Schwerterin rechnet vor: Jedes Baugebiet mehr in der Stadt heizt das Klima an

rnBaugebiete in Schwerte

Wird gebaut, werden Flächen versiegelt. Dadurch schrumpfen die Möglichkeiten der Natur, Treibhausgase zu speichern, sorgt sich die Schwerterin Kerstin Plöger. Sie hat Daten gesammelt.

Schwerte

, 24.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Wandhofener Bruch verschwinden Wiesen unter einem großflächigen Gewerbepark. Am Knapp in Ergste weichen andere Grünflachen neuen Wohnhäusern. Und auf der Heide ist ein weiteres Projekt im Gespräch. Wohnungen und Arbeitsplätze sind wichtig, sagen die Befürworter, während Naturschützer sich Sorgen auch ums Klima machen.

Schwerterin: Was hat Flächenversiegelung mit Klimawandel zu tun?

Die Schwerterin Kerstin Plöger hat sich mit dem Thema „Flächenversiegelung und Klimawandel“ beschäftigt. Sie erinnert: Klimaziel der Bundesregierung sei es, den Ausstoß des klimaschädlichen sogenannten Treibhausgases Kohlendioxyds (CO2) zu verringern und den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen.

So grün war es einmal am Ortsrand von Ergste: Neben dem ehemaligen Haus Gerhold wächst ein Wohnbauprojekt.

So grün war es einmal am Ortsrand von Ergste: Neben dem ehemaligen Haus Gerhold wächst ein Wohnbauprojekt. © Bernd Paulitschke (A)

Böden bildeten nach den Ozeanen den zweitgrößten Treibhausgasspeicher der Erde, erklärt die Leserin: „Pflanzen nehmen Kohlenstoff über die Photosynthese auf.“ Etwa die Hälfte davon gelange direkt wieder in die Atmosphäre.

Von der anderen Hälfte aber werde ein Teil über die Wurzelatmung an den Boden abgegeben, ein weiterer Teil werde in der Pflanze gespeichert. Sterbe diese Pflanze ab, gelange sie in den Boden und mit ihr auch der gespeicherte Kohlenstoff.

Böden haben auch noch eine Kühlfunktion

Bei ihrer Quelle „Statistica Research Department“ fand Kerstin Plöger dazu Zahlen: Ein Hektar Grünland binde demnach (Stand 2020) rund 24 Tonnen CO2 pro Jahr und setze 18 Tonnen Sauerstoff frei.

Bei einem Hektar Getreide seien es 24 Tonnen CO2-Bindung und 18 Tonnen Sauerstoff-Freisetzung, bei einem Hektar Mais 32 Tonnen CO2-Bindung und 24 Tonnen Sauerstoff-Freisetzung: „Eine Fläche von beispielsweise 3 Hektar Grünland zu versiegeln, bedeutet einen jährlichen Verlust von 72 Tonnen gebundenem CO2 sowie 54 Tonnen freigesetztem Sauerstoff.“

Oberhalb der Waldstraße, gegenüber des Behinderten-Wohnheims, hat die Immobilien-Entwicklungsgesellschaft Schwerte rund 30.000 Quadratmeter Ackerfläche gekauft. Mittlerweile kämpft eine Bürgerinitiative gegen ein mögliches Neubaugebiet.

Oberhalb der Waldstraße, gegenüber des Behinderten-Wohnheims, hat die Immobilien-Entwicklungsgesellschaft Schwerte rund 30.000 Quadratmeter Ackerfläche gekauft. Mittlerweile kämpft eine Bürgerinitiative gegen ein mögliches Neubaugebiet. © Reinhard Schmitz

Doch die Böden - so die Schwerterin - trügen noch mehr für das Klima bei: „Sie haben eine Kühlfunktion. Der Boden speichert Wasser für die Pflanzen. Über die Verdunstung der Vegetation beeinflusst der Boden wesentlich das Klima. Durch die Umwandlung von Wasser in Wasserdampf wird der umgebenden Luft Energie entzogen, wodurch diese sich abkühlt. Es entsteht Verdunstungskälte.“

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„Umso mehr Flächen versiegelt sind, umso häufiger führt Starkregen zu Hochwasser, weil er nicht versickern kann“, ergänzt Kerstin Plöger: „Auf der anderen Seite herrscht in vielen Regionen extreme und anhaltende Trockenheit – Wasserüberschuss und Wassermangel stehen nah beieinander. Fehlen Pflanzen, ist weniger Feuchtigkeit in der Luft, und es kommt seltener zu Regengüssen.“ Außerdem bilde sich durch versiegelte Flächen weniger Grundwasser.

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