Vor der blauen Brücke zwischen Rohrmeisterei und Amsel-Gärten hat sich eine geschlossene Eisdecke über dem Mühlenstrang gebildet. © Reinhard Schmitz
Sibirischer Winter

Seltenes Schauspiel in den Ruhrwiesen: Jetzt frieren die ersten Bäche zu

Die Experten der Stadtentwässerung mussten in ihren Jahrbüchern lange zurückblättern, bis sie fanden, wann in Schwerte zuletzt Bäche unter dem Eis erstarrten. Jetzt ist dieses Schauspiel wieder zu beobachten.

Die Bäume und Sträucher am Ufer spiegeln sich nicht mehr auf der Wasseroberfläche. Stattdessen ruht ein kleines Schneehäufchen unbeweglich auf der Eisscholle, die quer über das sonst so munter fließende Gewässer gewachsen ist.

Der strenge Frost der vergangenen Tage beschert Spaziergängern in den Ruhrwiesen ein seltenes Schauspiel. Der Mühlenstrang ist an manchen Stellen komplett zugefroren.

Zuletzt war der Mühlenstrang im Winter 2009/2010 zugefroren

Besonders eindrucksvoll zu beobachten sind die Auswirkungen der sibirischen Nächte vor der blauen Brücke, über die der Fußweg von der Rohrmeisterei hinüber zu den Amsel-Gärten führt. Auch auf einem Abschnitt hinter den Parkplätzen Im Reiche des Wassers bildet sich allmählich eine geschlossene Eisdecke auf dem Bach.

Man musste lange darauf warten. Das letzte Mal sei der Mühlenstrang im Winter 2009/2010 zugefroren gewesen, berichtet Michaela Zorn-Koritzius, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Schwerte, auf Anfrage. Deren Tochterbetrieb Stadtentwässerung (SEG) ist im Auftrag der Stadt für die Unterhaltung der Kleingewässer zuständig.

Auch auf dem Abschnitt hinter den Parkplätzen Im Reiche des Wassers beginnt der Mühlenstrang zuzufrieren.
Auch auf dem Abschnitt hinter den Parkplätzen Im Reiche des Wassers beginnt der Mühlenstrang zuzufrieren. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Staugefahr besteht durch das Eis den Angaben zufolge nicht. „Jetzt und in der Vergangenheit gibt und gab es bei Frost in Bachläufen keine hydraulischen Probleme, da sich die Eisschicht nur auf der Oberfläche bildet und das Wasser darunter nach wie vor abfließen kann“, sagt Michaela Zorn-Koritzius.

Die Mitarbeiter der SEG würden die Kleingewässer laufend nach einem Inspektionsplan kontrollieren, der ein besonderes Augenmerk auf kritische Punkte legt. Verstärkt würde außerdem vor und nach starken Regenfällen kontrolliert.

Stadtverwaltung hat den Bereich Gewässerschutz ausgelagert

Viele Jahre hatte die Stadtverwaltung diese Aufgaben durch ihren Gewässerschutz-Beauftragten Martin Thal selbst erledigt. Nach dessen Ausscheiden aus dem Rathaus wurde der Arbeitsbereich in eine neutrale, externe Stelle ausgelagert, erklärt Michaela Zorn-Koritzius. Zuständig sei jetzt eine Mitarbeiterin der Kommunalagentur NRW im Auftrag des Abwasserbetriebs Schwerte. Die eigentliche Gewässerunterhaltung führe die SEG durch.

Allein beim Mühlenstrang ist dabei eine Bachstrecke von 9,8 Kilometern zu betreuen. So lang ist das kleine Gewässer, das aus dem Bereich südlich von Holzwickede am Geisecker Stausee vorbei bis nach Schwerte-Mitte fließt, wo es unterhalb des Rohrmeisterei-Plateaus in die Ruhr mündet.

Entstanden ist es aus einem alten Arm der Ruhr, als der Fluss bei einem Hochwasser im Jahr 1719 sein Bett weiter südlich verlegte. Die alten Schwerter verschmälerten damals den fast trockenen nördlichen Ruhrarm, damit er das Wasserrad der Mühle an der Mühlenstraße weiterhin antreiben konnte. Zum Hochwasserschutz wurde er in den 1950er-Jahren begradigt und vertieft.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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