Sex-Übergriffe in Schwerter Senioren-Residenz: „Falscher Pfleger“ legt Geständnis ab

rnLandgericht Hagen

Vor mehr als neun Monaten schockierte ein „falscher Pfleger“ mit sexuellen Übergriffen auf Bewohnerinnen in einem Schwerter Pflegeheim. Seit Mittwoch steht der Mann in Hagen vor Gericht.

Schwerte

, 08.01.2020, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Geständnis hat am Mittwoch vor dem Landgericht Hagen der Prozess um mehrere rätselhafte sexuelle Übergriffe in einem Schwerter Pflegeheim an der Beckestraße begonnen. Der 46-jährige Angeklagte aus Schwerte gab zu, am 30. März 2019 drei Bewohnerinnen nacheinander sexuell bedrängt zu haben. Warum? „Die Idee kam auf einmal so in meinen Kopf. Ich weiß auch nicht, warum das passiert ist“, sagte der Schwerter.

Hochgezogene Kapuze, gesenkter Kopf: Minutenlang hatte der Schwerter kurz zuvor bei Prozessbeginn sein Gesicht hinter zusammengehefteten Din-A4-Seiten versteckt. Erst als die Film- und Foto-Kameras ihn mit dem offiziellen Beginn der Hauptverhandlung nicht mehr ins Visier nehmen konnten, zeigte er sein Gesicht – die Scham über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe war deutlich erkennbar.

Seniorin (88) leistete Widerstand

Nachdem er damals in einem Zimmer eine Bewohnerin hatte glauben lassen, er sei ein Pfleger, hatte sich die alte Dame tatsächlich von ihm duschen lassen. In einem weiteren Zimmer stieß der 46-Jährige laut Anklage dann jedoch auf Widerstand. Eine 88-Jährige wehrte laut Staatsanwaltschaft vehement seinen Versuch ab, die Frau nach den Worten „Waschen, waschen“ zu entkleiden und ins Badezimmer zu bringen, indem sie den 46-Jährigen wegstieß und sich in ihrem Zimmer einschloss.

Kurz danach im Zimmer bei einer 83 Jahre alten demenzkranken Bewohnerin war es dem Schwerter gelungen, die Zimmertür zu verriegeln und den Unterkörper der bettlägerigen Frau zu entblößen. Dort war der Angeklagte schließlich auch aufgefallen. Eine Pflegerin hatte Geräusche im Bad wahrgenommen. Dann war der 46-Jährige an ihr vorbei aus dem Zimmer geflohen.

Angeklagter wollte „Frauenkörper sehen“

Nach Angaben seines Verteidigers Christian Simonis (Dortmund) will der Schwerter durch sein Geständnis vor allem den betroffenen Seniorinnen eine beschwerliche Zeugenaussage vor Gericht ersparen. Obendrein will er auch Schadenwiedergutmachung durch Zahlung von jeweils 1000 Euro leisten.

„Der Angeklagte hat damals einem inneren Antrieb nachgegeben. Sein Ziel war es, Frauenkörper zu sehen“, so Verteidiger Christian Simonis.

Der 46-Jährige leide nach der Trennung von seiner Ehefrau seit Jahren an Depressionen und Kokainabhängigkeit.

Gericht und Staatsanwaltschaft signalisierten dem vielfach vorbestraften Angeklagten nach einem Rechtsgespräch eine Haftstrafe von maximal zweieinhalb Jahren. Obendrein wurde der 46-Jährige am Mittwoch gegen Meldeauflagen nach sechs Monaten aus der U-Haft entlassen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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