Schwerterinnen wollen Kilos gemeinsam bekämpfen

Selbsthilfegruppe für Übergewichtige

Ihre Mutter und ihr Bruder sind an Fettleibigkeit gestorben. „Ich will das nicht.“ Die Schwerterin Claudia Ballermann (41) hat sich entschieden, ihrem Übergewicht endlich effektiv den Kampf anzusagen. Zusammen mit Nicole Zester hat Ballermann eine Selbsthilfegruppe für übergewichtige Menschen gegründet.

SCHWERTE

, 31.07.2016, 05:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schwerterinnen wollen Kilos gemeinsam bekämpfen

Zwei Schwerterinnen haben eine Selbsthilfegruppe für Übergewichtige gegründet.

Nicole Zester ist gerade dabei, diesen Kampf zu gewinnen. Die 42-Jährige hat im Januar dieses Jahres einer Magenoperation unterzogen und seither 50 Kilogramm abgenommen. Weitere 40 Kilo sollen folgen. Sie hat es vor wenigen Tagen erstmals geschafft, den Phoenix-See einmal zu Fuß zu umrunden. „Das war der erste Tag meines neuen Lebens.“

Die beiden Schwerter Frauen sind schon lange miteinander befreundet und begegnen sich seit einiger Zeit regelmäßig in einer  Adipositas-Selbsthilfegruppe in Hagen . Jetzt haben sie sich entschlossen, in Schwerte eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Das erste Treffen findet am 4. August statt.

Mit der Selbsthilfegruppe vom "dünnen Dicken"

Hilfe bei der Gründung leistet Christian Fricke, Koordinierungsassistent im Adipositas-Zentrums des Evangelischen Krankenhauses in Haspe. Der junge Mann betreut rund 15 Selbsthilfegruppen und hat am Krankenhaus schon viele fettleibige Menschen auf dem Weg zu „dünnen Dicken“ begleitet. Fricke weiß, wovon er redet: Er hat selbst nach einem operativen Eingriff 90 Kilogramm abgenommen. Er weiß, wie es ist, dick zu sein. „Stigmatisierung ist ein großes Thema.“ Dicksein sei geächtet, aber Fettleibigkeit zugleich eine Epidemie.

Die Frauen bestätigen ihn. Nicole Zester: „Fettleibigkeit hat ja was mit Disziplinlosigkeit zu tun. Man kriegt sein Essen nicht in den Griff. Dafür schämt man sich und wird schräg angeguckt.“ Also ziehe man sich nach und nach immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Einsamkeit und Traurigkeit würden mit Essen kompensiert.

Berufsunfähigkeit und Hartz IV sind die Folgen

Nicole Zester war schon seit Jahren nicht mehr im Schwimmbad, auch mit 50 Kilogramm weniger traut sie sich nicht im Badeanzug an die Öffentlichkeit. „Vielleicht mit anderen aus der Selbsthilfegruppe.“ Ihr Traum von einem „schlanken Urlaub“ im Badeanzug wird nur noch getoppt von der Vision, bald endlich wieder eine Anstellung als staatlich geprüfte Erzieherin zu finden.

Christian Fricke weiß aus seinen vielen Kontakten mit adipösen Menschen, dass Berufsunfähigkeit und der Bezug von Hartz IV oftmals die Folgen der jahrzehntelangen ungesunden Lebensweise sind. Claudia Ballermann hat in der eigenen Familie schmerzhaft erlebt, wie die Gesundheit unter dem Übergewicht leidet und hat sich nach ungezählten ergebnislosen Diäten zu einer Schlauchmagen-Operation entschlossen.

Gemeinsamer Austausch zur Besserung

„Bis dahin muss ich noch zur Bewegungstherapie, zur Ernährungsberatung, zur psychologischen Begutachtung und zur Selbsthilfegruppe. In einem halben Jahr hoffe ich dann endlich auf die OP.“ Derweil will sie sich mit anderem Betroffenen in der neuen Selbsthilfegruppe austauschen. „Jeder hat doch seine eigenen Erfahrungen mit dem Dicksein und dem Abnehmen. Da kann man sich gegenseitig so viel helfen.“

Die Frauen wollen mit der Gruppe auch gemeinsame Unternehmungen anstoßen. Zum Beispiel zusammen eine XXL-Party besuchen – oder schwimmen gehen, damit Nicole sind endlich mal ein Herz fasst.

Selbsthilfegruppe
Das erste Treffen der Selbsthilfegruppe „Calimero“ findet am Donnerstag, 4. August, in der VfL-Gaststätte am Schützenhof, Schützenstraße 30, statt. Von 15 bis 17 Uhr gibt es ungzwungene Infos über die Gruppe und ihre Gründerinnen, von 17 bis 18 Uhr das offizielle Gründungstreffen. Nähere Informationen zur Gruppe und zu allen Fragestellungen rund um Adipositas und ihre Behandlung gibt Christian Fricke unter Tel. (02331) 4 76 29 91.
Die Adipositas Selbsthilfegruppe Hagen erreichen sie unter 

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