Schwerter Waffenhändler: Prozess startet im Juni

Kreismitarbeiter mitangeklagt

Elf Prozesstage, sechs dicke Beweismittelordner, drei Angeklagte und 190 Verstöße gegen das Waffengesetz – am 14. Juni beginnt vor dem Hagener Landgericht der Prozess gegen einen Waffenhändler aus Schwerte-Westhofen und zwei mutmaßliche Komplizen.

SCHWERTE

, 11.04.2017 / Lesedauer: 3 min
Schwerter Waffenhändler: Prozess startet im Juni

Lang- und Kurzwaffen sowie Munition und Sprengstoff hatte die Zollfahndung bei dem 54-jährigen Mann aus Schwerte sichergestellt.

Knapp ein Jahr nachdem die imposante Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurde, soll bald dem Schwerter Waffenhändler der Prozess gemacht werden. Das bestätigte Gerichtssprecher Jens Berndt auf Anfrage der Redaktion.

Der Zoll hatte am 18. März 2015 im Wohnhaus des 56 Jahre alten Westhofeners 587 Waffen und 2,1 Tonnen Munition sichergestellt. Von hier aus soll der Mann einen schwunghaften Waffenhandel betrieben haben.

Er verkaufte Gewehre, Kurzwaffen und Munition überwiegend über die Internetplattform E-Gun, einer Art Ebay für Waffen. Und das obwohl er seit einem Gerichtsverfahren im November 2005 überhaupt nicht mehr mit Waffen handeln durfte.

Dass seine Lizenz zum Handel mit Schusswaffen dennoch erst 2013 eingezogen wurde, verdanke er dem zuständigen Sachbearbeiter des Kreises Unna. Der 64-jährige Beamte, der so lange Milde walten ließ, ist ebenfalls mitangeklagt. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft nicht nur Beihilfe zum illegalen Waffenhandel vor. Er habe sogar selber vorgeschlagen, einen Strohmann einzusetzen, nachdem die Lizenz 2013 endgültig einbehalten wurde.

Fund im Privathaus sorgte für bundesweites Aufsehen

Der 64-Jährige hatte in den Vernehmungen erklärt, am Anfang habe ihm der Mann leidgetan. Später habe er nur darauf verwiesen, dass man nun einen zuverlässigen Geschäftsführer brauche.

Von einem Strohmann soll nie die Rede gewesen sein. Den zuverlässigen Geschäftsführer präsentierte der Waffenhändler in Person eines ehemaligen Geschäftspartners. Der 43-jährige Mannes aus Hemer beantragte zwar die Lizenz, die Firma soll aber weiter vom Westhofener betrieben worden sein.

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In dessen Privathaus fand der Zoll dann auch die Waffen. Der Fund hatte damals für Aufsehen gesorgt. Überall im Gebäude standen und lagen Gewehre und Faustfeuerwaffen. Der Westhofener, der hier mit Frau und Kind lebt, hatte die Waffen nach Insolvenzen oder auf Auktionen erworben und dann über das Internet weiterverkauft. Dadurch war ihm auch der Zoll auf die Schliche gekommen.

Urteil soll am 14. Juli gesprochen werden

In der Wohnung fand man auch 400 Gramm Sprengstoff (Nitrocellulose und Musketpulver), der für historische Vorderlader genutzt wird, sodass sich der Angeklagte auch wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verantworten muss.

Beim Kreis reagierte man bereits auf die Anklage gegen den Mitarbeiter. „Der betreffende Beamte wurde von seinen Aufgaben entbunden“, so Holger Gutzeit, der beim Kreis für das Personal zuständig ist. Auch ein Disziplinarverfahren sei eingeleitet. Ansonsten warte man aber auf den Ausgang des Gerichtsverfahrens. Der ist bislang für den 14. Juli terminiert.

Hintergrund
5,5 Millionen legale Schusswaffen gibt es in Deutschland, verteilt auf 1,45 Millionen Besitzer. Die meisten Waffen gibt es in ländlichen Kreisen mit vielen Jägern. Nach Schätzungen gibt es zudem 20 Millionen illegale Waffen in Deutschland.

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