So ist Schwerte für Obdachlose aufgestellt

Kalte Jahreszeit

Wo kommen eigentlich die Obdachlosen in Schwerte unter - vor allem wenn es so kalt ist, wie zuletzt? Denn schon seit Oktober vergangenen Jahres sind die Schlafplätze und die Aufenthaltsräume unter dem Schwerter Rathaus wegen der Brandschutzmängel geschlossen. Doch an der Anlaufstelle wird derzeit gebaut.

SCHWERTE

, 29.11.2016, 20:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
So ist Schwerte für Obdachlose aufgestellt

An der Rückseite des Rathauses, neben dem Hintereingang des Bürgersaals, wir ein zweiter Fluchtweg für den Obdachlosenkeller gebaut.

Ein metertiefes Loch klafft im Parkplatz hinter dem Rathaus. Bis an die Grundmauern heran ist der Boden neben dem rückwärtigen Ausgang des Bürgersaals ausgehoben. An der Stelle, wo der zweiter Rettungsweg für den Obdachlosen-Keller gebaut werden soll. 

„Wir hoffen, dass es möglichst noch in diesem Jahr klappt“, sagt Stadt-Pressesprecher Alexander Nähle. Genau abschätzen könne man den Fertigstellungstermin aber leider nicht, weil die Arbeiten von der Witterung abhängig seien. Die sorgte am Dienstag mit eisiger Kälte offensichtlich schon dafür, dass der Bagger abgestellt, die mit Kunststoffplanen ausgeschlagene Baugrube verwaist blieb.

Schon seit längerem kaum Nachfrage

Schon seit Oktober vergangenen Jahres sind die Schlafplätze und die Aufenthaltsräume unter dem Rathaus wegen der Brandschutzmängel geschlossen. Für die Nutzer-Szene scheint das aber kein allzu drängendes Problem zu sein. „Wir hatten schon seit längerem keine Obdachlosen, die nach Übernachtungsmöglichkeiten gefragt haben“, berichtet die zuständige Fachdienstleiterin im Rathaus, Jutta Pentling.

Und die ein oder zwei „Dauergäste“, die früher öfters den Rathauskeller aufsuchten, hätten sich offensichtlich anderweitig orientiert: „Wir haben keine Ahnung, wohin.“ Sie melden sich ja nicht ab, wenn sie gehen.

Andere Obdachlose hätten sich nur ganz vereinzelt an der Information nach einer Bleibe erkundigt, sagt Jutta Pentling. Es handele sich um zwei oder drei Personen, die dann an die Notschlafstelle in Unna verwiesen worden seien. Dorthin – oder zu einer ähnlichen Einrichtung in Dortmund – schickt auch die Diakoniestation in der Kötterbachstraße Obdachlose, die keine feste Bleibe haben. „Die Anzahl der Anfragen ist aber verschwindend gering“, erklärt Sozialpädagogin Sandra Rabiega von der Sozialberatung und bestätigt damit die Beobachtungen von Jutta Pentling. Sie habe nichts gehört von Bedürftigen, die nicht wissen, wohin sie gehen sollen.

Nichtsesshafte sind zur Ausnahme geworden

„Die ganz klassischen ,Tippelbrüder’ gibt es kaum noch“, hat Sandra Rabiega festgestellt. Zu den Nichtsesshaften zählen heute demnach nur die wenigsten: „Die meisten haben Wohnraum oder zumindest die Möglichkeit, bei Freunden unterzukommen.“

Das zeigt auch ein Blick in den Stadtpark, dessen Szene sich mit dem Anbruch des Winters aufgelöst zu haben scheint. Nur ein einziger Mann hockte dort Dienstagmittag auf einer Bank und ließ seine Bierflasche vom frischen Wind kühlen.

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Doch auch im Sommer dienen die Sitzgelegenheiten weniger als Schlafplatz, sondern vielmehr als sozialer Treff von Menschen, für die ein Cafébesuch meistens unerschwinglich ist. Viele kämen wegen des Methadonprojekts angereist, weiß Jutta Pentling: „Die verbringen dort sonst den Tag gemeinsam in Schwerte.“ Und fahren danach irgendwohin nach Hause.

Vor rund 20 Jahren Leiche gefunden

Ob der einsame Mann im Park sein Pilsken am Dienstag lieber neben einem Heizkörper im Rathauskeller getrunken hätte, weiß man nicht. Dort hatte die Stadt vor einigen Jahren neben den Schlafplätzen auch zwei Aufenthaltsräume mit einer Küche eingerichtet, in der sich Obdachlose mal einen Tee oder ein warmes Süppchen zubereiten konnten. Im Sinne der Betroffenen bleibt zu hoffen, dass der Winter es bei seiner milden Seite belässt, bis die schützenden Zimmer wieder benutzt werden können.

Ältere Mitarbeiter der Diakonie haben das Schreckensbild noch vor Augen. Es ist zwar schon mehr als 20 Jahre her, aber unvergesslich, als eines Morgens ein Obdachloser erfroren auf der Terrasse vor ihrer Einrichtung lag. Nicht in Osteuropa oder in den USA, sondern mitten in Schwerte. Auch wenn die Zahl der Gefährdeten heute geringer geworden ist, muss alles getan werden, dass sie der tragische Vorfall niemals wiederholt.

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