbinden würde. Zimmermann und fünf Mitarbeiter, die ihm hauptsächlich von Berlin und anderen deutschen Städten aus zuarbeiten, sind die Macher hinter einem Film-Label.

Als solches hat man sich nicht etwa das Filmen von neuem Kintopp auf die Fahnen geschrieben. Tino Zimmermann und sein Team verpassen nämlich längst vergessenen Filmen der Vergangenheit hochwertige DVD- und Blu-Ray-Veröffentlichungen, die die internationalen Fan-Herzen höher schlagen lassen.

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Und dafür betreiben Subkultur auch schon mal einen Aufwand, der so enorm ausfallen kann, dass eine Produktion gut und gerne mal mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. „Denn bis der Film auf den digitalen Datenträger gepresst wird und dann in den weltweiten Vertrieb wandert, ist Einiges zu tun“, wie Tino Zimmermann erklärt. Am Anfang jeder Produktion steht die Suche nach einem Filmtitel, der ins Programm passt und der bisher noch keine oder nur eine wenig ansehnliche Auswertung auf aktuellen Medienträgern vorweisen kann.

Aufwändige Recherche

Was dann folgt, ist die manchmal recht aufwändige Suche nach den Rechteinhabern des Titels. „Gerade bei Filmen, die über 30 Jahre alt sind, sind die aktuellen Rechteinhaber nur schwer ausfindig zu machen“, sagt Zimmermann. So kann es sein, dass die Rechte bei den damaligen Produzenten lagen, heute dann bei deren Erben. Läuft's optimal, so findet Subkultur sie und handelt mit ihnen eine Lizenzsumme aus.

Mit etwas Glück haben die Vertragspartner sogar noch die Kisten mit den Filmnegativen im Keller stehen, andernfalls sucht die Crew von Subkultur Entertainment weiter nach dem Negativ-Material, das für eine digitale Abtastung und die Restauration des Films unabdinglich ist. „Dieser Schritt ist arbeits-, zeit- und kostenintensiv und wird von einer externen Firma übernommen“, sagt der Chef.

Während Analoges digitalisiert wird, laufen dann längst schon die Arbeiten an der Ausstattung des späteren Produkts. Das heißt, dass Extras wie Interviews und Dokumentationen zum Film produziert werden. Idealerweise sollten dabei auch Mitglieder der früheren Filmcrew zu Wort kommen, weshalb manchmal auch die Suche nach den potenziellen Gesprächspartnern intensiver Recherchen und guter Kontakte in die Filmszene bedarf. 

Bonus-Material und üppige Begleithefte

Ist das Bonus-Material zusammengestellt, gedreht und geschnitten, wird das spätere Verpackungsdesign vom Grafiker erstellt, werden Audiokommentare zum Film aufgenommen und Untertitel erstellt. Zudem erstellen freie Mitarbeiter, die sich aus Filmkennern, -kritikern und Wissenschaftlern und Journalisten rekrutieren, Texte für üppige und informative Begleithefte, die den Filmen beigelegt werden.

Sind Film und Extras zusammengestellt, werden pro Titel bis zu 1500 Exemplare in einem externen Presswerk gefertigt, verpackt und dem Vertrieb übergeben. 75 eigene Titel hat Subkultur Entertainment in den vergangenen neun Jahren auf den Markt gebracht. Darunter bisher auch acht Titel der hauseigenen „Edition Deutsche Vita“, in der seltene deutsche Filmperlen vertreten sind, die in dieser Art und Weise bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Zu den Hits dieser Reihe gehören der 1970 entstandene Roger-Fritz-Film „Mädchen mit Gewalt“ mit Klaus Löwitsch in der Hauptrolle und Rolf Olsens Action-Thriller „Blutiger Freitag“, in dem Raimund Harmstorf den brutalen Bankräuber Heinz Klett mimt.

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Arbeit an neuem Film läuft

Aktuell laufen beim Schwerter Label die Arbeiten am Film „Die Brut des Bösen“ auf Hochtouren. Drehbuch, Regie, Stunts, Musik und Hauptrolle beim 1979 entstandenen Karate-Streifen: Schlagersänger Christian Anders. Und der ist selbst so begeistert von den Veröffentlichungen der Schwerter Firma, dass er beim Zusammenstellen der Extras mithilft, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt.

„Mit Subkultur sind da echte Profis am Werk, ich habe auch ein Video beigesteuert, bei dem man mich heute beim Kampftraining sieht und wir haben Interviews aufgenommen“, erzählt Christian Anders.

Außerdem verrät er, wie es Ende der 70er überhaupt dazu kam, dass er sich vor der Kamera als Action-Star bewies: „Ich war ein großer Fan von Bruce Lee, und zu der Zeit lebte ich zusammen mit Sean Connery in Marbella. Ich wollte gerne einen Actionfilm machen, und Connery hat seinen Bekannten, den Produzenten Leo Kemkes, angefragt. Der hatte zugesagt.“

Tausendfach angesehen

In „Die Brut des Bösen“ schlüpft Christian Anders in die Rolle des Kämpfers Frank Mertens, an seiner Seite Dunja Rajter. Als Anders' Gegenspieler, Drogenboss Van Bollock, ist Deep Roy zu sehen, den man aus großen Hollywood-Filmen wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Star Trek Beyond“ kennt.

Christian Anders glaubt, dass Subkultur Entertainment da ein heißes Eisen im Feuer haben. „Bei Youtube werden seit Jahren Ausschnitte des Films zehntausendfach angesehen. Die Leute wollen den Film sehen“, sagt Anders. Das denkt man auch beim TV-Sender Tele 5, denn der hat mit Subkultur Entertainment schon Verträge über eine Ausstrahlung des Films abgeschlossen.

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